Collectie Six

Rembrandt: Porträt von Jan Six (1654). Collectie Six, Amsterdam

Die Collectie Six ist eine historische Privatsammlung mit Sitz in Amsterdam. Sie umfasst Gemälde, Zeichnungen, Kunstgegenstände, Möbel, Familienporträts und -archive. Die Sammlung geht auf Jan Six (1618–1700) zurück, einen Amsterdamer Bürgermeister und Kunstmäzen des Goldenen Zeitalters. Seit 1915 befindet sich die Sammlung im Gebäude Amstel 218 in Amsterdam. Die Collectie Six steht unter der Trägerschaft mehrerer Stiftungen und ist seit dem frühen 20. Jahrhundert eingeschränkt für die Öffentlichkeit zugänglich.

Einzelne Werke der Kunstsammlung werden zeitweise als Leihgaben an öffentliche Museen, darunter das Rijksmuseum, gegeben.

Geschichte

Den Grundstock der Sammlung legte Jan Six I., der am 4. Januar 1618 geboren wurde und am 28. Mai 1700 starb. Er war der Sohn von Joan Six und Anna Wymer. Er entstammte einem wohlhabenden Amsterdamer Patrizier- und Kaufmannsgeschlecht, das seinen Reichtum im Textilhandel erworben hatte. Jan Six studierte in Leiden die Freien Künste, war seit 1656 Mitglied des Amsterdamer Stadtrats und wurde 1691 zum Bürgermeister von Amsterdam gewählt. Als Kunstsammler und Förderer unterhielt er dokumentierte Freundschaften mit dem Dichter Joost van den Vondel und dem Maler Rembrandt van Rijn. Im Jahr 1655 heiratete er Margaretha Tulp, die Tochter des Amsterdamer Bürgermeisters und Chirurgen Nicolaes Tulp. Sie brachte zahlreiche Familienerbstücke in die Sammlung ein.

In den folgenden Generationen wurde die Sammlung durch Erbschaft und Heiratsverbindungen erheblich erweitert. Bedeutende Zugänge stammten aus den Familien Hop, van Winter, Teding van Berkhout und Bosch Reitz. Besonders gewichtig war die Vereinigung mit der Sammlung Van Winter. Pieter van Winter (1753–1807) hatte eine umfangreiche Kunstsammlung zusammengetragen, die seine Tochter Lucretia Johanna van Winter (1785–1845) weiter ausbaute. Durch die Heirat Lucretia Johannas mit Jonkheer Hendrik Six, Heer van Hillegom (1790–1847), gelangte diese Sammlung im Jahr 1822 in die Collectie Six. Sie enthielt unter anderem Werke von Johannes Vermeer, darunter das Straßenbild (Het Straatje) und das Milchmädchen (Het Melkmeisje), sowie die Briefschreiberin von Gerard ter Borch, das Oestereetstertje von Jan Steen und weitere Gemälde von Rembrandt. Im Jahr 1908 veräußerte die Familie einen Teil der Sammlung an den niederländischen Staat. Diese Werke befinden sich heute im Rijksmuseum Amsterdam.

Standort und Institutionierung

Collectie Six, Amstel 218, Amsterdam

Bis 1915 war die Sammlung im Doppelwohnhaus Herengracht 509–511 in Amsterdam untergebracht. Nachdem das Gebäude im Zuge der Verbreiterung der Vijzelstraat abgerissen werden sollte, bot die Stadt Amsterdam der Familie das Haus Amstel 218 als Ersatz an. Die Innenausstattung und die Vertäfelungen des alten Hauses wurden dorthin überführt. Zur institutionellen Sicherung der Sammlung gründete der Kunsthistoriker Jan Six VI. (2. Februar 1857 – 8. Dezember 1926), Professor für Ästhetik und Kunstgeschichte an der Universität Amsterdam und ältester männlicher Nachkomme der Linie, im Jahr 1922 die Six Stichting. Das Ziel bestand darin, die Familienporträts und Kunstgegenstände ungeteilt und unveräußert zu erhalten. Seine sechs Kinder verzichteten daraufhin auf ihren Geldwertanspruch an diesem Teil des Besitzes, wodurch auch die Erbschaftssteuer auf die Sammlung entfiel. Seit 1922 bewohnt der jeweils älteste Sohn der Familie das Haus Amstel 218, in dem die Sammlung bis heute untergebracht ist.

Ab 1957 übernahm der niederländische Staat die vollständige finanzielle Unterstützung und Unterhaltung der Six Stichting. Gleichzeitig wurde er Eigentümer des Gebäudes Amstel 218, allerdings unter der Bedingung, dass die Sammlung zusammenbleibt und der Öffentlichkeit in begrenztem Umfang zugänglich bleibt. Nach langjährigen rechtlichen Auseinandersetzungen zwischen dem Staat und den Stiftungen über Instandhaltungsfragen schlossen beide Seiten im Jahr 2008 eine neue Vereinbarung. Demnach wurde die staatliche Subvention auf die vollen, angemessenen Erhaltungskosten erhöht. Gleichzeitig wurde das Wohnhaus in die eigens dafür gegründete Stiftung Amstel 218 überführt. Die Vereinbarung regelt zudem die öffentliche Zugänglichkeit, die Leihgabenmöglichkeiten sowie die Einsetzung eines Aufsichtsrats, dem der Direktor des Rijksmuseums, der Direktor des Mauritshuis und ein gewähltes Familienmitglied angehören. Im Jahr 2010 verloren die Six Stichting und die 1962 gegründete Stichting Stella Duce, welche die Six Stichting um weitere Kunst- und Stilräume ergänzt, ihren Gemeinnützigkeitsstatus als ANBI (Allgemein anerkannte gemeinnützige Institution), da ihre Satzungsbestimmungen widersprüchlich waren. Daraufhin wurde die Jan Six Stichting mit Gemeinnützigkeitsstatus als Nachfolgeorganisation gegründet. Die Stiftungen werden seit 1987 vom ältesten männlichen Nachkommen Jan Six VI. geleitet, derzeit von Jonkheer Dr. Jan Six, Heer van Hillegom (geboren 1947). Seit dem Jahr 2000 ist Jan Six XI. (Jahrgang 1978), Kunsthistoriker und Kunsthändler, als Kurator der Collectie Six tätig.

Die Collectie Six ist kein öffentliches Museum im üblichen Sinne, sondern ein bewohntes Privathaus. Besuche sind ausschließlich nach vorheriger Anmeldung über die Website der Sammlung möglich und finden an Werktagen von 10 bis 12 Uhr statt. An Wochenenden und Feiertagen bleibt die Sammlung geschlossen.

Bestände

Rembrandt (1606–1669): Jan Six Radierung, Kaltnadelradierung, Stichel; vierter Zustand. Metropolitan Museum of Art, New York

Bereits 1647 hatte Rembrandt Jan Six in einer Radierung als ganzfiguriges Porträt am Fenster festgehalten. Das bedeutendste Objekt der Sammlung ist das im Jahr 1654 von Rembrandt van Rijn gemalte Porträt von Jan Six I. Das Ölgemälde auf Leinwand befindet sich seit seiner Entstehung im Familienbesitz und wurde nie verkauft. Das Gemälde von 1654 zeigt den Dargestellten beim Anziehen eines Handschuhs. In der Forschung gilt es als eines der bedeutendsten Porträts des 17. Jahrhunderts. Cornelis Hofstede de Groot zählte es im Jahr 1915 zu den sechs bedeutendsten Porträts Rembrandts.

Ferner enthält die Sammlung Werke von Frans Hals, Paulus Potter, Pieter Jansz. Saenredam, Jacob Isaacksz. van Ruisdael und Lucas van Leyden, die sich ebenfalls stets im Familienbesitz befanden. Über die Stichting Stella Duce wurden zudem Gemälde von Aelbert Cuyp, Gerrit Adriaensz. Berckheyde und Jan van der Velde sowie historische Möbel und ein frühes Planetarium aus dem Jahr 1754 integriert. Darüber hinaus umfasst die Collectie Six ein Familiengästebuch, das bis ins Jahr 1809 zurückreicht und aus 25 Bänden besteht.

Literatur

Commons: Six Collection, Amsterdam – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Dennis Driessen: Six Collection reopens after renovation of the collection's home in Amsterdam. In: CODART. 18. Januar 2012, abgerufen am 27. März 2026 (amerikanisches Englisch).
  2. 1 2 Collectie Six. In: CODART. Abgerufen am 27. März 2026 (amerikanisches Englisch).
  3. 1 2 3 House Six - Collection Six. Abgerufen am 27. März 2026.
  4. ↑ Visit - Collectie Six. Abgerufen am 27. März 2026.
  5. 1 2 Accept our Terms and Conditions - Collectie Six. Abgerufen am 27. März 2026.