
Charles Melman (geboren 3. Juli 1931 in Paris, 12. Arrondissement; gestorben 20. Oktober 2022 ebenda, 14. Arrondissement) war ein französischer Psychiater und Psychoanalytiker der lacanianischen Richtung. Er war Schüler von Jacques Lacan und Mitbegründer der späteren „Association lacanienne internationale (ALI)“.
Melman entstammte einer jüdischen Familie. Melman studierte Medizin in Paris an der Faculté de médecine de Paris. Nachdem er kurzzeitig als Arzt in psychiatrischen Kliniken in der Region Saint-Omer tätig gewesen war, lernte er während seiner weiteren Ausbildung Jacques Lacan kennen. Melman verfolgte dessen Lehren ab dem Jahre 1957, dem Jahr, in dem er bei ihm eine Lehranalyse begann. Auf Empfehlung von Jean Laplanche, mit dem er sich auf die Facharztprüfung vorbereitete, begab er sich bei Lacan in Analyse. Später übernahm er eine leitende Funktion im Bereich der Lehre an der von Lacan 1964 gegründeten „École freudienne de Paris“ und leitete auf dessen Wunsch die Zeitschrift Scilicet. Dort veröffentlichte er unter anderem einen Beitrag zur Halluzination. Weitere Arbeiten erschienen in der Zeitschrift Analytica, darunter ein Aufsatz über den Fall Daniel Paul Schreber.
Melman arbeitete als Assistent des Psychiaters Georges Daumezon am Centre Henri-Rousselle des Hôpital Sainte-Anne in Paris. Gemeinsam verfassten sie einen Bericht über den Beitrag der Psychoanalyse zur „psychiatrischen Semiotik“, der 1970 auf dem französischsprachigen Kongress für Psychiatrie und Neurologie vorgestellt wurde, „68. Sitzung des Congrès de psychiatrie et de neurologie de langue française“ vom 7. bis 12. September 1970 in Mailand.
1982 gründete Melman gemeinsam mit Jean Bergès, Marcel Czermak und Claude Dorgeuille die „Association freudienne“, aus der später die „Association lacanienne internationale“ hervorging. Von 1983 bis 2002 hielt er dort Seminare ab, vor allem zur klinischen Behandlung von Psychosen.
2010 gründete er die „École pratique des hautes études en psychopathologie (EPhEP)“, die der Ausbildung in Psychopathologie und Psychoanalyse dient.
Melman lehnte das dritte französische Autismusprogramm (französisch Troisième Plan Autisme (2013–2017)) ab, das Psychoanalyse nicht als empfohlene Behandlungsmethode aufführte. Er vertrat die Auffassung, Autismus sei wesentlich psychisch bedingt und nicht genetisch verursacht. Seine Aussagen über autistische Kinder und die Rolle der Mutter wurden von Elternvertretungen und anderen Kritikern als abwertend und wissenschaftlich nicht haltbar kritisiert.
In einem 1976 veröffentlichten Beitrag für die Encyclopædia Universalis bezeichnete Melman Homosexualität als „Perversion“. Er lehnte zudem den französischen „Pacte civil de solidarité (PACS)“ für gleichgeschlechtliche Paare ab. Die Autoren Acyr Maya und Luciana Marques kritisierten seine Positionen als homophob.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Melman, Charles |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Psychiater, Psychoanalytiker, Autor |
| GEBURTSDATUM | 3. Juli 1931 |
| GEBURTSORT | Paris |
| STERBEDATUM | 20. Oktober 2022 |
| STERBEORT | Paris |