
Christina Piper (geb. Törne; * 1. Januar 1673 in Stockholm, Schweden; † 25. März 1752 im Schloss Krageholm, Schweden) war eine schwedische Gräfin, Gutsbesitzerin und Unternehmerin, die mit dem Staatsmann und Grafen Carl Piper verheiratet war. Während der Amtszeit ihres Ehemannes spielte sie eine bedeutende politische Rolle. Historisch bekannt wurde Christina Piper vor allem als Bauherrin. Sie gilt als eine der erfolgreichsten Unternehmerinnen Skandinaviens ihrer Zeit und als eine der bedeutendsten Bauherrinnen in der Geschichte der Provinz Schonen.
Christina Piper war eine Tochter und das älteste Kind des wohlhabenden Kaufmanns und städtischen Beamten Olof Hansson Törne (4. Mai 1640 – 9. April 1713) und dessen Frau Margareta (geborene Andersen; 18. Juli 1653 – 14. Februar 1727). Sie hatte mehrere Geschwister, darunter Ingrid, Olof, Margaretha, Michaël (oder Mikael) und Anna Maria. Ihr Vater wurde am 8. Januar 1698 unter dem Namen „Törnflycht“ oder „Törneflycht“ in den Adelsstand erhoben. Am 13. Februar 1690 heiratete sie den königlichen Beamten Carl Piper (27. Juli 1647 – 29. Mai 1716), der ein Stiefbruder ihres Vaters war. Die Ehe war aus wirtschaftlichen Gründen arrangiert worden: Ihr Ehemann benötigte finanzielle Mittel, und als Verwandter mit einer erfolgreichen Laufbahn (er war während seines Dienstes für die Krone geadelt worden) galt er als eine gute Partie, die man innerhalb der Familie halten wollte.
Zwischen 1691 und 1695 brachte Christina Piper fünf Töchter zur Welt, von denen jedoch nur eine das frühe Kindesalter überlebte. Später bekam sie drei weitere Töchter und einen Sohn, die alle das Erwachsenenalter erreichten.
Sie wurde ebenso wie ihr Ehemann im Familiengrab der Familie Piper in der Kirche von Engsö in Westmanland beigesetzt.
1697 wurde ihr Ehemann zum Reichsrat (schwedisch Statsråd) ernannt und im darauffolgenden Jahr in den Freiherren- und Grafenstand erhoben. Es zeigte sich bald, dass er Bengt Oxenstierna als den wohl einflussreichsten Berater des Monarchen abgelöst hatte – eine Stellung, die er bis 1709 innehatte. Wie es für die Ehefrau eines Politikers jener Zeit üblich war, verschaffte ihr dies eine einflussreiche Rolle, da sie als potenzieller Zugang zu ihrem Gatten galt. Sie begann, Empfänge zu geben und am Hofleben teilzunehmen, wo sie von Diplomaten und Bittstellern umlagert wurde, die über sie Kontakt zu ihrem Mann (und damit zum König) suchten. Im Laufe des 18. Jahrhunderts spielten Christina und Carl Piper eine ähnliche Rolle wie Bengt Gabrielsson Oxenstierna und dessen Ehefrau Magdalena Stenbock in den 1680er und 1690er Jahren sowie Arvid Horn und Margareta Gyllenstierna in den 1720er und 1730er Jahren: Sie fungierten als Ehepaar, das zugleich politisch zusammenarbeitete. Bei ihren Zeitgenossen erlangten Carl und Christina Piper einen berüchtigten Ruf, da sie als käuflich und empfänglich für Bestechungsgelder galten. Zwar wurden Carl Piper – wie in jener Epoche durchaus üblich – häufig Geschenke angeboten, damit er sich beim Monarchen für die Vergabe von Ämtern an bestimmte Diplomaten oder Bittsteller einsetzte, doch lehnte er die Annahme solcher Gaben für gewöhnlich ab. Er akzeptierte jedoch – und ermutigte Bittsteller sogar dazu –, dass diese seiner Frau Geschenke machten; sie trug die Anliegen der Bittsteller anschließend an ihren Mann heran, wobei sie oft Erfolg hatte. Diese Vorgehensweise war für Amtsträger jener Zeit keineswegs ungewöhnlich – auch ihre Vorgänger als politisches Machtpaare hatten es ebenso gehandhabt. Dass den Pipers dennoch ein derart schlechter Ruf anhaftete, kann daran gelegen haben, dass sie als Angehörige einer erst kürzlich geadelten Familie vom alten Adel als Emporkömmlinge missgünstig betrachtet wurden.
1700 verließ Carl Piper Schweden im Gefolge Karls XII., um am Großen Nordischen Krieg teilzunehmen, und übertrug Christina die Verwaltung der Familienangelegenheiten. Sie besuchte ihn zweimal im schwedischen Feldlager: zunächst 1705 in Rawicz und ein zweites Mal 1707 in Altranstädt. Bei ihrem ersten Besuch wurde sie von der polnischen Königin Katharina Opalińska empfangen und am polnischen Hof auf Schloss Rydzyna eingeführt. Carl Piper erwog, aus gesundheitlichen Gründen – er war zu jener Zeit krank – nach Schweden zurückzukehren, doch sie überredete ihn zum Bleiben. Während ihres zweiten Besuchs im Jahr 1707 trat John Churchill, 1. Duke of Marlborough an Carl Piper heran und bot ihm angeblich eine Pension an, sollte er Karl XII. zu einem Angriff auf Russland bewegen. Nach der für Schweden katastrophalen Schlacht bei Poltawa (1709) wurde Carl Piper vorgeworfen, die Niederlage letztlich herbeigeführt zu haben, indem er Karl XII. zur Invasion Russlands überredet habe – angeblich bestochen durch Marlborough. Carl Piper bestritt die Annahme des Bestechungsgeldes, räumte jedoch ein, ein Geschenk des Herzogs an seine Frau Christina Piper – zwei wertvolle Ohrringe – entgegengenommen zu haben; auch sie gab den Erhalt der Ohrringe zu, bestritt jedoch, dass es sich dabei um Bestechung gehandelt habe. Auf der Heimreise wurde sie vom Prinzen von Württemberg und einem großen Gefolge begleitet; sie besuchte Berlin, wo ihr vom preußischen König und dem königlichen Hof ein prunkvoller Empfang bereitet wurde. Während ihres Aufenthalts wurde eine Statue, die an den preußischen Sieg über die Schweden in der Schlacht bei Fehrbellin erinnerte, entfernt, nachdem sie ihr Missfallen darüber geäußert hatte; zudem erhielt sie vom König ein prächtiges Armband als Geschenk.
Wieder in Schweden nahm sie am Hofleben teil. Dort gehörte sie zu einer Gruppe – bestehend aus ihr selbst, Arvid Horn, Molin (dem Geistlichen der Königinwitwe), Beata Sparre und Märta Berendes –, die durch ein Bündnis mit Carl Gyllenstierna die Hofgunstlingin Anna Catharina von Bärfelt vom Hof verdrängte.
Die verheerende Nachricht von der schwedischen Niederlage von Poltawa, in der Carl Piper in russische Gefangenschaft geraten war, löste in der Hauptstadt Stockholm Panik aus und die Bank wurde leergeräumt; da Carl Piper dafür verantwortlich gemacht wurde, den König zum Angriff auf Russland bewogen zu haben, wurde Christina Piper nach Berichten dänischer sowie französischer Gesandter von einem aufgebrachten Mob angegriffen und zur Flucht aus der Hauptstadt gezwungen. Sie führte Verhandlungen mit der Regierung, um ihren Ehemann gegen in Schweden festgehaltene russische Gefangene auszutauschen – ein Unterfangen, das jedoch erfolglos blieb. Zeitgenössischen, wenngleich unbestätigten, Gerüchten zufolge wünschte sie sich seine Rückkehr tatsächlich gar nicht, da sie die Unabhängigkeit schätzte, die sie in seiner Abwesenheit genoss. Carl Piper starb 1716 in russischer Gefangenschaft; sein Leichnam wurde 1718 überführt und 1719 beigesetzt.
Nach der Gefangennahme ihres Ehemannes verlor Christina Piper jeglichen Einfluss auf die Staatsgeschäfte: Sie war in der Hauptstadt unbeliebt, und ihre Verbindungen waren nach dem Sturz Carl Pipers nutzlos geworden. Den Rest ihres Lebens widmete sie ihrer Rolle als Oberhaupt der Familien sowie der Verwaltung ihres umfangreichen Grundbesitzes; sie reiste zwischen ihren Gütern hin und her, wobei Schloss Krageholm in Schonen ihr Hauptwohnsitz war. Sie nutzte ihre Stellung als Gutsbesitzerin, um Einfluss auf die Lokalpolitik zu nehmen, und entwickelte sich zu einer bedeutenden Figur der nationalen Wirtschaft: Sie zählte zu den wichtigsten Geldgebern des Großen Nordischen Krieges. Nach dem Tod ihrer Tochter Charlotta im Jahr 1727 übernahm sie die Fürsorge für ihre Enkelkinder Eva Charlotta, Nils Adam und Christina Sofia (von denen die jüngste später die Mutter von Magdalena Rudenschöld wurde).
1712 zog sie aus Kostengründen von der Hauptstadt auf ihre Güter in Schonen. Sie erwarb zahlreiche weitere Ländereien und ging als bedeutendste Bauherrin in die Geschichte Schonens ein. Sie besaß und verwaltete die Güter Schloss Sturefors, Schloss Krageholm, Schloss Björnstorp und Östra Torup. 1725 erwarb sie ein Gut in Andrarum, das sie zu einem bedeutenden Zentrum der Alaunproduktion in Schonen ausbaute und das schließlich 900 Arbeitskräfte beschäftigte. Sie ließ Schulen, Altersheime, ein Gefängnis, ein Gericht und Krankenhäuser für ihre Angestellten errichten; zudem ließ sie eine Münzprägeanstalt einrichten, die Münzen mit ihren Initialen „C.P.“ herstellte – diese waren ausschließlich in den Läden ihrer Güter als Zahlungsmittel gültig. Auf diesem Gut ließ sie 1740 Schloss Christinehof erbauen. Darüber hinaus stiftete Christina Piper sechs sogenannte Fideikommisse – Güter, die nicht verkauft, sondern nur vererbt werden durften.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Piper, Christina |
| ALTERNATIVNAMEN | Törne, Christina (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | schwedische Adlige, Unternehmerin und Gutsbesitzerin |
| GEBURTSDATUM | 1. Januar 1673 |
| GEBURTSORT | Stockholm, Schweden |
| STERBEDATUM | 25. März 1752 |
| STERBEORT | Schloss Krageholm, Schweden |