
Charles Parrocel (* 6. Mai 1688 in Paris; † 24. Mai 1752 ebenda) war ein französischer Maler, Zeichner und Radierer. Er gilt als einer der führenden Vertreter der französischen Barockmalerei und als Spezialist für militärische Sujets in der Nachfolge seines Vaters Joseph Parrocel. In der zeitgenössischen Kunstliteratur wird insbesondere seine Fähigkeit hervorgehoben, Pferde und deren Bewegungsabläufe naturgetreu wiederzugeben. Spätere kunsthistorische Betrachtungen weisen jedoch darauf hin, dass die anatomische Genauigkeit seiner Pferdedarstellungen nicht immer fehlerfrei war. Als Kolorist wurde er in älterer Literatur in die Nähe von Peter Paul Rubens und Anthonis van Dyck gerückt.
Charles Parrocel war der ältere Sohn des Schlachtenmalers Joseph Parrocel, der ihn und seinen Bruder Jean Joseph (1690–1774), den späteren Zeichner und Ingenieur, ausbildete. Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1704 setzte er seine Ausbildung bei seinem Taufpaten Charles de La Fosse fort. Von 1705 bis 1706 diente er in einem Kavallerieregiment, bevor er sich wieder der Malerei zuwandte. Ab 1712 hielt er sich zur Weiterbildung in Rom auf, wo er als königlicher Pensionär an der Académie de France à Rome aufgenommen wurde. Laut dem AKL verschaffte ihm ein heute verschollenes Ölbild zum Thema eines Quellwunders, das für das Billardzimmer im Schloss Versailles bestimmt war, das königliche Stipendium. Mehrere französischsprachige Quellen nennen hingegen ein Gemälde mit dem Thema der Auffindung des Mose (Moïse sauvé des eaux) als ausschlaggebendes Werk.

Von 1716 bis 1720 hielt sich Charles Parrocel in Venedig auf, wo er Schlachtenbilder von Giacomo Cortese, genannt Il Borgognone, kopierte und sich intensiv mit venezianischer Malerei auseinandersetzte. 1721 kehrte er nach Paris zurück und wurde mit dem heute verschollenen Gemälde Combat d’infanterie et de cavalerie Mitglied der Académie royale de peinture et de sculpture. In der Folge erhielt er zahlreiche Aufträge von Ludwig XV. Ab 1723 schuf er mehrere Fassungen der Darstellungen Entrée de l’ambassadeur turc Méhémet Effendi par le jardin des Tuileries und des Gegenstücks Sortie de l’ambassadeur par le pont tournant après une audience (Öl auf Leinwand, Schloss Versailles), die 1731 unter anderem als Vorlagen für Tapisseriekartons der königlichen Gobelins-Manufaktur dienten. 1728 wurde Parrocel eine Wohnung in der Manufaktur zugewiesen.
1735 wurde Charles Parrocel zum conseiller der Académie ernannt und bezog ab 1743 eine königliche Pension. 1744 wurde er Adjoint à Professeur und 1746 schließlich Professor an der Académie. Zwischen 1737 und 1746 stellte Parrocel mehrfach im Pariser Salon aus. Kurz vor seinem Tod im Jahr 1752 vermachte er der Akademie eine großformatige Zeichnung mit dem Titel La Marche pour la publication de la paix, die sich heute im Musée Carnavalet in Paris befindet. Im Jahr 1745 begleitete Parrocel auf königliche Weisung gemeinsam mit Schülern – darunter Pierre L’Enfant – die französische Armee nach Flandern, um die Schlachten des Österreichischen Erbfolgekriegs, insbesondere jene bei der Schlacht bei Fontenoy, in Augenschein zu nehmen. Die Ergebnisse dieser Reise sollten in eine Serie von Gemälden und Supraporten für die Appartements im Schloss Choisy münden. Aufgrund seiner angegriffenen Gesundheit konnte Parrocel den Auftrag jedoch nicht mehr vollenden. Das Projekt wurde 1759 wieder aufgegriffen. Pierre L’Enfant führte unter Verwendung von Parrocels Vorarbeiten und Farbskizzen gemeinsam mit Charles Cozette bis 1771 fünf Gemälde für das Hôtel de la Guerre in Versailles aus.
Um 1742/1743 porträtierte Maurice Quentin de La Tour Charles Parrocel in Pastell als Mitglied der Académie royale. La Tour setzte sich Berichten zufolge auch für die Gewährung von Parrocels königlicher Pension ein. Charles Parrocel starb 1752 in Paris.

Charles Parrocels künstlerisches Schaffen konzentrierte sich vor allem auf militärische Darstellungen, insbesondere Schlachtenszenen und Reiterstandbilder, darunter ein Reiterporträt Ludwigs XV. (Schloss Versailles), sowie Darstellungen von Angehörigen des Adels. Seine während des Militärdienstes erworbenen Kenntnisse über Uniformen und Ausrüstung ermöglichten ihm eine als authentisch geltende, detailreiche Wiedergabe lebhafter Massenszenen. Besondere Bekanntheit erlangte er durch seine Illustrationen für das von François Robichon de La Guérinière verfasste und 1733 in Paris erschienene Lehrbuch zur Reitkunst École de cavalerie, in dem die Anatomie und die Bewegungsabläufe von Pferden dargestellt sind.
Zwischen 1736 und 1738 schuf Parrocel für Schloss Versailles Jagdszenen, darunter Chasse aux sangliers (Musée Antoine Lécuyer, Saint-Quentin). 1737 malte er für Schloss Fontainebleau die Komposition Halte de grenadiers à cheval de la maison du roi (Musée du Louvre, Paris). 1744 wurde er mit zwei Gemälden für das Appartement des Dauphins in Versailles beauftragt, darunter Scène de la vie militaire sous Louis XV., Garde française et hussards près d’un camp (1746, vor Ort).
Neben der Malerei schuf er ein umfangreiches zeichnerisches Œuvre, das sich durch Frische und Lebendigkeit auszeichnet und thematisch über militärische Motive hinausgeht. Dazu zählen religiöse Darstellungen wie Mariä Himmelfahrt (Rötelzeichnung, 1742, National Gallery of Art, Washington) sowie Genreszenen wie Un festin à Rome (Musée Calvet, Avignon). Eine um 1740 rasch und skizzenhaft ausgeführte Darstellung der Hochzeit zu Kana (braune Tusche, grau laviert, Musée Bonnat-Helleu, Bayonne) sowie die Zeichnung Affrontement de cavaliers (braune Tusche, grau laviert, um 1740/45, Musée du Louvre) lassen den Einfluss der in Venedig studierten Malerei erkennen.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Parrocel, Charles |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Maler, Zeichner und Radierer |
| GEBURTSDATUM | 6. Mai 1688 |
| GEBURTSORT | Paris |
| STERBEDATUM | 24. Mai 1752 |
| STERBEORT | Paris |