
Als Chronospezies (altgriechisch χρόνος chronos, deutsch ‚Zeit‘, lateinisch species ‚Art‘) werden in der Paläontologie und der Evolutionsbiologie Abschnitte evolutionärer Abstammungslinien bezeichnet, die von Forschern subjektiv als Arten ausgewiesen werden. Dem liegt die Beobachtung zugrunde, dass sich im Verlauf einer zeitlichen Abfolge von fossilen Populationen die charakteristischen Merkmale unmittelbar aufeinanderfolgender Populationen nur geringfügig voneinander unterscheiden. Gleichwohl kann die Anhäufung dieser graduellen Veränderungen (vergl. Anagenese) zu einer Population führen, deren Merkmale sich von der anfänglichen Population so stark unterscheiden, dass sie mit einem eigenen Artnamen bezeichnet wird. Für den Zeitpunkt, ab dem eine bestimmte Population einer Abstammungslinie und die ihr nachfolgenden Populationen einer „neuen Zeit-Art“ – einer Chronospezies – zugeschrieben werden, gibt es keine allgemein anerkannten Kriterien.
Dem Konzept der Chronospezies liegt der Umstand zugrunde, dass man das biologische Artenkonzept auf fossile Organismen nicht anwenden kann, da deren Fortpflanzungsfähigkeit nicht testbar ist.
Die Unterteilung einer Entwicklungslinie in verschiedene Chronospezies kann sich als problematisch erweisen, da bei guter Fundlage (z. B. bei Ammoniten) sehr viele Fossilien zur Verfügung stehen, die sich meist nur graduell voneinander unterscheiden, wenn sie in benachbarten Schichten gefunden wurden. Betrachtet man jedoch Fossilien, die einen größeren geologischen Zeitunterschied aufweisen, so unterscheiden sie sich so stark, dass man klare Merkmaldifferenzen hat und sie eindeutig verschiedenen Arten zuordnen kann.