
Die Clapham Saints (auch Clapham Sect) waren eine einflussreiche Gruppe von Anglikanern, die zwischen 1790 und 1830 in England als Sozialreformer aktiv waren. Gegründet wurde die Gruppe von John Newton (1725–1807), der viele Jahre lang Kapitän verschiedener Sklavenschiffe gewesen war. Die Bezeichnung als Sekte (damals noch wertneutral als Abspaltung von einer der großen Kirchen verstanden) bzw. ironisch als Heilige (Saints) war ein Spottname zeitgenössischer Gegner.
Der Name leitet sich von der südlich von London gelegenen Ortschaft Clapham ab, der heute ein Bezirk im Südwesten Londons ist. In Clapham lebten die prominentesten und einflussreichsten Mitglieder der Gruppe, der Politiker William Wilberforce (1759–1833) und der Bankier Henry Thornton (1760–1815). Die meisten Treffen fanden in dortigen Holy Trinity Church statt, die von dem dortigen Rektor John Venn (1759–1813) geleitet wurden. Er wurde 1792 oder 1793 anglikanischer Pfarrer in Clapham, nachdem bereits sein Vater Henry Venn (1725–1797) in frühen Jahren dort Pastor gewesen war.
Die Mitglieder, allesamt prominente und wohlhabende Anglikaner, traten für eine Abschaffung des Sklavenhandels, der Sklaverei, der Jagdgesetze, der Lotterie und für eine Reform des Strafvollzugssystems ein. Weitere prominente Mitglieder waren Granville Sharp (1735–1813), Jurist und Gründer der britischen abolitionistischen Bewegung, Thomas Clarkson (1760–1846), William Smith (1756–1835), Bürgermeister von Norwich und Großvater von Florence Nightingale, Thomas Babington (1758–1837), Thomas Fowell Buxton (1786–1845), Charles Grant (1746–1823), John Shore (1751–1834), James Stephen (1789–1859) und die Schriftstellerin Hannah More (1745–1833).
Unterstützung fand die Gruppe unter anderen beim Londoner Bischof Beilby Porteus (1731–1809). Einige Mitglieder waren an der Gründung missionarischer Organisationen beteiligt, darunter der britischen Bibelgesellschaft und der Church Mission Society.
Die Gruppe gab ab 1802 eine Zeitschrift, den Christian Observer, heraus; Hauptherausgeber war der schottische Kaufmann Zachary Macaulay (1768–1838), der spätere Gouverneur von Sierra Leone. Wichtige Themen darin waren die Aufhebung des Sklavenhandels, die Sklavenbefreiung, die Verbesserung der Situation der Gefangenen, insbesondere derer, die nur aufgrund kleiner Schulden verhaftet wurden, Förderung der Bildung armer Kinder und Erwachsener durch Bücherabgabe und -ausleihe und Gründung entsprechender Initiativen und gemeinnütziger Organisationen.