| comdirect bank Aktiengesellschaft | |
|---|---|
| Rechtsform | AG (bis 2020) |
| Gründung | 1994 |
| Auflösung | 2. November 2020 |
| Auflösungsgrund | Verschmelzung auf die Commerzbank AG |
| Sitz | Quickborn, |
| Branche | Finanzdienstleistungen |
| Website | www.comdirect.de |
Comdirect (Eigenschreibweise: comdirect) ist eine deutsche Direktbank und Online-Broker mit Sitz in Quickborn. Das Angebot richtet sich an Privatkunden in Deutschland und umfasst Produkte für das Sparen, Anlegen und Handeln mit Wertpapieren. Die Comdirect Bank wurde 1994 als Tochtergesellschaft der Commerzbank gegründet, war ab Juni 2000 börsennotiert und wird seit der Verschmelzung auf den Mutterkonzern im November 2020 als Marke der Commerzbank weitergeführt. Heute zählt sie zu den wichtigsten Geschäftseinheiten des Konzerns im Segment der Privat- und Unternehmerkunden.


1994 beschloss die Commerzbank die Gründung einer Direktbank, um mit standardisierten Produkten ihre Kundenbasis zu verbreitern. Anfang 1995 nahm die Comdirect Bank ihren Geschäftsbetrieb mit 50 Mitarbeitern am Standort Quickborn in Schleswig-Holstein auf. Dabei positionierte sie sich nicht als klassische Direktbank, sondern als Universalbank für Privatkunden mit einem breiten Angebot. In den ersten Monaten gewann das Institut zehntausende Kunden.
Anfang 1996 verwaltete die Bank erstmals Einlagen von mehr als einer Milliarde Mark. Im September 1996 kam ein Girokonto hinzu, das für Nutzer von Homebanking-Software kostenlos war. Mit einem neuen Preismodell für Wertpapierdepots im Jahr 1997 wurde der Wertpapierhandel zu einem Schwerpunkt der Geschäftstätigkeit. Ab Mitte 1998 war der Handel über Xetra möglich. Ende 1999 stellte die Bank Privatkunden zudem Börsenkurse in Echtzeit auf ihrer Website bereit.
Nach anfänglichen Verlusten erreichte die Bank schneller als erwartet die Gewinnschwelle und expandierte nach Frankreich, Italien sowie ins Vereinigte Königreich. Um das weitere Wachstum zu finanzieren, brachte die Commerzbank einen Minderheitsanteil an die Börse. Im Vorfeld wurde eine strategische Kooperation mit der Deutschen Telekom vereinbart, in deren Zuge T-Online International rund 25 % der Comdirect Bank erwarb.
Der Börsengang (IPO) erfolgte am 5. Juni 2000 im Neuen Markt der Deutschen Börse. Die Aktie war mehrfach überzeichnet und startete mit einem Kurssprung von über 20 %.
Nach dem Börsengang baute die Bank ein eigenes Investmentbanking auf, vermittelte online Baufinanzierungen und vertrieb zeitweise Versicherungen. Zudem forcierte sie den außerbörslichen Handel.
Das Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 verlangsamte das Wachstum, und die Kooperation mit T-Online erwies sich als weniger wirksam als erhofft. 2001 wurden erneut Verluste angekündigt, worauf der Vorstand mit einem Sparprogramm und Stellenabbau reagierte. Der Standort Kiel wurde geschlossen und die Verwaltung in Quickborn gebündelt. Bis 2004 trennte sich das Unternehmen von allen ausländischen Tochtergesellschaften. Der Sparkurs war erfolgreich: 2004 schüttete die Bank erstmals eine Dividende aus. 2005 erhöhte die Commerzbank ihren Anteil durch den Erwerb der T-Online-Aktien auf fast 80 %.
In den Jahren 2005 und 2006 fokussierte sich die Bank auf den deutschen Markt und forcierte das Geschäft mit Giro- und Tagesgeldkonten. Mit der Gründung der Comdirect Private Finance investierte sie zudem in die Kundenberatung für Altersvorsorge und Vermögensaufbau. 2007 wurde ein Sparplan für börsengehandelte Indexfonds (ETFs) eingeführt.
Trotz der globalen Finanzkrise blieb das Geschäft stabil, wobei die Bank vom Anstieg der Transaktionen im Wertpapierhandel profitierte. 2008 überschritt die Kundenzahl die Millionengrenze. 2009 gründete die Bank zusammen mit der Börse Stuttgart die Stiftung Rechnen zur Förderung mathematischer Kenntnisse. Ebenfalls 2009 wurde die European Bank for Financial Services (ebase) übernommen, jedoch 2018 wieder verkauft, um sich auf das Kerngeschäft mit Privatkunden zu konzentrieren. 2016 wurde die Übernahme von Onvista vereinbart. 2017 startete mit Cominvest ein Robo-Advisor.
Zwischen 2016 und 2018 gewann die Bank über eine halbe Million Neukunden. Im September 2019 kündigte die Commerzbank die vollständige Übernahme an. Im Zuge eines verschmelzungsrechtlichen Squeeze-outs der verbleibenden Aktionäre wurde die Verschmelzung auf die Commerzbank am 2. November 2020 wirksam. Damit verlor die Comdirect ihre Eigenständigkeit und wurde von der Börse genommen.
Die Commerzbank führt Comdirect als Marke innerhalb einer Zwei-Marken-Strategie fort, wobei Comdirect eine digitalaffine Kundschaft mit Fokus auf den Wertpapierhandel anspricht. Im Februar 2021 wurden die Kontomodelle überarbeitet und neue Gebührenstrukturen eingeführt.
Da Comdirect kein eigenständiges Kreditinstitut mehr ist, unterliegt sie als Teil der Commerzbank der Aufsicht durch die BaFin und die EZB. Einlagen sind im selben Umfang wie bei der Commerzbank durch die Einlagensicherung abgesichert.
Das Standardmodell „Girokonto Aktiv“ ist unter Bedingungen kostenlos. Zum Konto gehört eine Debitkarte von Visa, eine Girocard ist gegen ein monatliches Entgelt erhältlich. Im Bereich Geldanlage werden Tagesgeld, Festgeld sowie Währungsanlagekonten in verschiedenen Fremdwährungen angeboten.
Das Wertpapierdepot kann an allen deutschen sowie an zahlreichen internationalen Börsenplätzen genutzt werden. Erfahrenen Händlern steht die Plattform „ProTrader“ mit Echtzeitkursen und Werkzeugen zur technischen Analyse zur Verfügung.
2000 sprach das Schleswig-Holsteinische Oberlandesgericht einem Kunden Schadenersatz wegen des Verlusts der Dispositionsbefugnis zu, weil seine Verkaufsorder erst am folgenden Handelstag ausgeführt worden war. 2001 wurde die Bank erneut zu Schadenersatz verurteilt, da sie für einen Kunden, der Aktien verkaufen wollte, über das Internet nicht erreichbar war. Das Landgericht Itzehoe stellte fest, dass die Bank ihre Zugangswege über das Internet so gestalten müsse, dass eingehende Aufträge auch ausgeführt werden können.
2005 kritisierte die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, dass die Bank Interessenten für ein Girokonto einer Bonitätsprüfung unterzog, die zur Ablehnung führen konnte. Nach Ansicht der Verbraucherschützer widersprach dies einer Empfehlung des Zentralen Kreditausschusses.
2012 wurde aufgrund eines technischen Fehlers auf dem Konto eines Kunden fälschlicherweise eine Gutschrift von 200 Millionen Euro angezeigt. 2016 gab es eine Sicherheitslücke nach einem Software-Update, durch die Kunden kurzzeitig Kontostände anderer Nutzer einsehen konnten. Die Bank informierte daraufhin die betroffenen Kunden sowie die Aufsichts- und Datenschutzbehörden.
Koordinaten: 53° 44′ 44,1″ N, 9° 56′ 36,5″ O