

Der Chiemgau [] ist eine historisch-kulturell gewachsene Landschaft in Südost-Oberbayern mit dem Chiemsee im Zentrum und hat eine Größe von rund 2500 km². Laut dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) lässt sich die geographische Abgrenzung nicht exakt bestimmen.

Der Chiemgau umfasst Gebiete des Landkreises Rosenheim und des Landkreises Traunstein.
Die geographische Ausdehnung reicht (sortiert im Uhrzeigersinn):
Das Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) hat 2010 den Entwurf einer Gliederung der Kulturlandschaften in Bayern vorgelegt, der 2013 um „Kulturlandschaftliche Empfehlungen für Bayern“ ergänzt wurde.
Der Bereich zwischen dem Inntal (57) im Westen, dem Rupertiwinkel (60) im Osten, dem Berchtesgadener Land (61) im Süd-Osten der Landesgrenze im Süden und dem Alz-Hügelland (58) im Norden wurde im Jahr 2011 unter der Nummer 59, als Kulturlandschaft mit dem Namen „Chiemgau“ beschrieben:
Laut dem Bundesamt für Naturschutz (BfN), wird in einem seiner Landschaftssteckbriefe, das um den Chiemsee gelegene, von Endmoränenrücken und Schmelzwassertälern kleinkuppig gestaltete Jungmoränengebiet zwischen Inn und Traun in 500 bis 650 m ü. NN, als „Chiemgau“ bezeichnet. Mit dem Chiemsee im Zentrum wird der Bereich als Gewässerlandschaft (gewässerreiche Kulturlandschaft) eingestuft. Die Gesamtfläche diese Bereiches wird mit 784 km² angegeben.
Zum „Chiemgau“ zählen die Gemeinden des Lkr. Rosenheim, die rechts des Inn liegen und alle Gemeinden des Lkr. Traunstein, ausgenommen jene, die zum Rupertiwinkel zählen.
Im Westen grenzt der LfU die Kulturlandschaft Chiemgau nach geologischen Gesichtspunkten zur Kulturlandschaft Inntal ab. Der Grenzverlauf folgt den Talhängen des Inns quer durch folgende Gemeinden: Nußdorf am Inn, Neubeuern, Rohrdorf (am Inn), Stephanskirchen, Vogtareuth, Griesstätt, Eiselfing und Babensham.
| Lkr. Rosenheim | Lkr. Traunstein | ||
|---|---|---|---|
| Amerang | Nußdorf am Inn 1) | Altenmarkt an der Alz | Schnaitsee |
| Aschau im Chiemgau | Prien am Chiemsee | Bergen (Chiemgau) | Seeon-Seebruck |
| Babensham 1) | Prutting | Chieming | Siegsdorf |
| Bad Endorf | Riedering | Engelsberg | Staudach-Egerndach |
| Bernau am Chiemsee | Rimsting | Grabenstätt | Surberg |
| Breitbrunn am Chiemsee | Rohrdorf (am Inn) 1) | Grassau | Tacherting |
| Eiselfing 1) | Samerberg | Inzell | Traunreut |
| Eggstätt | Schonstett | Kienberg (Oberbayern) | Traunstein |
| Frasdorf | Söchtenau | Marquartstein | Trostberg |
| Chiemsee (Gemeinde) | Stephanskirchen 1) | Nußdorf (Chiemgau) | Übersee (Chiemgau) |
| Griesstätt 1) | Vogtareuth 1) | Obing | Unterwössen |
| Gstadt am Chiemsee | - | Pittenhart | Vachendorf |
| Halfing | - | Reit im Winkl | - |
| Höslwang | - | Ruhpolding | - |
| Neubeuern 1) | - | Schleching | - |
| 1) nur anteilig nach Übersichtskarte -Entwurf einer kulturlandschaftlichen Gliederung Bayerns- des LfU | |||
Vor etwa 15.000 Jahren hat die Eiszeit den Chiemgau als Voralpen- und Moränenlandschaft geprägt. So ist der Chiemgau eine hügelige Landschaft mit zahlreichen Wiesen-, Wald- und Moorflächen sowie zahlreichen Seen – vom 82 km² großen Chiemsee bis hin zu kleineren Waldseen. Die höchsten Erhebungen im Chiemgau erreichen fast 2000 Meter ü. d. M.
Nach einer widerlegten Hypothese explodierte im 5. Jahrhundert vor Christus über dem Chiemgau ein Komet oder Meteorit, die Bruchstücke sollen zu einem Streufeld geführt haben. Dieses angebliche Ereignis wird Chiemgau-Einschlag genannt.
Siehe auch: Liste der Gewässer im Chiemgau

Die Bezeichnungen „Chiemgau“ und „Chiemsee“ hängen mit dem Ortsnamen Chieming zusammen, der meist von dem althochdeutschen Personennamen „Chiemo“ (7./8. Jahrhundert) abgeleitet wird.
Am Ende des 8. Jahrhunderts taucht der Name „Chiemgau“ auch erstmals in Urkunden als „Chimingaoe“ auf und bezeichnet damals noch ein kleineres Gebiet um das Dorf Chieming herum. Durch die Jahrhunderte hindurch dehnte sich das Gebiet des Chiemgaus immer weiter aus.
Erst im 11. Jahrhundert wird namenskundlich aus dem Chieminggau durchgängig der Chiemgau.
Zahlreiche Orte tragen inzwischen zur besseren Unterscheidung die Ergänzung „im Chiemgau“, z. B. Aschau im Chiemgau im Unterschied zu Aschau am Inn, Nußdorf (Chiemgau) im Unterschied zu Nußdorf am Inn. Man spricht von den Chiemgauer Alpen, den Chiemgauer Bergen.
Auch durch das Attribut Chiemgauer wird der Bezug zum Chiemgau betont, und dies nicht nur im Zusammenhang mit der vom „Chiemgauer e. V.“ getragenen regionalen Komplementärwährung Chiemgauer. Mit dieser regionalen Währung kann man parallel zum Euro in mehr als 600 Geschäften der Region bezahlen. Zudem gibt es für den Chiemgauer eine eigene EC-Karte. Die Kontoführung übernehmen Genossenschaftsbanken und Sparkassen in der Region (s. a. Regiogeld).
Für zahlreiche Markenzeichen reicht es sogar, allein „Der Chiemgauer“ zu sagen (z. B. „Chiemgauer Dreher“ als Volkstanz, der „Chiemgauer Hut“ als Trachtenhut usw.).
Schnittspuren auf dem Skelett des Siegsdorfer Höhlenlöwen sind Zeugnis des Neandertalers im Chiemgau vor ca. 47 000 Jahren.
Erstmals wurden 1930 und 1931 im Westteil der Insel Funde der Jungsteinzeit geborgen. Seit 1993 auch solche der späten Altsteinzeit. Es haben sich also vor rund 11 500 Jahren Menschen auf der Insel aufgehalten. Auch vor etwa 5600 Jahren waren wieder Menschen vor Ort, es wurden Steingeräte aus norditalienischem Feuerstein gefunden. Einige Jahrtausende später, um 2700 v. Chr. war die Krautinsel wiederum bewohnt. Es wurden 3 Steinbeile, Scherben der zeitgenössischen Keramik und ein Kupferbeil gefunden. Es wurden auch Anzeichen von Kupferproduktion entdeckt: Schlacke und Gusskuchen. Zahlreiche Pfeilspitzen kamen zum Vorschein. In der Regel weisen sie Beschädigungen an der Spitze auf, sind also verwendet worden.

Zwischen Inn und Salzach siedelten in den Jahrhunderten um Christi Geburt, Kelten vom Stamm der Alaunen. Sie gehörten zum regnum Norikum einer keltischen Königsherrschaft unter Führung der Noriker, das bereits seit dem Ende des 2. Jahrhunderts vor Chr. rege Handelsbeziehungen zu den Römern pflegte. Als Kaiser Augustus 15 v. Chr. die Reichsgrenzen bis an die Donau verschob wurde das keltische Königreich kampflos übernommen. Die neue Provinz erhielt den Namen Norikum. Das Gebiet östlich des Inn gehörte zum Verwaltungsbezirk Municipium Claudium Iuvavum.
In West-Ost-Richtung durchquerte den Chiemgau die römische Fernstraße Via Julia von Augsburg (Augusta Vindelicorum) nach Salzburg (Iuvavum).
Der Streckenverlauf ist weitgehend durch Funde gesichert. Nördlich von Rosenheim bei Pfaffenhofen am Inn dem Pons Aeni wird der Inn überquert, dann geht's durch die Eggstätt-Hemhofer Seenplatte zum Nordufer des Chiemsee. In Seebruck dem römischen Bedaium wird die Alz überquert. Der Streckenverlauf der St2095 zwischen Ising und Erlstätt folgt der historischen Trasse. Der Verlauf im Bereich Traunstein ist unbekannt. Erst ab Lauter ist der Verlauf nach Osten wieder gesichert. Südlich Freilassing wird die Saalach überquert. Die Inschriften erhaltener Meilensteine bürgen von einer Bauzeit ums Jahr 200 nach Chr.
Die Romanisierung der einheimischen Bevölkerung wurde von den Römern gefördert. Der keltischen Aristokratie wurden Aufgaben in der Verwaltung übertragen. Personen, die sich um die Interesse Roms verdient gemacht haben, wurden die römischen Bürgerrechte verliehen.
Erhaltene Weihesteine bezeugen, dass auch unter der Verwaltung der Römer, weiter die Keltischen Gottheiten verehrt wurden.
Bedaio Aug(usto) / et Alounis / sacr(um) / …
Dem erhabenen Bedaius / und den Alounen / geweiht! / ...
Das Militärdiplom von Geiselprechting (Vachendorf), datiert auf den 15. Juni 64 n. Chr., wurde beschrieben als das älteste exakt datierbare Schriftdenkmal Bayerns.
Abseits der Fernverbindung entstanden beachtliche Landsitze, Villa Rustica. Funde von Erlstätt sind im Römermuseum Grabenstätt ausgestellt. In Holzhausen lassen sich die ausgegrabenen Reste der Fußbodenheizung Hypokausten bestaunen.

Geschichtlich spricht man vor allem zwischen dem 8. und dem 11. Jahrhundert von sog. „Chiemgaugrafen“ bzw. Grafen im Chiemgau. Der Chiemgau war dann lange Zeit sowohl den bayerischen Herzögen als auch den Fürsterzbischöfen von Salzburg verbunden. Erstere waren die Landesherren, letztere waren kirchliche Macht und oft auch örtliche Grundherren.
Erst nach der Säkularisation 1803 kam der Chiemgau vollständig in bayerische Hand.
Im Chiemgau wird Brauchtum und Trachtenpflege besonders anschaulich ausgeübt. Dies spiegelt sich unter anderem im Namen des Chiemgau-Alpenverbands wider, in dem ein Teil der Chiemgauer Trachtenvereine zusammengeschlossen ist. Die meisten Trachtenvereine des Chiemgaus gehören allerdings zum Gauverband I. Der „Chiemgau Alpenverband für Tracht und Sitte e. V.“ bildet einen Zusammenschluss der Chiemgauer Trachtenvereine.
Neben dem noch mehr oder weniger ausgeprägten bayerischen Dialekt der Rosenheimer und Traunsteiner Einheimischen bilden die Chiemgauer Tracht samt Lederhose sowie das Chiemgauer Volkstheater eigene kulturelle Markenkennzeichen der Region. In diesem Zusammenhang sind auch noch die als Museumsbahn betriebene Chiemgauer Lokalbahn und das Chiemgauer Schulmuseum zu erwähnen. Von 1922 bis 1933 existierte eine „Freie Vereinigung Chiemgauer Künstler e. V.“ und der Gebirgstrachtenerhaltungsverein Grabenstätt hat „Chiemgauer“ als Vereinsnamen. Seit 2008 hat die Zirmstiftung Schusterhof in Bergen/Chiemgau ihren Sitz. Die Zirmstiftung veranstaltet auf dem neu aufgebauten Schusterhof Trachtenausstellungen des Gauverbands I sowie eine historische Krippenausstellung, deren Exponate auch in Wanderausstellungen an anderen Orten gezeigt werden. Zweck der Stiftung ist der Erhalt bayerischer Kultur und Traditionen.
Nicht zuletzt aufgrund seiner landschaftlichen Vorzüge war der Chiemgau bereits des Öfteren Drehort für Kino- und Fernsehfilme:
Das Chiemgauer Volkstheater ist durch seine Fernsehauftritte weit über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt. Überhaupt gibt es im Chiemgau eine Vielzahl von Bauerntheatern mit langer Tradition.
Der Chiemgau ist als Wintersportzentrum bekannt, speziell durch das Eislaufstadion in Inzell („Eislauf-Mekka“), die Biathlon-Weltmeisterschafts- und Weltcup-Strecken in Ruhpolding. Aber auch in den anderen Bereichen des Wintersports, besonders im Ski nordisch und im Ski alpin hat der Chiemgau bekannte Sportler und Sportlerinnen hervorgebracht. In der Bundespolizeisportschule Bad Endorf trainieren Wintersportler, die dort parallel eine Ausbildung im Polizeivollzugsdienst erhalten.
Zu den ältesten erhalten gebliebenes Gebäuden Bayerns gilt die karolingische
aktiv
ehemalig
Jährliches Ziel der Pferdewallfahrt Georgiritt am Ostermontag in Traunstein
Jährliche Pferdewallfahrt von Stein an der Traun nach Sankt Georgen
Jährliche Trachtenwallfahrt des Gauverband I
Jährliche Trachtenwallfahrt des Chiemgau-Alpenverband
Im Chiemgau gibt es ein so umfangreiches wie vielfältiges Angebot an Museen:
Im Chiemgau gibt es 16 Naturschutzgebiete verteilt auf die Landkreise Rosenheim und Traunstein.
| Name | Kennung | Größe | Kreis |
|---|---|---|---|
| Irlhamer Moos | NSG-00059.01 WDPA:82004 | 0,38 km² | Lkr. Rosenheim |
| Eggstätt-Hemhofer Seenplatte | NSG-00154.01 WDPA: 4417 | 10,25 km² | Lkr. Rosenheim |
| Geigelstein | NSG-00384.01 WDPA: 64683 | 31,41 km² | Lkr. Rosenheim Lkr. Traunstein |
| Hacken und Rottauer Filz | NSG-00373.01 WDPA: 163467 | 3,64 km² | Lkr. Rosenheim Lkr. Traunstein |
| Kühwampenmoor | NSG-00047.01 WDPA: 164292 | 0,23 km² | Lkr. Rosenheim |
| Murner Filz | NSG-00051.01 WDPA: 82197 | 0,99 km² | Lkr. Rosenheim |
| Südufer des Simssees | NSG-00433.01 WDPA: 165791 | 2,55 km² | Lkr. Rosenheim |
| Bergener Moos | NSG-00107.01 WDPA: 162379 | 1,1 km² | Lkr. Traunstein |
| Durchbruchstal der Tiroler Achen | NSG-00150.01 WDPA: 81566 | 0,68 km² | Lkr. Traunstein |
| Kendlmühlfilzen | NSG-00397.01 WDPA: 164053 | 7,45 km² | Lkr. Traunstein |
| Mettenhamer Filz | NSG-00046.01 WDPA: 82162 | 0,45 km² | Lkr. Traunstein |
| Mündung der Tiroler Achen | NSG-00304.01 WDPA: 30119 | 12,66 km² | Lkr. Traunstein |
| Östliche Chiemgauer Alpen | NSG-00069.01 WDPA: 4415 | 98,73 km² | Lkr. Berchtesgadner Land Lkr. Traunstein |
| Seeoner Seen | NSG-00229.01 WDPA: 165542 | 1,4 km² | Lkr. Traunstein |
| Sossauer Filz und Wildmoos | NSG-00303.01 WDPA: 82606 | 2,46 km² | Lkr. Traunstein |
| Süssener und Lanzinger Moos | NSG-00070.01 WDPA: 82678 | 0,36 km² | Lkr. Traunstein |
Der Chiemgau war stark von der Wirtschaft mit Holz, Eisen und Salz geprägt. Ein Pionier des Bergbaus und des Hüttenwesens war im 16. Jahrhundert Pankraz von Freyberg zu Hohenaschau. Die Saline in Traunstein bestand von 1619 bis 1912 und hat auf den gesamten Chiemgau wirtschaftlich, aber auch kulturell großen Einfluss ausgeübt. Ähnliches gilt für die Maximilianshütte in Bergen, die von 1561 bis 1932 betrieben wurde. Im Zusammenhang mit der Holzgewinnung ist der Chiemgau auch ein altes Pferdezuchtland für Arbeitspferde.

Die Kulturlandschaft Chiemgau ist laut Bayerischem Landesamt für Statistik in die zwei Tourismusregionen „Chiemsee-Alpenland“ und „Chiemsee-Chiemgau“ zweier Landkreise unterteilt, die von den zwei Tourismusverbänden Chiemsee-Alpenland Tourismus (Landkreis Rosenheim) und der Chiemgau GmbH (Landkreis Traunstein) beworben werden.
Der Chiemgau ist eine Kulturlandschaft ländlich-bäuerlicher Prägung, die mit Sehenswürdigkeiten wie Kloster Herrenchiemsee oder Neues Schloss Herrenchiemsee auf der Herreninsel im Chiemsee zu den bevorzugten Tourismusregionen Bayerns zählt und u. a. für sich als eines der größten und am besten ausgebauten Radwander- und Wandergebiete Deutschlands mit Angeboten für sportlich geführte und regional Kulturelles erklärende Rad-Touren wirbt.
Für bekannte Söhne und Töchter bzw. Bewohner des Chiemgaus siehe Kategorie:Person (Chiemgau)