Christian Roehl

Christian Roehl (* 22. März 1940 in Berlin; † 4. April 2013) war ein deutscher Kunstschmied und Metallgestalter.

Leben und Werk

Roehl kam aus einem protestantischen Elternhaus, der Vater war Buchhalter. Die Familie lebte in Berlin-Grünau. Roehl absolvierte von 1950 bis 1959 das Evangelische Gymnasium in Berlin-Charlottenburg und nach dem Abitur bis 1961 eine Lehre als Bauschlosser in der Firma Wilhelm Hotz Feinstahlbau in Berlin-Neukölln. Danach begann er an der Technischen Universität in Berlin-Charlottenburg ein Studium des Bauingenieurwesens, das er jedoch noch im ersten Semester nach dem Bau der Mauer abbrechen musste, da er in Ostberlin wohnte. Von 1961 bis 1963 arbeitete er bei Fritz Kühn in Bohnsdorf. Nachdem er 1963 mit seinem Bruder Rüdiger Roehl versucht hatte, die DDR illegal zu verlassen, wurden beide inhaftiert und verurteilt, Roehl zu 18 Monaten Gefängnisstrafe. 1964 wurden sie, insbesondere infolge des Einsatzes der Evangelischen Kirche, mit dreijähriger Bewährungsauflage vorzeitig entlassen. Danach arbeitete Roehl von 1964 bis 1968 als Bau- und Spezialschlosser im Werk für Fernsehelektronik in Berlin-Schöneweide, in der Eltz KG – Leichtmetallfensterwerk in Berlin-Adlershof und zuletzt im Institut für organische Chemie der Deutschen Akademie der Wissenschaften in Berlin-Adlershof.

Roehl war von 1966 bis zur Scheidung 1973 mit Heide geb. Leppin, der Tochter des Architekten Albert Leppin (1908–1984), verheiratet, mit der er die 1966 bzw. 1970 geborenen Töchter Susanne und Sabine hatte. Nach der Eheschließung lebten sie zeitweilig in Kleinmachnow. Ab 1974/75 hatte Roehl eine Lebensgemeinschaft und war er ab 2008 verheiratet mit der Keramikerin Mari-Alice Bahra (* 1945; Künstlername Alice Bahra).

1967 erwarb Roehl beim Kunstschmied Joachim Peronne in Potsdam-Babelsberg den Meistertitel als Kunstschmied. Ab 1968 arbeitete er bis zu seinem Ableben freischaffend als Metallgestalter und Kunstschmied. Er wohnte in Babelsberg und hatte seine Werkstatt auf dem Südwest-Kirchhof Stahnsdorf.

Hommage für Karl Förster; Freundschaftsinsel Potsdam

Von 1970 bis 1973 machte Roehl in der Fachrichtung Plastik bei Hans Kies an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee ein Abendstudium. Ab 1973 bildete er Lehrlinge aus und erhielt auch öffentliche Aufträge, u. a. für Arbeiten nach Entwürfen von Kurt-Hermann Kühn, Werner Nerlich, Peter Rohn und Wolfgang Wegener. Z. B. fertigte er 1968 nach dem Entwurf Nerlichs an der Eingangshalle des Verwaltungsgebäudes der VVB Wasserversorgung und Abwasserbehandlung in Potsdam den Wandschmuck Wasser – Leben (Flachstahl, geschmiedet und gehämmert, ca. 2,50 × 2,60 m). Seine erste große freie Arbeit war 1974 Hommage Karl Foerster auf der Potsdamer Freundschaftsinsel. Diese Skulptur wurde kurz nach Roehls Ableben durch Vandalismus beschädigt.

Ab 1977 beteiligte Roehl sich an Symposien für Metallgestalter, so in Eisenhüttenstadt und 1977, 1981, 1983 und 1987 am Stahlgestalter-Symposium im VEB Chemieanlagenbau Staßfurt.

Er hatte in der Zeit der DDR im In- und Ausland eine große Zahl von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, u. a. 1978, 1982 und 1986 an der Quadriennale des Kunsthandwerks sozialistischer Länder, 1982/1983 an der IX. Kunstausstellung der DDR in Dresden und 1989 in Westberlin an der Ausstellung Metallkunst aus der Deutschen Demokratischen Republik. 1985 unternahm er eine Reise nach Jugoslawien und 1987 anlässlich der Beteiligung an einer Ausstellung in Friedrichshafen erstmals in die Bundesrepublik.

Roehl war von 1973 bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR und gehörte ab 1980 dessen zentraler Sektionsleitung Kunsthandwerk / Formgestaltung des Bezirksverbands Potsdam an. Ab 1990 war er Mitglied des Brandenburgischen Verbands Bildender Künstler e.V.

Nach der deutschen Wiedervereinigung betrieb er mit seiner Partnerin auf dem Dachboden der Schmiede eine Verkaufsgalerie mit ihren Werken. Er erhielt nun vor allem private Aufträge für Kunstschmiedearbeiten und hatte infolge der sporadischen Auftragslage relativ viel Zeit, sich auch ohne Aufträge der freien Stahlplastik zu widmen. Seine Materialsprache wurde nun härter und kantiger. Er beteiligte sich an Wettbewerben für freie Stahlplastiken, woraus mitunter Aufträge ergingen, und an Ausstellungen und Symposien, u. a. 1993 in Halle/Saale an der Ausstellung Stahlplastik in Deutschland 1993 und 1995 am Symposium auf Naxos, wo Roehl das erste Mal auch mit Marmor arbeitete. 2012 hatte Roehl im Städtischen Museum Eisenhüttenstadt die Einzelausstellung Werk und Modell – Außenraum und Schmiede.

Roehl schuf über 40 Metallskulpturen für den öffentlichen Raum und u. a. auch eine Anzahl von sakralen Arbeiten.

1985 entstand an der Hochschule für Film und Fernsehen der DDR als Diplomarbeit der Film Wacher sein und tiefer träumen, der Roehl und Alice Bahra zeigt.

Literatur

Commons: Christian Roehl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Nicht zu verwechseln mit der 1966 geborenen Bühnenbildnerin Maria-Alice Bahra.
  2. ↑ Ruth Pape et al.: Bildende Kunst + Architektur. Baukatalog Teil 4, Potsdam. Deutsche Bauakademie, Berlin, 1972, S. 30/31
Personendaten
NAME Roehl, Christian
KURZBESCHREIBUNG deutscher Kunstschmied und Metallgestalter
GEBURTSDATUM 22. März 1940
GEBURTSORT Berlin
STERBEDATUM 4. April 2013