
Constance Flower, Baronin Battersea, auch bekannt als Lady Battersea (geborene de Rothschild am 29. April 1843 in London; gestorben am 22. November 1931 in Overstrand), war eine britische Sozialreformerin und Mitglied der Familie Rothschild, zudem eine Londoner Gesellschaftsdame und Philanthropin. Sie engagierte sich maßgeblich in der Abstinenzbewegung im Vereinigten Königreich und gründete die Jewish Association for the Protection of Girls, Women and Children.

Constance de Rothschild wurde am 29. April 1843 in London geboren. Ihr Vater war Anthony Nathan de Rothschild, 1st Baronet aus dem Londoner Zweig der Familie Rothschild, ihre Mutter Louise Montefiore, eine Tochter von Henriette Rothschild. Als Kind lebte sie mit ihren Eltern und ihrer Schwester Annie Henriette in Paris, bis die Familie 1847 nach London zurückkehrte. Sie erhielt eine umfassende Ausbildung, zu der auch Zeichenunterricht gehörte. Nachdem ihr Vater 1851 das Landgut Aston Clinton erworben hatte, verbrachte die Familie auch dort viel Zeit. In London engagierte sie sich im Bildungsbereich an der „Jews’ Free School“ und auch in Aston Clinton engagierte sie sich im Bildungsbereich. Zu ihrem 16. Geburtstag erhielt sie, auf ihren Wunsch hin, die Kleinkinderschule des Dorfes als Geschenk. Später wurden ihre Unterrichtsmaterialien, ihre Erinnerungen und auch Gedichte, die in Aston Clinton spielten, veröffentlicht. Auf den Gesellschaften im Haus ihrer Eltern lernte sie viele führende christliche und jüdische Persönlichkeiten der britischen Gesellschaft kennen.
Durch ihren Cousin Leopold de Rothschild lernte sie den christlichen Unternehmer und Politiker Cyril Flower kennen und im Jahr 1877 heiratete sie ihn. Das Paar erwarb 1888 in Overstrand zwei Cottages, die sie durch den Architekten Edwin Lutyens zu einem großen Herrenhaus inmitten weitläufiger Gärten, dem „The Pleasaunce“, umbauen ließen. Flower wurde 1892 zum Baron Battersea erhoben. Die Ehe blieb kinderlos, Lord Battersea hatte eine Neigung zu Männern und im Jahr 1902 war er in einen Homosexuellen-Skandal verwickelt, bei dem ihm heimlich Straffreiheit gewährt wurde.
Constance Flower führte nach ihrer Heirat ein prunkvolles gesellschaftliches Leben. Zudem war sie im englischen Philanthropiewesen stark engagiert. Dieses Engagement hatte sie bereits bei ihrer Mutter erlebt. Im Jahr 1884 legte sie das Abstinenzgelübde ab und trat einige Jahre später der British Women’s Temperance Association bei. In der Bewegung übernahm sie später eine Führungsrolle bei Kampagnen in London und der Provinz. Flower lernte durch die Suffragette und Abstinenzaktivistin Fanny Morgan die Frauenbewegung kennen. Mit ihrer Unterstützung schlug Morgan eine politische Laufbahn ein und wurde zur Bürgermeisterin von Brecon gewählt.
Nachdem Constance Flower 1885 durch eine journalistische Enthüllungsgeschichte an Informationen über Kinderprostitution und den sogenannten „Weißhandel“, den Handel mit Frauen und Mädchen zur Prostitution, gelangt war, setzte sie sich mit dieser Problematik auseinander und erfuhr dabei von der verzweifelten Lage jüdischer Prostituierter in London. Von diesen Erkenntnissen tief erschüttert, mobilisierte sie führende Persönlichkeiten des liberalen anglo-jüdischen Bürgertums und gründete die Jewish Association for the Protection of Girls and Women. Sie war der Ansicht, dass die Tatsache, dass sowohl Täter als auch Opfer jüdischer Herkunft waren, eine jüdische Organisation nötig machte. Sie konnte sich damit auch auf ein eng verflochtenes Netzwerk landesweit bekannter anglo-jüdischer Frauen aus der Mittel- und Oberschicht stützen, welches bereits im Bereich Frauenwahlrecht und Bildung sowie Abstinenz tätig war. Die Gründung der Jewish Association for the Protection of Girls and Women ebnete diesen anglo-jüdischen Frauen den Weg in den organisierten englischen Feminismus und so legte sie sieben Jahre vor der Gründung der Union of Jewish Women den Grundstein für eine anglo-jüdische Frauenbewegung.
Gemeinsam mit ihrem Mann widmete sie ihr philanthropisches Engagement der Arbeiterklasse und setzte sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen weiblicher Häftlinge ein. Sie schloss sich Mitte der 1890er Jahre der Bewegung für eine Reform des englischen Frauengefängniswesens an und war im Besucherdienst des Frauengefängnisses Aylesbury aktiv. In Anerkennung ihrer Arbeit wurde sie als staatlich ernanntes Mitglied in den Verwaltungsrat dieser Strafanstalt berufen.
Im November 1907 starb Cyril Flower an einer Lungenentzündung. Nach seinem Tod erlosch der Baronstitel, da die Ehe kinderlos geblieben war. In ihren Memoiren brachte sie ihre Bewunderung für ihn zum Ausdruck, würdigte seine Karriere und betonte die gemeinsamen Interessen.
Constance Flower, Baronin Battersea starb am 22. November 1931, ihrem Hochzeitstag, auf ihrem Landsitz The Pleasaunce.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Flower, Constance |
| ALTERNATIVNAMEN | Flower, Baronin Battersea, Constance (vollständiger Name); Battersea, Lady; Rothschild, de (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | britische Sozialreformerin und Mitglied der Familie Rothschild |
| GEBURTSDATUM | 29. April 1843 |
| GEBURTSORT | London |
| STERBEDATUM | 22. November 1931 |
| STERBEORT | Overstrand |