Cryptophyllium limogesi

Cryptophyllium limogesi

Cryptophyllium limogesi, Pärchen vom Zuchtstamm aus Thac Krong Kmar in Vietnam

Systematik
Unterstamm: Sechsfüßer (Hexapoda)
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Gespenstschrecken (Phasmatodea)
Familie: Wandelnde Blätter (Phylliidae)
Gattung: Cryptophyllium
Art: Cryptophyllium limogesi
Wissenschaftlicher Name
Cryptophyllium limogesi
Cumming et al., 2021

Cryptophyllium limogesi ist eine Art der Wandelnden Blätter (Phylliidae), die 2021 neben zwölf anderen Arten in der zeitgleich errichteten Gattung Cryptophyllium beschrieben wurde. Sie ist in Vietnam heimisch, von wo auch ein aus Thac Krong Kmar in der Đắk Lắk Provinz stammender Zuchtstamm kommt, der in den Terrarien der Liebhaber seit 2021 zu finden ist.

Merkmale

Weibchen

Weibchen von Cryptophyllium limogesi erreichen 95 bis 105 mm Länge. Sie zählen damit neben denen von Cryptophyllium daparo, Cryptophyllium tibetense und Cryptophyllium faulkneri zu den größten Weibchen der Gattung. Morphologisch ähneln sie am stärksten Cryptophyllium celebicum und Cryptophyllium tibetense, da sie wie diese an den Schenkeln (Femuren) der Vorderbeine breite, spitzwinklige Außenlappen (profemurale exteriore Loben) haben und einen kastenförmigen Hinterleib Abdomen. Von Cryptophyllium celebicum lassen sich die Weibchen von Cryptophyllium limogesi anhand der Form der Pleuren des Mesothorax (Mesopleuren) unterscheiden. Bei Cryptophyllium limogesi haben sie fast bis an den Vorderrand des Prescutums gerade Ränder, während diese bei Cryptophyllium celebicum Weibchen in der vorderen Hälfte deutlich schmaler sind. Von Cryptophyllium tibetense lassen sich die Weibchen anhand der Subgenitalplatte (= Epiproct) unterscheiden, die am Ende des achten, dorsalen Abdominalsegments (= achtes Tergit des Abdomens) liegt. Bei Cryptophyllium tibetense ist die Subgenitalplatte lang und besitzt eine Spitze. Sie ragt über das Ende des letzten Abdominalsegments hinaus. Bei Cryptophyllium limogesi ist die Subgenitalplatte kurz und reicht höchstens bis zur Mitte des letzten Abdominalsegments. Die Färbung ist der Oberseite inklusive Vorderflügel (Tegmina) ist ein einheitlich mintgrün. Unterseits sind die Weibchen ebenfalls einheitlich gefärbt, aber etwas intensiver bzw. dunkler grün. Die Tegmina erreichen den Vorderrand des siebten Abdominalsegmentes. Ihre Aderung zeigt die für Weibchen dieser Gattung typische Anordnung und Ausprägung. Die unter den Tegmina verborgenen Hinterflügel (Alae) sind nicht wie bei den meisten Cryptophyllium-Weibchen lang und gut entwickelt, sondern bei Weibchen von Cryptophyllium limogesi eher kurz. Sie erreichen lediglich um die 22 mm Länge.

Männchen

Männchen von Cryptophyllium limogesi werden etwa 79 bis 80 mm lang. Sie ähneln morphologisch Cryptophyllium oyae, da sie wie diese ein breites, spatelförmiges Abdomen haben und eine ähnliche Form der Lappen an den Vorderschenkeln (profemurale Loben). Unterscheiden lassen sich beide Arten an der Länge ihrer Tegmina. Bei Cryptophyllium limogesi reichen sie nur bis zum dritten Abdominalsegment, bei Cryptophyllium oyae hingegen bis zur Mitte des vierten Segments. Außerdem ist auch bei ihnen die Form der Mesopleuren unterschiedlich. Sie sind bei Cryptophyllium oyae breit und weisen fast gerade Ränder auf, während sie bei Männchen von Cryptophyllium limogesi im vorderen Bereich etwas schmaler sind. Die Färbung der Männchen ist denen der Weibchen ähnlich. Die Ränder der Femurloben sowie die endständigen Glieder der Fühler zeigen oft eine dezente hellbraune Färbung. Auf dem fünften Abdominalsegment befindet sich meist ein Paar Augenflecken, das in der Regel von den Flügeln verdeckt wird.

Eier von: A lateral, B dorsal, C ventral, D opercular (oben)

Eier

Die Eier von Cryptophyllium limogesi entsprechen dem in der Gattung häufigsten kastenförmigen Typ. Lediglich in der Ansicht von oben (opercular) oder unten wird deutlich, dass ihr Querschnitt fünfeckig ist, obwohl sie makroskopisch quaderförmig wirken. Sie sind um 5,2 mm lang und etwa 3,8 mm breit und hoch. Die Oberflächen und Ränder der Eikapsel sind leicht gewellt, wodurch das gesamte Ei höckrig und uneben wirkt. In der Ventralansicht ist ein Kiel erkennbar, welcher diese Seite in zwei ventrolaterale Bereiche teilt. Auf beiden Seiten dieses Kiels befinden sich drei gleichmäßige Vertiefungen. Diese sind aus der Lateralansicht ebenfalls zu erkennen und werden im dorsalen Bereich um zwei weitere, eng zusammenliegende Gruben ergänzt. Von der Seite sind somit fünf Gruben zu erkennen, von denen die vordere, die beiden mittleren und die hintere Grube entlang einer nach dorsal leicht bogenförmigen Linie angeordnet sind. Die ventrolateralen Bereiche sind größtenteils kahl und weisen nur zwischen den Gruben einzelne, kurze, moosartige Fiederblättchen, sogenannten Pinnae (aus dem Lateinischen von Flosse oder Flügel) auf. Die dorsale Seite ist mit insgesamt sieben mittelgroßen Vertiefungen versehen. Eine befindet sich am vorderen Ende etwa an der Spitze der Mikropylarplatte, je zwei auf jeder Seite der Mikropylarplatte und ein weiteres Paar etwas unterhalb der Mikropylarplatte nahe der Kapselbasis. Wie die ventralen Gruben, liegen auch die dorsalen weit auseinander. Die Dorsalfläche ist im Bereich um die Mikropylarplatte herum mit kurzen, moosartigen Pinnae besetzt, während der Bereich unmittelbar um jede Vertiefung kahl ist. Die Mikropylarplatte ist 3 mm lang und nimmt damit etwa 5/7 der Gesamtlänge der Dorsalfläche ein. Sie ist von schlanker Form, also dünn. Ihre breiteste Stelle befindet sich im Bereich des Mikropylarbechers (Mikropyle), welcher im hinteren Drittel liegt. Der Deckel (Operculum) des Eies ist leicht oval. Seine Oberfläche ist rundlich und gewölbt. Seine Höhe beträgt etwas weniger als die Hälfte seiner Breite. Das Operculum weist vereinzelt Pinnae auf, die etwas kleiner sind als die auf den anderen Bereichen des Eies. Auf dem Operculum befinden sich zwei mittelgroße Vertiefungen, eine auf jeder Seite der Lateralebene. Die Grundfarbe des Eies ist dunkelbraun, während die Pinnae hellbraun gefärbt sind und sich so deutlich von der Oberfläche abheben (siehe auch Bau des Phasmideneis).

Verbreitung

Die Art stammt aus Vietnam. Dort wurde sie in den südlichen Provinzen Lâm Đồng und Đắk Lắk nachgewiesen, wobei sie in der Lâm Đồng Provinz sowohl im Gebiet der ehemaligen Provinzgrenzen, heute im zentralen Teil der Provinz, als auch in der ehemaligen Provinz Đắk Nông, im nördlichen Teil der heutigen Provinz gefunden wurde. Damit ist sie in weiten Teilen des Tây Nguyên (vietn. für „Westliche Hochebene“, im Deutschen als Zentrales Hochland bezeichnet) verbreitet.

Weiblicher Holotypus
Männchen vom Zuchtstamm aus Thac Krong Kmar

Systematik

Im Jahr 2021 beschrieben Royce T. Cumming, Sarah Bank, Joachim Bresseel, Jérôme Constant, Stéphane Le Tirant, Zhiwei Dong, Gontran Sonet und Sven Bradler Cryptophyllium limogesi neben 12 weiteren Arten in der ebenfalls neubeschriebenen Gattung Cryptophyllium, in die außerdem 12 bereits zuvor in der Gattung Phyllium geführte Arten überstellt wurden. Der Artname ist René Limoges gewidmet, einem Mitarbeiter des Montrealer Insektariums, der viele Jahre das „Team Phyllies“ mit zahllosen, publikationswürdigen Fotografien unterstützte. Neben dem weiblichen Holotypus sind zwei männliche und 13 weibliche Tiere sowie sieben Eier als Paratypen festgelegt worden. Der Holotypus wurde im Mai 2018 in Dambri im Distrikt Bảo Lâm in der Provinz Lâm Đồng gesammelt. Eine männliche Nymphe wurde im Rahmen eines vom Museum für Naturwissenschaften in Brüssel initiierten, mehrjährigen Projektes der Global Taxonomy Initiative gefunden. Das von Constant und Bresseel Anfang August 2019 im Ta Dung Nationalpark in der ehemaligen Provinz Đắk Nông gesammelte Tier wurde mit nach Belgien genommen, wo es Tim Bollens erfolgreich aufziehen konnte. Es wurde als erstes Tier der Art molekulargenetisch untersucht und mit seinem zuvor herauspräparierten Vomer im Museum für Naturwissenschaften in Brüssel als Paratypus hinterlegt. Alle weiteren Paratypen wurden im September 2020 in der Provinz Đắk Lắk von lokalen Sammlern gefunden. Der weibliche Holotypus, der zweite männliche und drei weibliche Paratypen sowie drei der Eier sind am Insektarium in Montreal hinterlegt. Von den restlichen zehn weiblichen Paratypen befinden sich jeweils fünf in den privaten Belegsammlungen von Cumming und Le Tirant. Von den restlichen vier als Paratypen festgelegten Eiern, sind zwei in Cummings Sammlung hinterlegt. Ein Ei befindet sich in Le Tirants Sammlung und ein weiteres in der von Frank H. Hennemann.

Bereits die molekulargenetische Untersuchung des 2019 gesammelten Männchens ergab, dass es sich bei Cryptophyllium limogesi um die Schwesterart der kleineren und morphologisch sehr unterschiedlichen Cryptophyllium icarus handelt. Beide Arten kommen sympatrisch und syntop oder zumindest allotop vor, was Ursache für die Unterschiede in Morphologie und Größe sein könnte. Bei einer weiteren Untersuchung, in die auch der weibliche Holotypus von Cryptophyllium limogesi einbezogen wurde, bestätigte sich dieses Ergebnis. Beide Arten bilden eine gemeinsame Klade mit der etwas weiter nördlich in Vietnam heimischen Cryptophyllium bankoi. Auch von dieser wurde zunächst ein Paratypus und später der Holotypus molekulargenetisch verglichen (siehe auch Kladogramm der Gattung Cryptophyllium).

Terraristik

Nachdem Tim Bollens bereits den 2019 als Nymphe gesammelten, männlichen Paratypus aus dem Ta Dung Nationalpark erfolgreich aufgezogen hatte, erhielt er Ende November 2020 Eier dieser Art. Sie stammten von Tieren die im August 2020 in der Nähe des Krông Kmar Wasserfalls (vietnamesisch: Thác Krông Kmar) gefunden worden waren und im September mit der Eiablage begonnen hatten. Bei Bollens schlüpfte die erste Nymphe am 19. Februar 2021. Diese und weitere aus den Eiern geschlüpfte Nymphen konnten ebenfalls erfolgreich aufgezogen werden. Eine molekulargenetische Untersuchung ergab, dass es sich bei diesen Tieren eindeutig um Cryptophyllium limogesi handelt. Ihre Eier wurden unter Nennung des Fundortes verteilt und die resultierenden Tiere sind seither als Cryptophyllium limogesi 'Thac Krong Kmar' in Zucht. Bei Verwendung von luftigen Terrarien, z. B. von Flexarien, gilt die Haltung und Zucht wie bei der kleineren Schwesterart Cryptophyllium icarus als einfach. Als Futter eignet sich genau wie bei den meisten Wandelnden Blättern das Laub von Him- oder Brombeeren.

Bilder

Commons: Cryptophyllium limogesi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikispecies: Cryptophyllium limogesi – Artenverzeichnis

Einzelnachweise

  1. ↑ Paul D. Brock, Thies H. Büscher & Edward W. Baker: Cryptophyllium limogesi in Phasmida Species File Online. (abgerufen am 20. Juli 2026)
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 Royce T. Cumming, Sarah Bank, Joachim Bresseel, Jérôme Constant, Stéphane Le Tirant, Zhiwei Dong, Gontran Sonet, Sven Bradler: Cryptophyllium, the hidden leaf insects – descriptions of a new leaf insect genus and thirteen species from the former celebicum species group (Phasmatodea, Phylliidae). In: ZooKeys. 1018. Jahrgang, 2021, S. 1–179 (englisch, pensoft.net).
  3. ↑ Sarah Bank, Royce T. Cumming, Yunchang Li, Katharina Henze, Stéphane Le Tirant, Sven Bradler: A tree of leaves: Phylogeny and historical biogeography of the leaf insects (Phasmatodea: Phylliidae). In: Communications Biology. 4. Jahrgang, Nr. 932, 2021, doi:10.1038/s42003-021-02436-z, PMID 34341467, PMC 8329230 (freier Volltext) – (englisch).
  4. ↑ Cryptophyllium icarus "Bidoup Nui Ba" auf Phasmatodea.com von Oskar V. Conle, Frank H. Hennemann, Pablo Valero Riquelme & Bruno Kneubühler (abgerufen am 23. Juli 2026)