Criewen ist eine vormals eigenständige Gemeinde mit 515 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2021), die seit dem 1. August 2001 ein Ortsteil der Stadt Schwedt/Oder ist. Sie liegt nahe der polnischen Grenze, direkt angrenzend an den Nationalpark Unteres Odertal.
Orts- und Gutshistorie
Criewen ist 1354 ersterwähnt und somit eines der ältesten beurkundeten slawischen Fischerdörfer in Nordbrandenburg. Das Dorf entwickelte sich zum Gutsort, so dass sich die Geschichtsübermittlung zunächst hauptsächlich auf die Gutsherrschaften darstellt, gesicherte Nachrichten zum eigentlichen Dorf erst später erscheinen. Im Ort entwickelte sich vormals eine mehrteilige Gutsherrschaft, der Falkenbergsche Antheil der Familie von Falkenberg, der v. Wustrowsche Antheil des Adelsgeschlechts von Wustrow. Es gab des Weiteren die Anteile III-Flitsch und IV.-v. Stegelitz. Nach einem so genannten Bauernkataster bestand Criewen 1624 in 6 Hüfnern und 25 Kossäten.
Der zersplittete Gutsbesitz am Ort wiederum wurde vermutlich spätestens unter der 1707 von König Friedrich I. von Preußen nobilitierten Familie von Luck, teils auch v. Luck II. genannt, unter dem preußischen Hofrat und Schatzmeister Daniel von Luck (1674–1739) fusioniert. 1723 übernahm es dessen Sohn, der Geheime Rat Johann Justus (Julius) Philipp von Luck (1721–1760), sodann nach E. Fidicin prozentual ein Carl Ludwig von Luck. 1761 nennt die Chronik den bürgerlichen Kriegsrat Krüger, 1768 die briefadelige Familie von Rebeur, vertreten durch den KammergerichtspräsidentenChristian Ludwig von Rebeur (1741–1809). Überregional bekannt wurde seine Tochter Wilhelmine Karoline von Wobeser. Gut Criewen wiederum erbte dessen Bruder Ludwig August von Rebeur. Dieser verkaufte Criewen um 1816 an die Familie von Arnim, an den Rittmeister Otto Friedrich Carl von Arnim, Gutsgröße 3185 Morgen. Das Erbe in Criewen übernahm der Sohn Friedrich Bernhard Gustav von Arnim, der als Geschichtsschreiber der Familie von Arnim bezeichnet wurde. Zeitgleich wurde der gesamte bäuerliche Besitz in der Gemarkung auf 986 Morgen festgemacht. Die Herren von Arnim-Criewen waren vielfältig tätig, 1874 saß man in der Direktion der Tattersall-Aktien-Gesellschaft zu Berlin, einem der berühmtesten Pferdeställe von Brandenburg-Preußen.
Bei der letzten amtlichen Erhebung des Gutsbesitzes in der Provinz Brandenburg, vor der Weltwirtschaftskrise 1929/1930, galt als Gutsherr der Korvettenkapitän a. D. Staatsminister Bernd von Arnim, zumeist nach dem Besitz Bernd von Arnim-Criewen benannt. Sein Gut Criewen umfasste 507 ha, der Nebenbesitz, das Rittergut in Densen 392 ha. Letzter Gutsbesitzer war der Major a. D. Harry Gustav Achim von Arnim, mit seiner Ehefrau Annabel geb. von Stoesser verstorben im Mai 1945 in Criewen, nach Kriegsende. Ihre Nachfahren lebten teils in Brasilien.
Das für den Rittmeister Otto von Arnim errichtete Schloss im Lenné-Park ist heute Sitz der Brandenburgischen Akademie Schloss Criewen. An der Restaurierung der Dorfkirche war ab 2003 auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beteiligt.
Criewen, Dorf, Rittergut, In: Ernst Fidicin: Die Territorien der Mark Brandenburg oder Geschichte der einzelnen Kreise, Städte, Rittergüter, Stiftungen und Dörfer in derselben, als Fortsetzung des Landbuch’s Kaiser Karl’s IV. Band IV, Selbstverlag, Berlin 1864, S. 202 f. Nr. 15.
↑Eingliederung der Gemeinde Criewen in die Stadt Schwedt/Oder Bekanntmachung des Ministeriums des Innern vom 11. Juli 2001. Amtsblatt für Brandenburg Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 12. Jahrgang, 2001, Nummer 31, Potsdam, den 1. August 2001, S. 550. PDF
↑Ad. M. Hildebrandt: Der Deutsche Herold. Zeitschrift für Wappen-, Siegel- und Familienkunde. 1893. Jahrgang XXV, Nr. 5, Hrsg. Herold (Verein), Julius Sittenfeld-Selbstverlag Herold üb. Carl Heymanns Verlag, Berlin, Mai 1893, S. 57.
↑Genealogisch-Diplomatisches Jahrbuch für den Preußischen Staat und zunächst für dessen Adel und die höheren Stände überhaupt. I, Carl Heymanns Verlag, Berlin 1841, S. 114.
↑Ernst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, GF Ludwig Hogrefe: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg. [1929]. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von ca. 20ha aufwärts, Mit Unterstützung von Staats- und Kommunalbehörden, sowie des Brandenburgischen Landbundes zu Berlin, sowie der Kreislandbünde. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher, Band VII, 4. Auflage, Band Regierungsbezirk Potsdam. Kreis Angermünde, (Letzte Ausgabe-Paul Niekammer-Reihe), Verlag Niekammer’s Adreßbüchern GmbH, Leipzig 1929, S. 84.
↑Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil A (Uradel). 1942. Jahrgang 115, Justus Perthes, Gotha 1941, S. 25.
↑Sohn d. Generaloberst/GFM-Hans von Plessen. Vgl. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Uradeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel. 1907. Achter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1906, S. 588.
↑Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1916. Zehnter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1915, S. 932.
↑Matthias Graf von Schmettow (Hrsg.): Gedenkbuch des deutschen Adels. (Hauptband), In: Aus dem Deutschen Adelsarchiv. Band 3, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1967, S. 5.