Clemente Bocciardo (auch Bocciardi; genannt il Clementone; * um 1600 in Genua; † 1658 in Pisa) war ein italienischer Maler des Barock. Er war in Genua, Rom, Florenz und zuletzt in Pisa tätig. Sein Beiname il Clementone wird in der Literatur auf seine große Körperstatur zurückgeführt. Diese Erklärung geht auf ältere biografische Quellen zurück.
Leben
Die ältere Literatur nennt als Geburtsjahr 1620, so etwa Francesco Moücke (1756) und ihm folgend englischsprachige Nachschlagewerke des 18. und 19. Jahrhunderts. Die neuere Forschung datiert die Geburt dagegen um das Jahr 1600, als Grund wird eine signierte und 1623 datierte Madonna mit Kind und Heiligen im Museo di Castelvecchio in Verona angeführt (Marinelli, 1987). Laut der von Raffaele Soprani (1768) überlieferten Nachricht war Bocciardo Schüler von Bernardo Strozzi. Roberto Contini (1992) ordnet sein Frühwerk dem Umkreis Strozzis und der ligurischen Malerei zwischen Giovanni Battista Paggi und Giulio Benso zu.
Laut Soprani ließ sich Bocciardo gemeinsam mit Giovanni Benedetto Castiglione (genannt Grechetto) in Rom nieder. Einige Jahre später kehrte er nach Genua zurück. Dort gründete er eine Accademia del Nudo (Aktzeichenschule), deren Leitung er laut Contini (1992) Giovanni Domenico Cappellino und Gioacchino Assereto übertrug. Von Genua zog Bocciardo nach Florenz und später nach Pisa. Dort ist er spätestens seit 1639 nachweisbar, was durch ein signiertes und datiertes Bild des Johannes des Täufers in der Kirche Santa Croce in Fossabanda belegt ist. Sein Aufenthalt in Florenz wird durch die Erwähnung seines Namens in den Matrikeln der Accademia delle Arti del Disegno sowie durch zwei Selbstbildnisse in den Uffizien gestützt (Contini, 1989). Clemente Bocciardo starb 1658 in Pisa.
Werk
Clemente Bocciardo (um 1600–1658): Madonna mit Kind und Heiligen (italienisch: Madonna col Bambino e santi), 1623, Öl auf Leinwand, Kirche Santa Cecilia, Verona
Die Pisaner Arbeiten bilden laut Contini (1992) Bocciardos einheitlichste Werkgruppe. Im Vergleich zu den frühen Veroneser Gemälden zeigen sie eine zunehmende Aufnahme naturalistischer Effekte, die möglicherweise durch Domenico Fiasella vermittelt wurden.
Werke (Auswahl)
Brescia, Santa Maria delle Grazie: Heiliger Ignatius, stark nachgedunkelt (Marinelli, 1987)
Florenz, Uffizien: zwei Selbstbildnisse
Pisa, San Frediano: Maria erscheint dem heiligen Karl Borromäus
Pisa, San Matteo: Fürbitte Mariens und verschiedener Heiliger bei Christus
Pisa, Museo Nazionale di San Matteo: Heiliger Benedikt (aus San Benedetto) und Heiliger Torpes (aus San Torpè; Zuschreibung durch Contini, 1992)
Pisa, Präfektur: Johannes der Täufer (aus Santa Croce), signiert, datiert 1639 Pisa, Scuola Superiore Sant’Anna: Marienvision des heiligen Rainer
Verona, Museo di Castelvecchio: Madonna mit Kind und Heiligen (aus Santa Cecilia), signiert, datiert 1623 Brescia, Santa Afra (Sakristei): vier Gemälde (Carboni, 1760)
Brescia, Santi Faustino e Giovita: Madonna mit Kind und den Heiligen Antonius und Michael Genua, Sant’Andrea: Beweinung (in älteren Quellen ein Corpus-Domini-Bild)
Genua, Oratorio di Santa Maria della Pietà: Abendmahl (ursprünglich für das Oratorio di San Germano)
Pisa, Certosa: Martyrium des heiligen Sebastian
Pisa, Santa Caterina: Heiliger Eligius
Pisa, Santa Cristina: Die Heiligen Nikolaus von Tolentino und Bernhard von Siena
Pisa, San Lorenzo: Immakulata mit Heiligen
Pisa, San Michele al Borgo: Die Heiligen Benedikt und Romuald
Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 12, Saur, München/Leipzig 1996, S. 23 f.
Dizionario Biografico degli Italiani. Band 11, Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1969.
Raffaele Soprani, Carlo Giuseppe Ratti: Delle vite de’ pittori, scultori et architetti genovesi. Band 2, Genua 1769, S. 328–331.
Roberto Contini: Clemente Bocciardo. In: Roberto Paolo Ciardi, Roberto Contini, Gianni Papi: Pittura a Pisa tra manierismo e barocco. Electa, Mailand 1992, S. 235–241.