Christian Pfluger

Christian Pfluger (* 2. Februar 1963) ist ein schweizerischer Musiker, Schriftsteller und Künstler. Er ist bekannt als Urheber der fiktiven Kunstformation Die Welttraumforscher, unter deren Pseudonym Pfluger seit 1981 ein umfangreiches Werk geschaffen hat.

Leben

Christian Pfluger stammt aus Augsburg. Aufgewachsen ist er im Kanton Zürich. Von 1981 bis 1985 besuchte er die Fotoklasse der Kunstgewerbeschule Zürich. 1981 begann er mit dem Projekt Die Welttraumforscher. Er lebt in der Nähe von Zürich.

Werk

Überblick

Christian Pflugers Schaffen ist seit 1981 im Wesentlichen dem Welttraumforscher-Projekt gewidmet, das um die Idee von drei mythischen außerirdischen Wesen kreist, die nach einer kosmischen Katastrophe auf der Erde beim Künstler Asyl gefunden haben. Den entsprechenden fiktiven Gründungsmythos zum Projekt erzählt Pfluger in einer seiner Geschichten. Die Welttraumforscher liefern als Pflugers künstlerisches Alter Ego den offenen konzeptionellen Rahmen zu einem Werk, das von einer überwiegend utopisch-poetischen Ausdrucksform und einem künstlerischen Universalismus geprägt ist. Dieser zeigt sich in einer gleichwertigen Pflege musikalischer, künstlerischer und dichterischer Formen, die in den verschiedenen popmusikalischen Veröffentlichungen zusammengeführt werden. Bei fast allen diesen Werken liegt zudem der gesamte künstlerische und technische Produktionsprozess vollständig in seiner Hand, was sich etwa auf die grafische Gestaltung der Tonträger, die eigenständige Einspielung aller Instrumente, die Studioarbeit und den Vertrieb bezieht. Neben der Veröffentlichung von Musikalben tritt Christian Pfluger als Die Welttraumforscher gelegentlich unter Beteiligung von Gastmusikern in Konzerten und durch die Gruppen- und Einzelausstellung seiner Bilder, etwa in Brüssel oder Hamburg, an die Öffentlichkeit. Das künstlerische Werk wurde zudem 2013 in einer Retrospektive im Kunsthaus Langenthal gewürdigt.

Das musikalische Schaffen erfuhr durch drei Kompilationen beim Label Bureau B eine auch von der Kritik und den Medien geteilte Anerkennung. Daneben wurde seine Musik bereits mehrmals von anderen Künstlern, etwa Mouse on Mars oder Barbara Morgenstern gecovert.

Die Grundidee des Projekts Die Welttraumforscher

Christian Pfluger bezeichnet die Welttraumforscher selbst als ein „musik-literarisch-wissenschaftliches Geheimprojekt“. Einen programmatischen Schlüssel zum utopisch-poetischen Konzept des Projekts liefert Pfluger bereits mit dem lyrischen Text des Stücks „Der Traum der Welt“ auf der ersten Veröffentlichung Herzschlag Erde von 1981:

Der Weltentraum
Der Traum der Welt
Steckt irgendwo auf dieser Welt
Wir wissen nicht
Ob es ihn gibt
Und doch erforschen wir
Den Traum der Welt

In der sog. Welttraumforschung kombiniert Pfluger eine fiktive außerirdische Perspektive mit einem dezidiert utopisch-poetischen Blick auf die Welt, der sich in seinen Texten durch eine Bevorzugung des Einfachen, des Naiven und Liebenswürdigen und der Thematisierung der Alltagswelt niederschlägt. Mit dem erkennbaren Interesse am Geheimnisvollen, Zauberhaften, aber auch Unheimlichen verbindet sich eine Nähe zur Welt des Kindlichen. Auch die fiktive Existenz einer Reihe verschiedener Kunstfiguren rund um die drei mythischen Welttraumforscher enthält Bezüge zu einer bizarr-märchenhaften naiven Vorstellungswelt. Diese Figuren, wie Ohm Olunde oder Beverine Pale, tauchen sowohl im musikalischen als auch künstlerischen Schaffen auf und erzeugen im Rahmen des Projekts eine lockere thematische Gesamtstruktur. Eine Orientierung in der vielschichtigen fiktiven Welt der Welttraumforscher soll ein sog. Wörterbuch der Welttraumforschung verschaffen, das Christian Pfluger in der Vergangenheit im Internet angelegt hat.

Im künstlerischen Werk entfaltet sich die außerirdische Perspektive oft in komplexen, wohl proportionierten, häufig mandalaartigen geometrischen Strukturen, die von bildhaften Naturelementen und kosmischen Symbolen durchsetzt sind. Ästhetisch finden sich darin Anklänge etwa an das Wimmelbild, Formen ikonischer Raum- und Bildgestaltung, an die Ästhetik des Comics oder die Naive Kunst.

Die musikalische Seite des Projekts besteht vor allem aus Stücken und Liedern, die in konzeptionell locker dem Welttraumforscher-Kosmos zugeordneten Alben gesammelt werden. Diese zeigen über die Jahre hin verschiedene stilistische Einflüsse, wobei eine Vielfalt melodischer Einfälle, kunstvoll elaborierte Songstrukturen, ein Nebeneinander aus elektronischer und akustischer Instrumentierung, aber auch – besonders in den ersten Jahren – eine Neigung zum verspielt Grotesken und Experimentellen auffallen.

Geschichtliche Entwicklung des Projekts Die Welttraumforscher

In der über vierzig Jahre dauernden Geschichte des Projekts Die Welttraumforscher lassen sich verschiedene Phasen unterscheiden, wobei diese sowohl durch ästhetische und inhaltliche Entwicklungen im künstlerischen Selbstverständnis Pflugers als auch durch popkulturelle Strömungen oder auch veränderte technische Möglichkeiten beeinflusst worden sind. In den 80er Jahren war Pflugers Projekt vor allem auf die Produktion von Kassetten ausgerichtet. Damit war er ein Teil der damals florierenden experimentell-dilettantischen Subkultur der sog. Kassettentäter. In den ersten Jahren beeinflusste ihn u. a. besonders die Musik und Ästhetik der Residents. Auch wenn die dadaesk-experimentellen Stücken der ersten Kassetten eine Nähe zur avantgardistischen Neuen Deutschen Welle, besonders etwa zur Band Der Plan, erkennen lassen, verfolgte Pfluger mit seinem Projekt einen eigenständigen künstlerischen Weg, der mit der Kassette Binika von 1986 zu einer spürbaren stilistischen Weiterentwicklung seiner Musik führte: Die Freude am Experiment macht einer immer konsequenteren Pflege des Songformats Platz, wobei Pfluger selbst die Musik der Kassettenjahre als „Bretzelbergpop“ charakterisiert. Die Jahre 1989 bis 1992 sind durch die Veröffentlichung von vier Langspielplatten gekennzeichnet, von denen die ersten beiden z. T. auf Produktionen der ersten Jahre zurückgreifen. Das LP-Format ermöglichte Christian Pfluger durch die aufwendige künstlerische Gestaltung des Platten-Artworks eine konzeptionelle künstlerische Weiterentwicklung des Welttraumforscher-Projekts. Seit 1993 veröffentlicht Pfluger regelmäßig auf CD, wobei in unregelmäßigen Abständen immer wieder auch noch LP- und sogar Kassettenwerke erscheinen. In den 80er und 90er Jahren vertreibt Pfluger fast ausnahmslos alle Werke noch selbst, wobei er dies über eigene Label, vor allem das Moniflabel, abwickelt. Inzwischen werden einzelne Werke und die Kompilationen auch von verschiedenen externen Labels vertrieben.

Pfluger hat im Laufe der Jahre nur wenige Live-Konzerte mit Die Welttraumforscher absolviert, was auch ein Stück weit zum Kultstatus des Projekts beigetragen haben dürfte. Seitdem das Projekt seit 2021 beim Label Bureau B veröffentlicht wird und dieses auch das Booking für Die Welttraumforscher übernimmt, gab es wieder einige ausgewählte Live-Konzerte, u. a. in Deutschland, Österreich und dem Vereinigten Königreich.

Sonstige Werke

Neben der Arbeit an dem Projekt Die Welttraumforscher hat Christian Pfluger nur vereinzelt literarische und musikalische Werke unter seinem eigenen Namen veröffentlicht, etwa die Erzählung Das Tier Taumeltouw von 1989 oder die Kassette Theorie des kleinen Glücks von 1982.

Veröffentlichungen

Diskografie

Urheberangabe immer: Die Welttraumforscher, wenn nicht anders angegeben.

Bücher

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Benedikt Sartorius: Der Planet der Welttraumforscher, auf norient.com, abgerufen am 19. Februar 2024
  2. ↑ Die Welttraumforscher: Lieder, Zeichen, Forschungen. Hrsg. v. Kunsthaus Langenthal. Langenthal 2013, S. 95.
  3. ↑ Christian Pfluger: Wie die Lia Laternenmacherin wurde und weitere Geschichten aus der Welttraumforschung. Mainz: Ventil Verlag 2023, S. 8–25.
  4. ↑ Die Welttraumforscher: Lieder Zeichen Forschungen. Hrsg.: Kunsthaus Langenthal. Traversion, Langenthal 2013, ISBN 978-3-906012-04-9, S. 94.
  5. ↑ Die Welttraumforscher. Ein Sommer in der Wirklichkeit – Marta Riniker-Radich. In: kunsthauslangenthal.ch. 2013, abgerufen am 4. Februar 2024.
  6. ↑ Thomas Winkler: Review: Die Welttraumforscher | Liederbuch. Christian Pfluger lädt mit verschrobenem Outsider-Pop in seine komplexe Fantasiewelt. In: musikexpress.de. 19. August 2022, abgerufen am 4. Februar 2024.
  7. 1 2 Andreas Hartmann: Die Weltraumforscher: Kaffee, Kuchen und Kometen. In: tagesspiegel.de. 9. März 2021, abgerufen am 4. Februar 2024.
  8. 1 2 Thomas Bohnet: Geheime Musik aus der Schweiz. Das Zürcher Projekt Die Welttraumforscher. In: leeson.ohje.de. Februar 2000, abgerufen am 4. Februar 2024.
  9. ↑ Der grosse Unbekannte. In: Musikzeitung Loop. Oktober 2013.
  10. ↑ BOOKING. In: Bureau B. Abgerufen am 5. Januar 2026.
  11. ↑ 10 bis 11 - Die Welttraumforscher zu Gast. In: ByteFM. Abgerufen am 5. Januar 2026.
  12. ↑ Cafe OTO → Die Welttraumforscher + Otto Willberg & Merlin Nova, Wednesday 12 April 2023, 8pm. Abgerufen am 5. Januar 2026 (englisch).
  13. ↑ Die Welttraumforscher - Herzschlag Erde / Verdunkelt die Sinne. In: Discogs. Abgerufen am 2. Februar 2024.
  14. ↑ Die Welttraumforscher - Die Singende Sternlaterne / Folklore des Weltalls 1982. In: Discogs. Abgerufen am 2. Februar 2024.
Personendaten
NAME Pfluger, Christian
KURZBESCHREIBUNG schweizerischer Musiker, Schriftsteller und Künstler
GEBURTSDATUM 2. Februar 1963