Curt Weibull

Curt Weibull

Curt Hugo Johannes Weibull (* 19. August 1886 in Lund; † 10. November 1991 in Göteborg) war ein schwedischer Historiker und Professor. Er gilt mit seinem Bruder als Begründer der quellenkritischen Geschichtsschreibung in Schweden und Dänemark.

Biografie

Weibull war der Sohn des Historikers Martin Weibull (1835–1902) und Bruder des Historikers Lauritz Weibull (1873–1960). Beide Brüder besuchten die Universität Lund. Lauritz arbeitete seit 1903 im regionalen Archiv von Lund und wurde 1919 zum Professor an der Universität ernannt (bis 1938). Vorangegangen war ein heftiger Streit um die Historizität der älteren Geschichtsdarstellungen vor allem Südschwedens, die er großenteils für Mystifikation hielt.

Curt Weibull war von 1927 bis 1953 Professor für Geschichte an der Hochschule Göteborg und von 1936 bis 1946 ihr Rektor. Weil er sich um norwegische Flüchtlinge unter den Studenten im Weltkrieg kümmerte, war er in ihrer Heimat hoch angesehen. 1928 begründete er mit seinem Bruder Lauritz die Zeitschrift Scandia. Inspiriert vom deutschen Historiker Leopold von Ranke (1795–1886) etablierten sie ebenso die kritische Prüfung von Quellen im Mittelalter, worin ihnen Curt Weibulls Schüler Erik Lönnroth (1910–2002) weiter folgte.

Das wichtigste Werk ist eine Kritik an der ahistorischen Rezeption der Gesta Danorum des dänischen Historikers Saxo Grammaticus aus dem 12. Jahrhundert: Saxo. Kritiska undersökningar i Danmarks historia från Sven Estridsens död till Knut VI (deutsch: Saxo. Kritische Studien in der Geschichte Dänemarks von Sven Estridssons Tod bis Knut VI.). Sie entfachte breite Diskussionen, da sie die unsichere Grundlage der älteren Geschichte Dänemarks der Zeit enthüllte.

Weibull publizierte noch mit über hundert Lebensjahren. Er wurde Ehrendoktor der Universität Oslo (1946), Universität Aarhus (1946) und Universität Kopenhagen (1965) und gehörte mehreren wissenschaftlichen Akademien an, darunter der Königlich Dänischen Akademie der Wissenschaften, der Kungliga Vetenskaps- och Vitterhetssamhället i Göteborg, der Kungliga Vitterhets Historie och Antikvitets Akademien und der Norwegischen Akademie der Wissenschaften.

Schriften

Commons: Curt Weibull – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelbelege

  1. ↑ Gunnar Christie Wasberg: Curt Weibull. In: Store norske leksikon. 30. Mai 2026 (norwegisch, Online [abgerufen am 6. Juni 2026]).
  2. ↑ Curt Weibull: Lauritz Weibull. Den källkritiska metodens genombrott i nordisk medeltidsforskning (Lauritz Weibull. Der Durchbruch der quellenkritischen Methode in der nordischen Mittelalterforchung). In: Scandia : Tidskrift för historisk forskning. Band 38, Nr. 1, 1972, ISSN 0036-5483 (schwedisch, Online [abgerufen am 6. Juni 2026]).
  3. ↑ Scandia. Abgerufen am 6. Juni 2026 (schwedisch).
  4. ↑ Birgitta Odén: Det moderna historisk-kritiska genombrottet i svensk historisk forskning. In: Scandia : Tidskrift för historisk forskning. Band 41, Nr. 1, 1975, ISSN 0036-5483 (schwedisch, Online [abgerufen am 6. Juni 2026]).
  5. ↑ Profiler och projekt: Göteborgs universitet hundra år: aktuell humanistisk forskning (= Humanistisk forskning vid Göteborgs universitet. Nr. 4). Humanistiska utbildnings- och forskningsnämnden, Univ, Göteborg 1991, ISBN 978-91-7360-185-6, S. 13–21 (schwedisch).
Personendaten
NAME Weibull, Curt
ALTERNATIVNAMEN Weibull, Curt Hugo Johannes (vollständiger Name)
KURZBESCHREIBUNG schwedischer Historiker
GEBURTSDATUM 19. August 1886
GEBURTSORT Lund
STERBEDATUM 10. November 1991
STERBEORT Göteborg