Geboren wurde Setz 1982 in Graz. 2000 legte er die Reifeprüfung mit Auszeichnung am Bundesrealgymnasium Kepler ab und begann ein Lehramtsstudium der Mathematik und Germanistik an der Karl-Franzens-Universität in Graz, das er jedoch nicht abschloss.
Neben dem Studium arbeitete Setz als Übersetzer und veröffentlichte Gedichte und Erzählungen in Zeitschriften und Anthologien. In seiner Jugend hatte Clemens Setz kaum Interesse an Literatur. Die Initialzündung für seine Karriere als Autor war der Schriftsteller Ernst Jandl, dessen Gedicht Die Morgenfeier weckte in ihm die Lust an Literatur. Von Computerspielen hatte Setz als Teenager Migräne bekommen, das Lesen verschaffte ihm Linderung. Setz ist Gründungsmitglied der Literaturgruppe Plattform.
Setz glaubt nach eigener Darstellung an Ufos und befasst sich intensiv mit Sichtungsereignissen und Theorien zu ihrer Erklärung. Er kann sich natürliche Erklärungen für das Phänomen vorstellen, die nicht notwendig mit Außerirdischen zu tun haben müssen. Er plant, ein Memoir zu dem Themenkomplex zu schreiben. Verschwörungserzählungen faszinieren ihn seit der Kindheit.
Clemens J. Setz lebt in Wien, ist verheiratet mit der Schriftstellerin Sarah Wipauer und hat eine 2021 geborene Tochter.
Wirken
Clemens J. Setz (2012)
Seit 2011 verfasste er für die Literaturzeitschrift Volltext die Serie Nicht mehr lieferbar über vergriffene Werke aus seiner Sicht bedeutender Schriftsteller. Sein 2012 erschienener Roman Indigo gelangte auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises. In seinem Gedichtband Die Vogelstraußtrompete thematisiert Clemens J. Setz die vielfältigen Realitäten der Gegenwart von Comicstrips bis Wissenschaft und zitiert dabei unter anderem wörtlich aus dem englischen Wikipediaartikel Reality Checkpoint. Der 2015 erschienene, mehr als 1000 Seiten lange Roman Die Stunde zwischen Frau und Gitarre wurde ebenfalls für den Deutschen Buchpreis nominiert. In einem Interview mit Ijoma Mangold 2016 sprach Setz sowohl über seine nonverbal akustische Synästhesie als auch über seine im Jahr 2013 aufgetretenen Panikattacken, die auf einem durch Gastritis ausgelösten Speiseröhrenkrampf, nicht auf psychischen Ursachen beruht hatten.
Die Premiere des Theaterstücks Frequenzen fand am 12. März 2016 in der Regie von Alexander Eisenach am Schauspielhaus Graz statt. 2018 wurde dort sein Stück Erinnya unter der Regie von Claudia Bossard uraufgeführt. Sein Stück Die Abweichungen wurde zu den Mülheimer Theatertagen 2019 eingeladen. 2020 veröffentlichte er den Band Die Bienen und das Unsichtbare, in dem er sich mit Plansprachen auseinandersetzt. Kolja Reichert attestierte dem Buch in der Zeit eine „befreiende Wirkung“, weil es darin „existenziell“ darum gehe, wie ein Leben in ein anderes übersetzt werden könne: Der Leser lerne, die Welt „als nicht hierarchische Ansammlung für sich anschauungswürdiger Einzelheiten“ anzusehen.
Setz interessiert sich für die originale Literatur der konstruierten Sprache Esperanto und veröffentlichte 2018 eine Rede über William Auld unter dem Titel Ein Meister der alten Weltsprache. Darin klagte er u.a. über die fehlende Wahrnehmung der Esperanto-Literatur: „Die Originalliteratur in Esperanto ist riesengroß – und doch gibt es fast gar keine Übersetzungen ins Deutsche. Es ist eine schöne, reiche Parallelliteraturwelt mit eigenen Avantgarden, Klassikern, Ausreißern, Genies.“
Till Eulenspiegel – Dreißig Streiche und Narreteien. Nacherzählung, mit Illustrationen von Philip Waechter. Insel, Berlin 2015, ISBN 978-3-458-20014-7.
Glücklich wie Blei im Getreide. Nacherzählungen. Suhrkamp, Berlin 2015, ISBN 978-3-518-46587-5.
Die Stunde zwischen Frau und Gitarre. Roman. Suhrkamp, Berlin 2015, ISBN 978-3-518-42495-7.
Verweilen unter schwebender Last. Tübinger Poetik-Dozentur 2015 (zusammen mit Kathrin Passig). Swiridoff, Künzelsau 2016, ISBN 978-3-89929-336-4.
Ein Meister der alten Weltsprache. William Auld (= Zwiesprachen). Wunderhorn, Heidelberg 2018, ISBN 978-3-88423-599-7 (Rede im Lyrik Kabinett München).
Die Abweichungen. Theaterstück, Uraufführung Schauspiel Stuttgart, Saison 2018/19
Edward Gorey: Der andere Zoo. Lilienfeld Verlag, Düsseldorf 2015 (2. Aufl.: 2019), ISBN 978-3-940357-52-6 (englisch: The Utter Zoo. Übersetzt von Clemens J. Setz)
Edward Gorey: Das unglückselige Kind. Lilienfeld Verlag, Düsseldorf 2018, ISBN 978-3-940357-67-0 (englisch: The Hapless Child. Übersetzt von Clemens J. Setz)
Edward Gorey: Der Osbick-Vogel. Lilienfeld Verlag, Düsseldorf 2020, ISBN 978-3-940357-79-3 (englisch: The Osbick Bird. Übersetzt von Clemens J. Setz)
Scott McClanahan: Crap. ars vivendi, Cadolzburg 2021, ISBN 978-3-7472-0222-7 (englisch: Crapalachia. A Biography Of Place. Übersetzt von Clemens J. Setz)
Zach Williams: Es werden schöne Tage kommen. dtv, München 2025, ISBN 978-3-423-28461-5 (englisch: Beautiful Days. Übersetzt von Bettina Abarbanell und Clemens J. Setz)
Anne de Marcken: Es währt für immer und dann ist es vorbei. Suhrkamp, Berlin, 2025, ISBN 978-3-518-43222-8 (englisch: It Lasts Forever and Then It's Over. Übersetzt von Clemens J. Setz)
Iris Hermann, Nico Prelog (Hrsg.): „Es gibt Dinge, die es nicht gibt.“ Vom Erzählen des Unwirklichen im Werk von Clemens J. Setz. Königshausen & Neumann, Würzburg 2020 (= Literatur und Gegenwart. Band 4). ISBN 978-3-8260-7116-4.
Christian Neuhuber: Autorschaft, Auto(r)fiktion und Selbstarchivierung in Clemens J. Setz’ Erzählwerk. In: Archive in/aus Literatur. Wechselspiele zweier Medien. Hrsg. von Klaus Kastberger und Christian Neuhuber unter Mitarbeit von Lisa Erlenbusch. De Gruyter, Berlin, Boston 2021 (= Literatur und Archiv. Band 5). ISBN 978-3-11-074227-5, S. 177–188.
Art. Clemens J. Setz. (Memento vom 9. August 2024 im Internet Archive) In: Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur (KLG), 1. September 2022
12Clemens Setz: »Vielleicht ist es Zeit für etwas ganz Anderes!« Clemens Setz im Interview des Suhrkamp-Verlags. Veröffentlicht am 17. Juni 2016 (online; 6:16min; 5:55min: „… vielleicht Tweets“).
↑deutschlandfunkkultur.de:Rettungsprojekt für Twittergedichte.Buchkritik zu „Das All im eignen Fell“ von Clemens J. Setz.7.August 2024,abgerufen am 4.Januar 2025.