| Couvet | ||
|---|---|---|
| Staat: | ||
| Kanton: | ||
| Bezirk: | keine Bezirkseinteilung | |
| Gemeinde: | Val-de-Travers | |
| Postleitzahl: | 2108 | |
| frühere BFS-Nr.: | 6505 | |
| Koordinaten: | 538708 / 197200 | |
| Höhe: | 735 m ü. M. | |
| Höhenbereich: | 725–1292 m ü. M. | |
| Fläche: | 16,41 km² | |
| Einwohner: | 2755 (31. Dezember 2007) | |
| Einwohnerdichte: | 168 Einw. pro km² | |
Couvet | ||
| Karte | ||

Couvet [] war bis zum 31. Dezember 2008 eine politische Gemeinde im Distrikt Val-de-Travers des Kantons Neuenburg in der Schweiz.
Seit dem 1. Januar 2009 gehört Couvet zusammen mit Boveresse, Buttes, Fleurier, Les Bayards, Môtiers, Noiraigue, Saint-Sulpice und Travers zur neuen Gemeinde Val-de-Travers.
Couvet liegt auf 735 m ü. M., 24 km westsüdwestlich der Kantonshauptstadt Neuenburg (Luftlinie). Die Industriegemeinde erstreckt sich im zentralen Val de Travers beidseits der Areuse und auf dem Schwemmkegel des Seitenbachs Sucre, im südwestlichen Neuenburger Jura.
Die Fläche des 16,4 km² grossen ehemaligen Gemeindegebiets umfasst einen Abschnitt im mittleren Teil des Val de Travers und gehört geologisch zum Faltenjura. Der Hauptteil wird vom 500 bis 800 m breiten, flachen Talboden der Areuse eingenommen, die das Gemeindeareal von Westsüdwesten noch Ostnordosten durchfliesst. Durch den Schwemmkegel, den der von Norden her kommende Sucre bei Couvet bei seinem Eintritt in das Val de Travers aufgeschüttet hat, wird die Areuse hier an den südlichen Talrand gedrängt. Nach Süden reichte das Gemeindegebiet über einen zunächst sanft, im oberen Teil jedoch steil ansteigenden und dicht bewaldeten Hang bis auf das Hochplateau von Nouvelle Censière (bis 1110 m ü. M.), das auf der Antiklinale der Chasseron-Soliat-Kette liegt.
Im Norden erstreckte sich der Gemeindeboden in das Quellgebiet des Sucre, der mit seinen Seitenbächen mehrere Erosionstäler in die nördlich des Val de Travers folgende Jurakette eingegraben hat. Das Gelände ist hier deshalb stark reliefiert mit den Höhen von Mont de Couvet (1024 m ü. M.), Malmont (1182 m ü. M.), Trémalmont (1277 m ü. M.) und Crêt du Cervelet (mit 1294 m ü. M. der höchste Punkt von Couvet); an einigen Stellen treten die Felsen des Malmkalks zutage. Ganz im Norden erstreckt sich das Gebiet bis in die Mulde von Bois de Halle. Auf diesen Höhen befinden sich ausgedehnte Jurahochweiden mit den typischen mächtigen Fichten, die entweder einzeln oder in Gruppen stehen. Von der Gemeindefläche entfielen 1997 10 % auf Siedlungen, 45 % auf Wald und Gehölze und 44 % auf Landwirtschaft; etwas weniger als 1 % war unproduktives Land.
Zu Couvet gehörten der Weiler Plancemont (873 m ü. M.) auf einem Vorsprung am nördlichen Talhang des Val de Travers sowie einige Hofsiedlungen und Bergbauernhöfe. Nachbargemeinden von Couvet waren Môtiers, Boveresse, La Brévine und Travers im Kanton Neuenburg sowie Provence im Kanton Waadt.

Die ältesten Zeugnisse der Anwesenheit des Menschen auf dem Gemeindegebiet von Couvet gehen auf das Paläolithikum zurück. Die Grotte des Plaints war im Moustérien vor rund 50'000 bis 40'000 Jahren vor Christus bewohnt.
Erstmals urkundlich erwähnt wird der Ort im Jahre 1300 unter dem Namen Covés. Später erschienen die Bezeichnungen Coves (1380) und Covet (1470). Der Ortsname geht auf das lateinische Wort cupa (Fass, grosses Holzgefäss) zurück.
Couvet gehörte im Mittelalter zunächst zum Priorat Saint-Pierre in der Nachbargemeinde Môtiers. Ab dem 14. Jahrhundert war es Mitglied der Korporation der Six Communes des Val de Travers. Seit Mitte des 14. Jahrhunderts unterstand es bis 1848 der Kastlanei Vautravers. Während dieser Zeit hatte die Grafschaft Neuenburg die Oberhoheit über das Gebiet inne. Seit 1648 war Neuenburg Fürstentum und ab 1707 durch Personalunion mit dem Königreich Preussen verbunden.
Der des Pietismus verdächtigte Zürcher Jean Steiner flüchtete nach Couvet. 1738 liess er hier sein Haus bauen. 1766 wurde der Kirchturm gebaut. Auch Jean-Jacques Rousseau unterstützte den Bau mit der Spende von einem Luis d’or neuf. Dem Philosophen, seit dem Sommer 1762 in Môtiers zuhause, wo er Ungemach mit dem örtlichen Pastor Frédéric-Guillaume de Montmollin (1709–1783) gehabt hatte, war am 1. Januar 1765 von der aus 120 Männern bestehenden Bürgerversammlung von Couvet einstimmig das Ehrenbürgerrecht angetragen worden.
1806 wurde das Gebiet an Napoleon I. abgetreten und kam 1815 im Zuge des Wiener Kongresses an die Schweizerische Eidgenossenschaft, wobei die Könige von Preussen bis zum Neuenburgerhandel 1857 auch Fürsten von Neuenburg blieben.
Im 18. Jahrhundert war auch Couvet ein Zentrum des Uhrenherstellung. Jonas Henri Berthoud baute hier elegante Taschenuhren zusammen. Anders als in Fleurier setzten sich mit der Industrialisierung in Couvet jedoch andere Sparten durch, so die Herstellung von Steingut und Kachelöfen, Mitte des 18. Jahrhunderts eine Indienne-Manufaktur und die Spitzenherstellung, sowie eine Druckerei, eine Kartenfabrik und Ziegelei. Östlich des Dorfes ging 1840 die Asphaltmine La Presta in Betrieb. 1867 gründete Henri Edouard Dubied die Strickmaschinenfabrik Edouard Dubied & Cie. SA. Bald darauf wurde unter der Leitung des Forstbauingenieurs Henry Biolley der Gemeindewald von Couvet zum ersten nachhaltig bewirtschafteten Wald der Schweiz.
Im 19. Jahrhundert wurden Absinth-Destillerien gegründet, so dass Couvet zum Zentrum der Produktion avancierte. Der erste industriell geführte Betrieb war Dubied-Duval. Die Familie heiratete in die Familie Pernod ein und expandierte unter Louis Pernod nach Pontarlier. Auf grossen Flächen in der Umgebung wurde die Absinthpflanze (Artemisia absinthium) angebaut. Später nahm die Branche jedoch mit dem Absinth-Verbot ein Ende. Neben notleidenden Familien gehörten so auch evangelisch Bewegte und das Bildungsbürgertum zu den Gewinnern. Dieses berauschte sich lieber an den geistigen Schöpfungen von Jules Baillods, einem Sohn von Couvet, der für eine geistige Schule stand, die den Kanton als eigene kleine Nation sah, wobei dem Val-de-Travers damals der Ruf anhaftete, «ein Staat im Staat [Neuenburg]» zu sein. Auch Baillods zog es fort, nach La Chaux-de-Fonds.
Durch die Wirtschaftskrisen des 20. Jahrhunderts, die Betriebsschliessungen zur Folge hatten, kam es mehrfach zu starken Bevölkerungsrückgängen. Beim Strickmaschinenhersteller Edouard Dubied & Cie. SA wurde während des Zweiten Weltkriegs «praktisch Tag und Nacht» gearbeitet, wie sich der Feinmechaniker Maurice Boiteux im Jahr 2000 erinnerte, doch in der Erdölkrise der 1970er Jahre nahm die ganze regionale Industrie Schaden. Das Unternehmen, das seine Gesamtbelegschaft (insgesamt mit Marin und Peseux) von 2400 auf rund 1000 Mitarbeiter reduzierte, wurde 1976 etwa einen Monat lang «wild» bestreikt. Eine Betriebsbesetzung wurde durchgeführt. Die Gewerkschaft SMUV schaltete sich ein, worauf 80 % der Beschäftigten den Streik mittrugen. Durch Ansiedlung neuer Industriebetriebe konnte die zeitweilig hohe Arbeitslosenquote jedoch wieder aufgefangen werden.
| Bevölkerungsentwicklung | |
|---|---|
| Jahr | Einwohner |
| Mitte 14. Jh. | 300 |
| 1554 | 500 |
| 1750 | 1004 |
| 1800 | 1463 |
| 1850 | 1704 |
| 1900 | 2430 |
| 1910 | 3352 |
| 1950 | 2897 |
| 1970 | 3481 |
| 1980 | 2627 |
| 1990 | 2919 |
| 2000 | 2703 |
| 2007 | 2755 |
Mit 2755 Einwohnern (Ende 2007) gehörte Couvet zu den grösseren Gemeinden des Kantons Neuenburg. Von den Bewohnern sind 85,1 % französischsprachig, 4,6 % italienischsprachig, und 4,1 % sprechen Portugiesisch (Stand 2000). Die Bevölkerungszahl von Couvet zeigte in den letzten 150 Jahren starke Schwankungen, welche die wirtschaftliche Lage des Dorfes im Val de Travers widerspiegeln. Besonders grosse Zuwachsraten wurden im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts sowie von 1950 bis 1970 verzeichnet, als der bisherige Höchststand erreicht wurde.
Couvet bietet rund 1200 Arbeitsplätze an. Mit 5 % der Erwerbstätigen, die noch im primären Sektor beschäftigt sind, hat die Landwirtschaft (Ackerbau in den Tallagen, Milchwirtschaft und Viehzucht überwiegend in höheren Lagen) noch immer einen gewissen Stellenwert in der Erwerbsstruktur der Bevölkerung. Etwa 40 % der Erwerbstätigen sind im industriellen Sektor tätig, während der Dienstleistungssektor 55 % der Arbeitskräfte auf sich vereinigt (Stand 2001).
Die heutige Industrie umfasst Betriebe des Baugewerbes, der Informatik, der Verpackungsindustrie, der Holzverarbeitung, der Präzisionsmechanik sowie die Herstellung von Strickmaschinen und Uhrenzubehör. Couvet ist Standort des Bezirksspitals, das 1860 eröffnet wurde. Immer mehr Bewohner pendeln auch in die Region Neuenburg zur Arbeit.
Die ehemalige Gemeinde ist verkehrsmässig gut erschlossen. Sie liegt an der Hauptstrasse von Neuenburg über den Grenzübergang Les Verrières nach Pontarlier in Frankreich. Am 25. Juli 1860 fand die Einweihung der Eisenbahnstrecke von Auvernier nach Les Verrières mit einem Bahnhof in Couvet statt, die heute einen Teil der Linie Neuenburg–Pontarlier bildet. Der im oberen Dorfteil gelegene Bahnhof wurde mittlerweile aufgehoben. Am 24. September 1883 wurde die Tallinie Travers–Saint-Sulpice eröffnet. Diese Linie mit einem Bahnhof nahe dem alten Dorfzentrum wird heute vom Regionalverkehrsunternehmen Transports Régionaux Neuchâtelois (TRN SA) betrieben. Für die Feinverteilung im öffentlichen Verkehr sorgen Buslinien, die die Strecken von Couvet nach Fleurier und nach La Brévine bedienen.
Die reformierte Kirche von Couvet wurde 1658 errichtet, der heutige Frontturm stammt aus der Zeit von 1756 bis 1766. Das Hôtel Communal mit einem kleinen Portikus wurde 1739 erbaut, das Maison de l’Ecu de France bereits 1690. Im alten Ortskern und in seiner nahen Umgebung sind stattliche Häuser und Villen aus der Zeit der Industrialisierung erhalten, darunter das Hôtel de l’Aigle (1778) und der Herrensitz Le Marais aus dem 18. Jahrhundert. Die Kapelle einer Freikirche wurde 1876 errichtet, während die katholische Kapelle von 1943 stammt.