Corvara

Corvara
Wappen
Wappen von Corvara
Wappen von Corvara
Karte
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen – Südtirol
Bezirksgemeinschaft: Pustertal
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2025)
1.320/1.438
Sprachgruppen: 02,65 % deutsch
10,23 % italienisch
87,12 % ladinisch
Koordinaten 46° 33′ N, 11° 52′ OKoordinaten: 46° 33′ N, 11° 52′ O
Meereshöhe: 1.500–3152 m s.l.m. (Zentrum: 1568 m s.l.m.)
Fläche: 42,13 km²
Dauersiedlungsraum: 3,3 km²
Fraktionen: Kolfuschg, Pescosta
Nachbargemeinden: Abtei, Canazei (TN), Livinallongo del Col di Lana (BL), St. Martin in Thurn, Wolkenstein in Gröden
Postleitzahl: 39033
Vorwahl: 0471
ISTAT-Nummer: 021026
Steuernummer: 81007850217
Bürgermeister (2025): Roman Crazzolara

Corvara ([kɔrˈvaˑra]; ladinisch Corvara; italienisch Corvara in Badia; ungebräuchliche Eindeutschung Kurfar, bereits vor 1918 Corvara) ist eine über 1500 m hoch gelegene italienische Gemeinde in Südtirol und gehört mit St. Martin in Thurn, Abtei, Wengen und Enneberg zu den fünf ladinischen Gemeinden des Gadertals. Corvara hat 1438 Einwohner (Stand 31. Dezember 2025).

Geografie

Corvara im Juli 2007 mit dem Sassongher im Hintergrund

Die Gemeinde Corvara befindet sich im südwestlichen Seitenast des oberen, südlichen Gadertals (ladinisch Val Badia) in Ladinien. Das Siedlungsgebiet ist von Bergmassiven der Dolomiten umgeben. Zum 42,13 km² großen Gemeindegebiet gehören im Nordwesten Teile der Puezgruppe, die im Naturpark Puez-Geisler unter Schutz gestellt sind, im Südwesten Teile der Sellagruppe, in die das Mittagstal (Val de Mesdì) hineinführt, und im Osten mit den Pralongià-Hochflächen zwischen Corvara und St. Kassian (San Ćiascian) erste Erhebungen der Fanesgruppe. Der höchste Punkt der Gemeinde ist der Piz Boè (3152 m s.l.m.), wo Corvara an das Trentino und Venetien (Provinz Belluno) grenzt. Weitere bedeutende Gipfel sind beispielsweise der Brunecker Turm (2495 m), der Sassongher (2665 m) und die Cirspitzen (Pizes de Cir). Entwässert wird das Gebiet durch die Gader.

Die Bevölkerung verteilt sich auf drei Dörfer, die im Laufe des 20. Jahrhunderts nahezu zusammengewachsen sind:

Corvara ist ganzjährig erreichbar von Norden her, wo die Gemeinde an Abtei (Badia) grenzt, über die SS 244, die im Pustertal in der Gegend von Bruneck ihren Anfang nimmt. Zudem gibt es zwei Passstraßen nach Corvara, deren Öffnung jedoch von der Schneelage abhängig ist: Nach Westen verbindet die SS 243 über das Grödner Joch (2121 m, Ju de Frara) die Gemeinde mit Wolkenstein (Sëlva) in Gröden (Gherdëina), nach Süden führt die SS 244 weiter zum Campolongopass (1875 m, Ju de Ćiaulunch), einem Übergang nach Arabba (Rèba) in Fodom.

Geschichte

Richard Moser: Corvara mit dem Sassongher, 1910

Archäologische Funde aus der vorchristlichen Zeit gibt es keine. Auch die Flur- und Ortsnamen sind ladinisch und somit nicht vorrömisch. Die abgelegene Lage und das raue Klima gaben wenig Grund zu früher Dauersiedlung.

Corvara wurde 1292 erstmals urkundlich erwähnt und gehörte zum Gericht Enneberg. Kolfuschg wurde 1142/55 ersturkundlich genannt; es unterstand dem Gericht Wolkenstein in Gröden und wurde erst 1828 dem Gadertal angeschlossen. Kirchlich gehörte Kolfuschg erst zur Pfarre Lajen, später zur Kuratie St. Christina in Gröden. Sowohl Corvara als auch Kolfuschg gehörten bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zum Gerichtsbezirk Enneberg und waren Teil des Bezirks Bruneck. 1925 wurden die bis dato eigenständigen Gemeinden Corvara und Kolfuschg unter dem neuen Gemeindenamen Ladinia vereint, ehe dieser 1938 in Corvara geändert wurde.

Namensetymologie

Der Ortsname ist erstmals in einer Urkunde von 1292 als altladinisch Corvera und deutsch Kurfaer erwähnt. Der Name wird von lateinisch corvus ‚Rabe‘ hergeleitet, und die -aria-Endung findet sich häufig bei Tierbezeichnungen. Corvaria wäre dann der Ort vieler Raben. Ein frühes deutsches Exonym war denn auch „Rabenstein“.

Politik

Bürgermeister seit 1952:

Bevölkerung

Corvara ist gemäß den erhobenen Sprachgruppenzugehörigkeitserklärungen bzw. Sprachgruppenzuordnungserklärungen eine mehrheitlich ladinischsprachige Gemeinde. Als Berechnungsgrundlage der folgenden Prozentwerte wurden die gültigen Erklärungen von Personen mit italienischer Staatsbürgerschaft herangezogen.

Verteilung nach Sprachgruppenzugehörigkeits- bzw. Sprachgruppenzuordnungserklärungen
Sprache19811991200120112024
Ladinisch 94,01 % 92,80 % 91,00 % 89,70 % 87,12 %
Deutsch 3,25 % 4,36 % 4,58 % 3,46 % 2,65 %
Italienisch 2,74 % 2,85 % 4,42 % 6,84 % 10,23 %

Bildung

In Corvara befindet sich eine Grundschule für die ladinische Sprachgruppe, die dem Schulsprengel der Nachbargemeinde Abtei angeschlossen ist. Unterrichtet wird dort ab der zweiten Klasse zwei Stunden pro Woche in Ladinisch, der übrige Unterricht findet zu 50 % auf Deutsch und zu weiteren 50 % auf Italienisch statt.

Sehenswertes

Tourismus und Sport

Altar in der gotischen St. Katharinakirche
St. Vigilus in Kolfuschg Hauptaltar

Corvara ist Zentrum und Keimzelle des Tourismus im oberen Gadertal. Einer der ersten Bergführer, Skilehrer und Förderer des Fremdenverkehrs vor Ort war der Busunternehmer und Gastwirt Franz Kostner (1877–1968), nach dem auch die Franz-Kostner-Hütte in der Ostseite der Sella benannt ist. Nach einer Unterbrechung durch die beiden Weltkriege begann ein neuer Aufschwung Corvaras als Winter- und Sommerurlaubsziel um die Mitte des 20. Jahrhunderts. Heute ist Corvara Mitglied des Tourismusverbands Alta Badia. 130 km Pisten sind für die Wintersportsaison ausgebaut, die von Dezember bis Ostern dauert. Die bei Skifahrern sehr beliebte Sella Ronda führt an Corvara vorbei.

Corvara ist Zielpunkt des alljährlich Ende Juni/Anfang Juli stattfindenden Dolomiten-Radmarathons (147 km) rund um die Sella mit über 7000 Teilnehmern. Im Übrigen wird der Ort im Sommer von Bergwanderern, Kletterern, Rennradfahrern, Tourenradfahrern und Mountainbikern besucht. Der erste Sessellift zum Aussichtsgipfel Col Alto stammt von 1947 und gehört damit zu den ältesten in den Dolomiten. Eine neuere Zielgruppe sind Golfer.

Gondeln in Corvara

Zu den heute bestehenden Sport- und Freizeitangeboten gehören:

Dreisprachiger (von oben: ladinisch, deutsch, italienisch) Wegweiser am nördlichen Ortseingang von Corvara

Corvara war mehrmals Etappenziel des Giro d’Italia:

Vereine

Persönlichkeiten

Literatur

Commons: Corvara – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Egon Kühebacher: Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte. Die geschichtlich gewachsenen Namen der Gemeinden, Fraktionen und Weiler. Athesia, Bozen 1991, ISBN 88-7014-634-0, S. 74
  2. ↑ Brockhaus’ Konversationslexikon, 14. Ausgabe, Leipzig 1894, 6. Band, S. 158f., Eintrag Enneberg. Mit dem Pusterthal ist das Abteithal durch eine neue, äußerst kunstvoll angelegte Fahrstraße (32 km) verbunden, welche bis zum Thalende nach Corvara (176 E., 1572 m) führt. Nahe bei Corvara St. Cassian (365 E., 1526 m), berühmt durch zahlreiche Versteinerungsfunde. (S. 159)
  3. ↑ Max Schrott: Liber testamentorum conventus Neocellensis (= Geschichtsquellen des Etschlandes 1). Bozen 1967, Nr. 33.
  4. ↑ Egon Kühebacher: Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte. Band 1. Athesia, Bozen 1995, ISBN 88-7014-634-0, S. 74.
  5. ↑ Die Bürgermeister der Gemeinden Südtirols seit 1952. (PDF; 15 MB) In: Festschrift 50 Jahre Südtiroler Gemeindenverband 1954–2004. Südtiroler Gemeindenverband, S. 139–159, abgerufen am 16. November 2015.
  6. ↑ Volkszählung 1981 – Die amtliche Bürgerzahl und die Sprachgruppen in Südtirol nach Gemeinde und Bezirk. Landesinstitut für Statistik der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol, März 1983, abgerufen am 9. Dezember 2024.
  7. 1 2 Volkszählung 2001 – Berechnung des Bestandes der drei Sprachgruppen in der Provinz Bozen-Südtirol. Landesinstitut für Statistik der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol, August 2002, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 29. Dezember 2021; abgerufen am 9. Dezember 2024.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  8. 1 2 Ergebnisse Sprachgruppenzählung 2024 – Berechnung des Bestandes der drei Sprachgruppen in der Autonomen Provinz Bozen - Südtirol. Landesinstitut für Statistik der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol, Dezember 2024, abgerufen am 9. Dezember 2024.
  9. ↑ Schulsprengel Abtei. Südtiroler Bürgernetz, abgerufen am 25. Oktober 2014.