Chunghee Sarah Soh

Chunghee Sarah Soh, auch Sarah Soh, ist eine US-amerikanische Professorin für Anthropologie an der San Francisco State University. Sie ist eine soziokulturelle Anthropologin, die sich auf Fragen zu Frauen, Geschlecht und Sexualität spezialisiert hat. Ihr Buch The Comfort Women: Sexual Violence and Postcolonial Memory in Korea and Japan bietet neue Einblicke in das Wesen der sogenannten Trostfrauen-Problematik.

Karriere

Nach ihrem Studium an der Sogang University in Seoul absolvierte sie ein weiterführendes Studium an der University of Hawaiʻi, wo sie zunächst einen Masterabschluss und 1987 einen Ph.D. erwarb. Anschließend lehrte sie Kulturanthropologie an Universitäten in Hawaii, von 1990 bis 1991 in Arizona und von 1991 bis 1994 in Texas. Seit 1994 ist sie an der San Francisco State University tätig.

Trostfrauen

Soh erklärte, es könne „keine Leugnung der tragischen Viktimisierung zwangsrekrutierter Frauen geben, die unter sklavenähnlichen Bedingungen litten“. Zugleich betonte sie, dass „Japans Kolonialismus zweifellos die großflächige Viktimisierung von Zehntausenden koreanischen Frauen begünstigt“ habe.

In ihrem Buch The Comfort Women: Sexual Violence and Postcolonial Memory in Korea and Japan kritisiert Soh die aus ihrer Sicht vereinfachende Darstellung, wonach die Ausbeutung der Trostfrauen als Kriegsverbrechen ausschließlich dem Kaiserreich Japan anzulasten sei. Stattdessen sieht sie sowohl das japanische Militär als auch patriarchale Strukturen in Korea in der Verantwortung. Ihrer Argumentation zufolge hätten die damaligen gesellschaftlichen Verhältnisse in Korea dazu beigetragen, familiäre Strukturen zu destabilisieren, wodurch junge Frauen eher ihr Elternhaus verließen und leichter von Betreibern sogenannter Troststationen für Bordelle angeworben werden konnten.

Darüber hinaus vertritt Soh die Auffassung, dass sowohl die südkoreanische nationalistische Politik als auch die internationale Frauenrechtsbewegung zu einem bis heute unvollständigen Verständnis der Tragödie beigetragen hätten.

Werke

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. ↑ Chunghee Sarah Soh. San Francisco State University, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 28. Februar 2015; abgerufen am 7. März 2015.
  2. ↑ Chunghee Sarah Soh. Institute for Corean-American Studies, abgerufen am 7. März 2015.
  3. ↑ Jeff Kingston: Continuing controversy of ’comfort women’. In: The Japan Times. 10. Mai 2009, abgerufen am 7. März 2015.
  4. ↑ David Josef Volodzko: Can Korea handle the truth about Japan’s ’comfort women’? In: South China Morning Post. 15. Januar 2017, abgerufen am 15. Januar 2017.
  5. ↑ The Comfort Women: Sexual Violence and Postcolonial Memory in Korea and Japan. In: Worlds of Desire: The Chicago Series on Sexuality, Gender, and Culture. University of Chicago Press, abgerufen am 7. März 2015: „These women have usually been labeled victims of a war crime, a simplistic view that makes it easy to pin blame on the policies of imperial Japan and therefore easier to consign the episode to a war-torn past.“
  6. ↑ Understanding the plight of the „comfort women“. San Francisco State University, 18. März 2009, abgerufen am 7. März 2015: „Soh illustrates how the prevailing, simplistic view of the phenomenon overlooks the diversity of the women's experiences, the influence of historical factors and the role that Koreans played in facilitating the Japanese comfort system.“
  7. ↑ Sarah Soh: The Comfort Women: Sexual Violence and Postcolonial Memory in Korea and Japan. University of Chicago Press, Chicago 2008, ISBN 978-0-226-76777-2.
Personendaten
NAME Soh, Chunghee Sarah
ALTERNATIVNAMEN Soh, Sarah; So, Jeonghui (koreanisch); 소정희 (koreanisch); 蘇貞姫 (Hanja)
KURZBESCHREIBUNG US-amerikanische Anthropologin
GEBURTSDATUM 20. Jahrhundert