Claude Reichler

Claude Reichler (* 10. Dezember 1946 in Freiburg (Schweiz)) ist ein Schweizer Literatur- und Kulturwissenschaftler. Er war von 1980 bis 2012 Professor für Französische Literatur an der Universität Lausanne.

Leben

Nach Abschluss der Maturität 1967 am Kollegium St. Michael in Freiburg (Schweiz) studierte Claude Reichler Französisch, Deutsch und Philosophie an der Universität Genf, wo er 1972 das Lizentiat erwarb. Ein Auslandaufenthalt führte ihn im akademischen Jahr 1970/71 an die Universität Bonn. Von 1972 bis 1974 studierte er mit einem Forschungsstipendium des französischen Staates an der École des hautes études en sciences sociales (EHESS) in Paris, ehe er von 1975 bis 1979 Assistent für moderne französische Literatur in Genf war. 1978 promovierte er ebendort mit einer von Roger Dragonetti und Jean Rousset betreuten Arbeit über die Rede des Verführers, die 1979 in Buchform bei den Éditions de Minuit erschien. Von 1979 bis 1980 war er Assistenzprofessor und von 1980 bis 2012 schliesslich ordentlicher Professor für französische Literatur an der Universität Lausanne. Er nahm Gastprofessuren an der Yale University (1985/86), in Genf (1989/90), der Universität Freiburg (Schweiz) (1991/92), an der Université de Paris III-Sorbonne Nouvelle (1996/97), an der University of California (2000) und an der Université de Paris IV-Sorbonne (2006) wahr. Ausserdem war er als Fellow am National Humanities Center in North Carolina (1997/98) und auf Einladung der Japanese Society for the Promotion of Science an verschiedenen Universitäten in Japan (1997). Von 1997 bis 2015 war er Gründungsmitglied und Präsident der Association Culturelle pour le Voyage en Suisse, deren Vorstand er weiterhin angehört.

Forschung

Reichler trat zunächst mit zwei literaturwissenschaftlichen Studien im engeren Sinn hervor, einer Untersuchung der Rede des Verführers anhand von Molières Stück Dom Juan, des Roman de Renart und der Texte von Roland Barthes und einer Studie über den Libertinismus im Frankreich des 16. bis 18. Jahrhunderts, in der er die gemeinsame anthropologische Basis von philosophischem, mondänem und moralischem Libertinismus herauszuarbeiten versucht. In seinem Aufsatz «La littérature comme interprétation symbolique», der 1989 in dem von ihm herausgegebenen Band L’Interprétation des textes erschien, expliziert er seinen literaturwissenschaftlichen Ansatz auch theoretisch.

Ab den 1980er Jahren wandte sich Reichler der Kulturgeschichte des Reisens und der Landschaft zu. Er untersuchte zunächst Amerikareisen vom 17. bis 19. Jahrhundert, danach hauptsächlich Schweizreisen, insbesondere Reisen in die Alpen. Zu diesem Forschungsbereich gründete und leitete er mehrere interdisziplinäre Forschungsgruppen. Im Rahmen eines nationalen Forschungsschwerpunkts leitete er ein Projekt über die «gute Alpenluft», das die Disziplinen Medizingeschichte, Architektur, Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte ins Gespräch brachte. 2003 gründete er zusammen mit Daniela Vaj das Forschungsprojekt Viaticalpes. Aus diesem gingen auch die Datenbank Viatimages, die Bilder und Texte von Alpenreisen von der Renaissance bis 1900 sammelt und online zugänglich macht, und die dreisprachige App Wonderalp hervor, die wie eine Wunderkammer der Frühen Neuzeit Objekte präsentiert, die die Reisenden der damaligen Zeit in den Alpen gesammelt hatten.

Ausserdem interessiert sich Reichler für zeitgenössische Kunst. Er hat mehrere Texte über und mit Malern und Bildhauern veröffentlicht.

Publikationen (Auswahl)

Monografien

Herausgeberschaft

Edition

Auszeichnungen

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 Curriculum Claude Reichler auf der Website der Universität Lausanne, abgerufen am 5. Oktober 2026.
  2. ↑ Claude Reichler: La Diabolie. La séduction, la renardie, l'écriture. In: Internet Archive. Abgerufen am 5. Oktober 2026.
  3. ↑ Comité ACVS. In: Association Culturelle pour le Voyage en Suisse. Abgerufen am 5. Oktober 2026.
  4. ↑ Claude Reichler: L’âge libertin. In: Éditions de Minuit. Abgerufen am 5. Oktober 2026 (französisch).
  5. 1 2 3 Claude Reichler, professeur honoraire de la Faculté des lettres. In: Université de Lausanne. Faculté des Lettres. Abgerufen am 5. Oktober 2026 (Archiv).
  6. ↑ Michel Collot: Claude Reichler et les échelles du paysage. In: Études de lettres. Nr. 1-2. Faculté des lettres de l’Université de Lausanne, 15. Mai 2015, ISSN 0014-2026, S. 143–162, doi:10.4000/edl.832 (openedition.org [abgerufen am 5. Oktober 2026]).
  7. ↑ Viatimages. In: Universität Lausanne. Abgerufen am 5. Oktober 2026 (französisch).
  8. ↑ New App «WonderAlp – Wonder and Science». In: Akademie der Naturwissenschaften Schweiz. Abgerufen am 5. Oktober 2026.
  9. ↑ Claude Reichler. In: Savoir Suisse. Abgerufen am 5. Oktober 2026.
  10. ↑ Danièle Méaux: Claude Reichler, Les Glaciers des Alpes. Dans la lumière de leur disparition. In: Focales. Nr. 9. Presses universitaires de Saint-Étienne, 2025, ISSN 2556-5125, doi:10.4000/141fx (openedition.org [abgerufen am 5. Oktober 2026]).
  11. ↑ Claude Reichler Coordonnées. In: Université de Lausanne. Abgerufen am 5. Oktober 2026 (französisch).
Personendaten
NAME Reichler, Claude
KURZBESCHREIBUNG Schweizer Literatur- und Kulturwissenschaftler und Hochschullehrer
GEBURTSDATUM 10. Dezember 1946
GEBURTSORT Freiburg im Üechtland