
Chen Wen Di (chinesisch 陳文帝; * 522; † 31. Mai 566 in Jiankang (heute Nanjing)), persönlicher Name Chen Qian, war von 559 bis 566 der zweite Kaiser der Chen-Dynastie in China sowie Neffe des Gründers und ersten Kaisers dieser Dynastie, Chen Wu Di. Unter seiner Herrschaft erlebte das Chen-Reich eine kurze Blütezeit.
Chen Qian stammte aus einfachen Verhältnissen. Seine Familie war im Kreis Changcheng in der Wuxing-Region (heute Changxing, Zhejiang) ansässig. Er war der älteste Sohn von Chen Daotan, einem Kommandeur der Palastwache der Liang-Dynastie. Als der Rebellenführer Hou Jing 548 die Hauptstadt Jiankang belagerte, gehörte Chen Daotan als Kommandant von 2000 Armbrustschützen zu ihren Verteidigern, kam dabei aber durch einen verirrten Pfeil ums Leben. Um diese Zeit begab sich Chen Qian – wohl um den damals am Land verbreiteten Banditenunwesen zu entgehen – in seine Heimatregion Wuxing. Als sich sein Onkel Chen Ba Xian (der spätere Kaiser Chen Wu Di) dem Kampf gegen Hou Jing anschloss, ließ dieser Chen Qian sowie Chen Baxians Sohn Chen Chang ergreifen und als Geisel festhalten. Nach der Niederschlagung des Aufstands von Hou Jing (552) kamen Chen Qian und Chen Chang wieder frei. Chen Qian trat der Armee Chen Ba Xians bei, zeichnete sich in kleineren Gefechten mit örtlichen Banditen aus und stieg zu einem der vertrauten Heerführer seines Onkels auf.
Als Chen Ba Xian zum einflussreichsten Militärführer des im Zerfall begriffenen Liang-Reichs avancierte, wurde Chen Qian 555 zum Gouverneur der Kommandantur Kuaiji (heute Shaoxing, Zhejiang) ernannt. Nach der Thronbesteigung von Chen Ba Xian als erster Kaiser der Chen-Dynastie im Jahr 557 erhielt Chen Qian den Titel eines Fürsten von Linchuan. Da sein einziger überlebender Sohn Chen Chang als Geisel im Reich der Nördlichen Zhou-Dynastie lebte, ernannte Chen Ba Xian seinen Neffen Chen Qian zum Thronfolger. Mit der Unterstützung führender kaiserlicher Hofbeamter wurde Chen Qian nach dem Tod seines Onkels im August 559 neuer Kaiser und erhielt als solcher später den postumen Namen Chen Wen Di.
Chen Qian festigte seine Herrschaft durch den erfolgreichen Kampf gegen lokale Kriegsherren. Aus eigener Erfahrung kannte er die Nöte der einfachen Leute. Er bemühte sich um Sparsamkeit bei den öffentlichen Ausgaben und um eine Reform der Verwaltung. Zur Erhöhung der Staatseinnahmen verbot er den privaten Verkauf von Salz und Alkohol. Er förderte den Ackerbau und die Seidenraupenzucht, senkte die Steuern, widmete sich dem Hochwasserschutz und reduzierte die Frondienste. Ferner ordnete eine Überprüfung der Haushaltsregister an, in die nun alle Untertanen des Reichs eingetragen werden sollten. Seine Regierungsmaßnahmen führten zur wirtschaftlichen Erholung der Region Jiangnan. 560 vertrieb sein Feldherr Hou Tian einen Thronprätendenten der untergegangenen Liang-Dynastie namens Xiao Zhuang, woraufhin die Hälfte von dessen Territorium an das Chen-Reich fiel. Im nächsten Jahr eroberte Hou Tian auch die restlichen Gebiete des ehemals von Xiao Zhuang beherrschten Territoriums, die inzwischen durch Truppen des Kaisers Xuan der Westlichen Liang-Dynastie annektiert worden waren. Nach dem Tod von Chen Qian im Mai 566 folgte ihm sein Sohn Chen Bo Zong auf den Thron. Chen Qian wurde im Yongning-Mausoleum im heutigen Bezirk Qixia von Nanjing beigesetzt.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Chen Wen Di |
| ALTERNATIVNAMEN | Chen Qian; 陳文帝 (chinesisch) |
| KURZBESCHREIBUNG | chinesischer Kaiser der Chen-Dynastie |
| GEBURTSDATUM | 522 |
| STERBEDATUM | 31. Mai 566 |
| STERBEORT | Jiankang (heute Nanjing) |