Cumbia rebajada (verlangsamter Cumbia) ist ein musikalisches Subgenre, das aus der kolumbianischen Cumbia und der mexikanischen Cumbia hervorgegangen ist und in Monterrey (Mexiko), entstanden ist.
Aufgrund der kolumbianischen Einwanderung nach Monterrey in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und des Imports von Schallplatten aus Mexiko-Stadt wurden verschiedene Musikgenres aus Südamerika populär, darunter Cumbia, Vallenato und Porro. Die Verbreitung dieser Musik durch Partys führte in Stadtteilen wie dem Viertel Independencia zur Entstehung des als „Kolombia“ bekannten Cumbia-Hypes. Laut Gabriel Duéñez, der als DJ (auch sonidero genannt) in dieser Szene tätig war, entstand der „Rebajada“-Stil zufällig, als der BPM-Regler seines Musikplayers kaputtging und dabei kolumbianische Musik mit einer langsameren Geschwindigkeit abgespielt wurde, was zu einem „verlangsamten, wässrigeren“ Rhythmus führte. (Andere Quellen führen Cumbia rebajada auch auf eine gezielte technische Entwicklung des sonideros Marco Antonio Cedillo von der Gruppe Sonido Imperial zurück, die eine Verlangsamung der Abspielgeschwindigkeit von Schallplatten stärker als die bei Plattenspielern übliche erlaubte.)
Duéñez und andere Händler in Monterrey begannen in den 1990ern, Kassetten (und später CDs) mit verlangsamten Versionen beliebter Cumbias zu verkaufen. Angesichts der Beliebtheit dieser Musik begannen kolumbianische Musikgruppen in der Stadt, Stücke in diesem Tempo zu komponieren und aufzuführen. Die „Cumbia rebajada“ wurde Teil des kulturellen Phänomens, das als „Cholombiano“ bekannt ist. Die „verlangsamte“ Ästhetik beeinflusste auch die Sonideros, wo Gruppen wie Sonido La Changa und Sonido Siboney diesen Stil fortsetzten, indem sie das Tempo alter kolumbianischer Lieder anpassten und sie so zu Hits in Mexiko und Mittelamerika machten.
Cumbia rebajada übernimmt die klassischen Rhythmen und Instrumentalkompositionen der kolumbianischen Cumbia (Percussion, Bass und Trompeten) und des Vallenato (Snare-Drum, Guacharaca und Akkordeon) nach, allerdings in einem langsameren Tempo von etwa 76 BPM. Dies führt zu einem langsameren Rhythmus, wobei die Blechblasinstrumente (Trompeten und Saxophone) sowie die Akkordeons einen tieferen Klang haben und die Stimme des Sängers tiefer wird.
Laut dem DJ und Musikproduzenten Toy Selectah ist Cumbia rebajada „der Dubstep der Cumbia“. Wegen ihrer Wurzeln in der Soundsystem-Kultur lässt sich das Verhältnis von traditionellem Cumbia zu Cumbia rebajada vergleichen mit dem Verhältnis zwischen Reggae und Dub. Zudem lassen sich Parallelen zur Chopped-and-screwed-Technik ziehen.
DJs, Produzenten und Musiker verschiedener Nationalitäten haben Cumbia rebajada mit anderen Rhythmen wie Dubstep und Reggae gemischt. Zudem gibt es künstlerische Ansätze, die Cumbia rebajada-Aufnahmen mit modernen digitalen Manipulationstechniken bearbeiten, etwa auf dem Album „Desaceleradas“ der aus Monterrey stammenden Musikerin Debit.