Conrad Ferdinand Taeuber (* 15. Juni 1906 in Hosmer, South Dakota; † 11. September 1999 in Nashua, New Hampshire) war ein US-amerikanischer Demograf, Soziologe und Statistiker. Er war von 1951 bis 1973 leitender Demograf des United States Census Bureau und gab dessen Monografienreihen zu den Volkszählungen von 1950 und 1960 heraus. Gemeinsam mit seiner ersten Ehefrau Irene Barnes Taeuber verfasste er zwei Standardwerke zur Bevölkerungsentwicklung der Vereinigten Staaten.
Taeuber wuchs im ländlichen South Dakota auf. An der University of Minnesota erwarb er 1927 den Bachelor-, 1929 den Master- und 1931 den Doktorgrad, jeweils in Soziologie. Für seine Dissertation über Wanderungsbewegungen in ausgewählten deutschen Städten, die auf Daten des amtlichen Meldewesens der Jahre 1900 bis 1927 beruhte, studierte er 1929/30 rund neun Monate an der Universität Heidelberg und sammelte dort sein Material. Anschließend war er 1930/31 Forschungsassistent an der University of Wisconsin und lehrte von 1931 bis 1933 am Mount Holyoke College.
1934 trat Taeuber als Wirtschaftsanalyst in die Federal Emergency Relief Administration ein, wo er eine Reihe von Studien zur ländlichen Bevölkerung begann und Agrarsoziologen an den landwirtschaftlichen Colleges der Bundesstaaten zu vergleichbaren Untersuchungen anregte. 1935 wechselte er in das Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten, wo er am Bureau of Agricultural Economics unter anderem für die jährlichen Schätzungen der Zu- und Abwanderung der landwirtschaftlichen Bevölkerung zuständig war.
Über das Ministerium war er an den Vorarbeiten zur Gründung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) beteiligt und wurde deren erster Leiter der Statistikabteilung (1946–1951). Als die FAO 1951 nach Rom umzog, verließ er die Organisation, unter anderem mit Rücksicht auf die Laufbahn seiner Frau, die an den Raum Washington–Princeton–New York gebunden war.
1951 kam Taeuber zum Census Bureau, wo er als Assistant Director und ab 1968 als Associate Director für den demografischen Bereich faktisch der leitende Demograf der Behörde war. Er baute das demografische Programm des Amtes aus, um auf neue politische Fragestellungen zu reagieren, und legte besonderen Wert auf die Verständlichkeit und statistische Sorgfalt der Veröffentlichungen. Er war maßgeblich an der Wiederbelebung der Census-Monografien beteiligt, die nach der Volkszählung von 1920 eingestellt worden waren, und gab die Reihen zu den Zählungen von 1950 und 1960 heraus. Für die Volkszählungen von 1960 und 1970 trug er die fachliche Hauptverantwortung.
Seine Laufbahn im Bundesdienst endete 1973, nachdem es unter der Regierung Nixon zu politischer Einflussnahme auf die statistischen Ämter gekommen war; nach Taeubers eigener Darstellung warf man den Behörden vor, Statistiken zu Armut, Arbeitslosigkeit und Rassentrennung zu stark in den Vordergrund zu rücken.
Von 1973 bis 1985 lehrte Taeuber an der Georgetown University in Washington, D.C., wo er das Center for Population Research am Kennedy Institute leitete und sich vor allem bevölkerungspolitischen Fragen widmete. Bis ins hohe Alter nahm er regelmäßig an den Seminaren des Population Reference Bureau teil. Zuletzt lebte er in einer Seniorenwohnanlage in Nashua, wo er 1999 im Alter von 93 Jahren starb.
Taeuber war von 1939 bis 1942 Sekretär und 1948/49 Präsident der Population Association of America (PAA). Statt eine Rede in seiner Funktion als Leiter der PAA zu halten, organisierte er ein Podium von Fachleuten zur Frage, ob die Nahrungsmittelproduktion mit dem Weltbevölkerungswachstum Schritt halten könne. Er war Fellow der American Statistical Association, der American Association for the Advancement of Science und der American Sociological Association.
Zu seinen Auszeichnungen zählen:
Nach Taeuber ist das sogenannte Taeuber-Paradoxon benannt, das die scheinbar widersprüchliche Wirkung des Rückgangs einer einzelnen Todesursache auf die Gesamtzahl der Todesfälle beschreibt.
1929 heiratete Taeuber seine Studienkollegin Irene Barnes (1906–1974), die als Demografin am Office of Population Research der Princeton University tätig war und mit der er bis zu ihrem Tod zusammenarbeitete. Auch die beiden Söhne Richard und Karl wurden Demografen, ebenso Karls Ehefrau Alma Taeuber, weshalb gelegentlich von einer „Taeuber-Demografendynastie“ gesprochen wird. 1979 heiratete Taeuber in zweiter Ehe Dorothy Harris.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Taeuber, Conrad |
| ALTERNATIVNAMEN | Taeuber, Conrad Ferdinand (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | US-amerikanischer Demograf, Soziologe und Statistiker |
| GEBURTSDATUM | 15. Juni 1906 |
| GEBURTSORT | Hosmer, South Dakota |
| STERBEDATUM | 11. September 1999 |
| STERBEORT | Nashua, New Hampshire |