Charles Prince

Charles Prince (um 1905)

Charles Prince (* 27. April 1872 in Maisons-Laffitte als Charles Petitdemange; † 18. Juli 1933 in Paris) war ein französischer Schauspieler, Komiker, Regisseur und Drehbuchautor.

Werdegang

Prince wurde als Charles Petitdemange am 27. April 1872 in Maisons-Laffitte im damaligen Département Seine-et-Oise geboren. Sein Vater, ein bedeutender Industrieller, war Präsident der Handelskammer. Er wollte aus Charles einen Kaufmann machen, doch ihn zog es mehr zum Theater. 1892 trat er erstmals, zum Schrecken seiner Eltern, als Salonhumorist in Erscheinung. Er besuchte die Schauspielschule und bekam unter dem Pseudonym „Seigneur“ kleinere Engagements im „La Bobinière“ und im „Tabarin“. 1896 erhielt er einen Preis für seine darstellerische Leistung in Molières Eingebildetem Kranken, woraufhin er unter dem Künstlernamen „Prince“ am „Odeon“ engagiert wurde. Ab 1898 wandte er sich dem Varieté zu.

Er hatte es bereits zu einigem Ansehen gebracht, als ihn Pathé 1908 zum Film holte. Dort wurde Charles Prince als Komiker durch die Figur „Rigadin“ bekannt. In dieser Rolle trat er in zahlreichen stummen Slapstick-Komödien auf, für die er meist die Drehbücher selbst verfasste. In Deutschland hieß die Figur „Moritz“, in England und Amerika „Whiffles“ und in Italien „Tartufini“. In Russland war sie unter dem Namen „Prenz“ (Пренц) bekannt. Sein Charakter war der des schüchternen Liebhabers, des ungeschickten Jünglings, des Pechvogels. Sein Regisseur bei dieser Serie war Georges Monca.

Charles Prince in Moritz in Bedrängnis (1911)

In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg war Prince nach Max Linder der zweitgrößte Filmstar in Frankreich; sein „Rigadin“ war ähnlich angelegt wie Linders Figur „Max“: beide waren Dandies aus den „besseren Kreisen“, die sich dauernd mit den Vertretern der Obrigkeit anlegten und in Liebeshändel gerieten.

In einigen Filmen hob Prince auf Themen seiner Zeit ab: In Moritz als Neger (Rigadin nègre, 1910) wechselt ein Paar aus einem Farbigen und einer Weißen die Hautfarben und danach auch die Vorurteile. In Moritz als Modernist (Rigadin Peintre Cubiste, 1912) verspottete er die moderne Kunst, indem er und die Schauspieler kubistisch gekleidet in würfelförmigen Pappkostümen auftraten. In Moritz als Kino-Operateur auf dem Balkan (Rigadin aux Balkans, 1912) spielte er einen Kriegsphotographen, der lieber im ungefährlichen Paris Aufnahmen fälscht, statt in den Balkan zu reisen, wo der Krieg stattfindet.

Ein Beispiel dafür, wie sich Theater und Film verschränken konnten, bildete die Kriegsrevue Nouvelle Revue, die am 6. Oktober 1915 im Théâtre Antoine erstmals gespielt wurde. Darin verkörpert Prince alias Rigadin sowohl sich selbst als auch einen Rechtsanwalt gleichen Namens, der Anstoß daran nimmt, dass sein Name auf Kinoplakaten missbraucht werde; er besucht eine Vorstellung und sieht sich selbst auf der Leinwand. Maître Rigadin versucht, mit der Filmfigur ins Gespräch zu kommen, als sich diese plötzlich auf der Leinwand umdreht und ihm antwortet. Maître Rigadin will auf sie eingehen und wird so unversehens selbst Teil des Films.

Als „Rigadin“ drehte Prince zwischen 1909 und 1920 über 200 kurze Filme, trat aber auch in anderen Spielfilmen und unter anderen Regisseuren auf. Bei vier Filmen übernahm er neben Georges Monca die Co-Regie, bei einem war er Regisseur und Hauptdarsteller zugleich. In der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg jedoch begann seine Popularität zu schwinden und er bekam nur noch Nebenrollen in einigen wenigen Filmen während der 1920er und der beginnenden 1930er Jahre. Sein letzter Film war bereits ein Tonfilm: Der Regimentsgockel (Le Coq du régiment, 1933), Maurice Cammages nach André Mouëzy-Éon, Alfred Vercourt und Jean Bever gedrehtes vaudeville militaire in drei Akten.

Prince starb am 18. Juli 1933 im Alter von 61 Jahren in Paris.

Der französische Regisseur Cris Uberman ist ein Urenkel von Prince.

Filmografie (Auswahl)

Literatur

Artikel

Filmbeispiele

Abbildungen

Einzelnachweise

  1. ↑ choupanenette: Prince-Rigadin. In: Le blog du passé. 16. Juli 2010, abgerufen am 16. Juli 2014 (französisch): „Issu du théâtre (le cinéma n'existait pas encore), il joue tout le répertoire et se taille une belle réputation sur les scènes du Palais-Royal et des Variétés sous le pseudonyme de Prince.“
  2. ↑ John Wakeman: World Film Directors, Volume 1, p. 676
  3. ↑ vgl. Richard Abel: Encyclopedia of Early Cinema, p. 203
  4. ↑ vgl. Friederike Steurenthaler (2012): Filmstar Asta Nielsen in Freiburger Kinos (1911–1914). Lokale Analyse eines Medienumbruchs: “Asta Nielsen wird als Marke beworben – gegenüber der Hauptdarstellerin treten die wechselnden Titel ihrer Filme in den Hintergrund. Die konkurrierenden Kinounternehmen antworten mit der Aufbietung der Namen von Autoren (wie Leo Tolstoi oder Charles Decroix), von fiktionalen Figuren wie dem Detektiv Nick Winter oder Komikern wie ‚Max‘ (Max Linder) oder ‚Moritz‘ (Charles Prince)...”
  5. ↑ vgl. Makary und Tkacz S. 149, dort eine Liste der in Kiew zwischen 1910 und 1914 gelaufenen Rigadin/Prenz-shorts
  6. ↑ Paul Dubé, Jacques Marchioro: Prince. In: Du Temps des cerises aux Feuilles mortes. 13. Mai 2013, archiviert vom Original; abgerufen am 16. Juli 2014 (französisch): „Rigadin, c'est le malchanceux, le maladroit, celui qui arrive quand on ne l'attend plus ou qui arrive trop tard.“
  7. ↑ Gregor/Patalas sehen in ihm gar eine Art Vorläufer von Fernandel. (S. 16)
  8. ↑ Georges Monca, Regisseur, geboren in Frankreich 1888, gestorben am 15. Januar 1940 ebendort.
  9. ↑ vgl. Eric le Roy: “Rigadin war in der Tat ein ernsthafter Rivale Max Linders .... Calino wurde zu Piefke, Bébé zu Fritzchen, Rigadin zu Moritz”. 2008.
  10. ↑ wenngleich Prince's Figur mehr herkömmlicher Clown war und weniger ausgefeilt erschien als die Linders, vgl. Snorre Mathiesen bei IMDb/bioimdb.com: “Swedish film historian Rune Walderkrantz pointed out that Prince used less refined methods than Linder, being more of a clown in the traditional manner.” Dayna Oscherwitz & Mary Ellen Higgins vergleichen seine Komik eher mit der von Romeo Bossetti und André Deed, vgl. “Il est très populaire et ses niaiseries lourdes ont l'art d'amuser un public d'inconditionnel. Il joue les balourds, les jocrisses ou les ahuris avec un art consommé de l'outrance, faisant des yeux en bille de loto.”
  11. ↑ Moritz als Neger (1910) bei The German Early Cinema Database, DCH Cologne, abgerufen am 11. Juli 2021.
  12. ↑ vgl. Rose 2007: “...as a Pathe film of 1912, Rigadin, Le Peintre Cubiste, records, there is a reciprocal acknowledgment of Cubism in film culture. The actors in the short film are all dressed in cubic cardboard costumes based on a broad and literal reading of Cubist painting...” (S. 110) und Albera (S. 56)
  13. ↑ vgl. Schoenmakers S. 496 und Anm. 5
  14. ↑ “Die Serie der Rigadin-Filme unter der Regie von Georges Monca besteht insgesamt aus über 500 Filmen, die zwischen 1908 und 1920 ungeheuren Erfolg hatten, sowohl in Frankreich als auch weit darüber hinaus. Anders als Max Linder, der in den letzten Jahren als Komiker des frühen Kinos wiederentdeckt worden ist, ist Charles Prince alias Rigadin bislang kaum entsprechend gewürdigt worden” heißt es bei Schoenmakers S. 496 in Anm. 6
  15. ↑ Slapstick, European-style – part 1. In: The Bioscope. 7. September 2007, abgerufen am 16. Juli 2014 (englisch): „He ended his film career playing small roles throughout the 1920s and 30s.“
  16. ↑ Cris Ubermann Biography. In: International Movie Database. Abgerufen am 16. Juli 2014 (englisch): „His great grandfather is a legendary French film actor Charles Prince.“
Personendaten
NAME Prince, Charles
ALTERNATIVNAMEN Petitdemange, Charles (Geburtsname)
KURZBESCHREIBUNG französischer Schauspieler
GEBURTSDATUM 27. April 1872
GEBURTSORT Maisons-Laffitte
STERBEDATUM 18. Juli 1933
STERBEORT Paris