Die Chronik von Seert (arabisch حوليات سعرد, auch: Se`ert, Siirt oder in Deutschland Söört) ist eine christlich-arabische Chronik eines unbekannten Autors. Die ursprüngliche Datierung auf 1036 ist umstritten und die Chronik wird heute eher im 10. Jahrhundert verortet. Der Inhalt basiert auf verschiedenen syrischen Quellen, unter anderem auf einer Kirchengeschichte aus dem 7. Jahrhundert, verfasst von Daniel bar Maryam.
Der erste Teil des Texts wurde in einer Handschrift in Mosul überliefert. Die für die Chronik namengebende Handschrift des zweiten Teils, die in der Klosterbibliothek von Seert (heute Siirt) durch Addai Scher Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt worden war, entging der Zerstörung des Klosters und gelangte in die Bibliothèque nationale de France.
Der erhaltene Teil der aus nestorianischer Sicht zusammengetragenen Chronik beschreibt die Zeit von 251 bis 422 sowie von 484 bis 650. Er enthält wichtige Informationen über die Situation der Christen im Sassanidenreich und die Christianisierung der Stadt Merw, gibt aber unter anderem auch Auskunft über die militärischen Operationen zur Zeit Schapurs I. und enthält einen Katalog der Schriften des Theodor von Mopsuestia.
Die Chronik fungiert über weite Teile eher als eine Kompilation und nimmt parallele Berichte unabhängig von Widersprüchen dieser zueinander auf, ohne sie zu synchronisieren. Damit können die Intentionen der ursprünglichen Autoren der aufgenommenen Werke teilweise noch rekonstruiert werden. Unterschiede zu Überlieferungen außerhalb der Chronik zeigen etwa die Geschichtspolitik des Katholikosats im sechsten Jahrhundert. Diese zielte darauf ab die widerstreitenden Parteien und für diese stehende Heilige in einer gemeinsamen Tradition zusammenzufassen.