Dagmar Nick

Dagmar Nick (2025), Festakt Kultureller Ehrenpreis

Dagmar Nick (* 30. Mai 1926 in Breslau) ist eine deutsche Dichterin und Schriftstellerin.

Leben

Dagmar Nick bei einer Autorenlesung am 20. September 2019 im Erinnerungsort Badehaus in Wolfratshausen-Waldram.
Dagmar Nick bei einer Autorenlesung am 20. September 2019 im Erinnerungsort Badehaus in Wolfratshausen-Waldram.

Dagmar Nick wurde als zweites Kind des Komponisten Edmund Nick († 1974) und der Konzertsängerin Kaete Nick-Jaenicke († 1967) geboren. Sie ist eine Großcousine des ebenfalls in Breslau geborenen Historikers Fritz Stern. Die Mutter Käte Nick-Jaenicke galt in der Zeit des Nationalsozialismus als „Halbjüdin“. Der evangelische Vater, musikalischer Leiter der Hörfunkgesellschaft Schlesische Funkstunde in Breslau, wurde 1933 im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltung entlassen. Die Familie zog nach Berlin um, wo Nick das Gymnasium (ein Lyzeum) besuchte. Nach ihrem Abitur 1943 erkrankte sie schwer an Tuberkulose, woran sie fast sechs Jahre litt. 1944 wurde die Wohnung der Familie in Berlin-Wilmersdorf durch eine Luftmine schwer beschädigt, so dass die Familie nach Böhmen auswich, von wo sie Ende Februar 1945 noch nach Bayern flüchten konnte. Nicks Bruder gilt als im Krieg verschollen. Die Familie zog nach München. Dort traf Nick nach dem Krieg auf Erich Kästner, der zu dieser Zeit in München das Feuilleton der Neuen Zeitung leitete. Kästner veröffentlichte im Oktober 1945 das erste Gedicht der 19-jährigen Nick, das den Titel Flucht trägt:

„Weiter. Weiter. Drüben schreit ein Kind.
Laß es liegen, es ist halb zerrissen.
Häuser schwanken müde wie Kulissen
durch den Wind.
Irgendjemand legt mir seine Hand
in die meine, zieht mich fort und zittert.
Sein Gesicht ist wie Papier zerknittert,
unbekannt.
Ob Du auch so um dein Leben bangst?
Ach, ich habe nichts mehr, kaum ein Leben,
nur noch Angst.“

Nick studierte in München Graphologie und Psychologie. Seitdem lebt sie in München, unterbrochen durch einen vierjährigen Aufenthalt (von 1963 bis 1967) in Israel.

Dagmar Nick war mit dem Übersetzer und Dramaturgen Robert Schnorr sowie den Ärzten Peter Davidson und in dritter Ehe Kurt Braun verheiratet und verfasste auch selbst Übersetzungen.

Neben Rose Ausländer, Ingeborg Bachmann und Hilde Domin wird Dagmar Nick zu den wichtigen deutschsprachigen Lyrikerinnen nach 1945 gezählt. Sie trat 1948 dem Schutzverband deutscher Schriftsteller, München (SDS Bayern) bei und ist seit 1965 Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland (BRD), seit 2005 Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Auszeichnungen

Werke

Prosa und Hörspiele

Lyrik

Übersetzungen


Weitere Werke und Veröffentlichungen

Literatur

Filmisches Porträt

Vertonung und Verfilmung

Die Komponistin Camille van Lunen hat mehrere veröffentlichte und unveröffentlichte Gedichte von Dagmar Nick vertont:

Commons: Dagmar Nick – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ https://www.rundfunkschaetze.de/?s=sender+breslau&searchsubmit=|Der Sender Breslau mit Edmund Nick und Erich Kästner
  2. ↑ Nick, Dagmar – Kulturstiftung. Abgerufen am 13. November 2021 (deutsch).
  3. ↑ Aus dem Vorlass von Dagmar Nick in der Monacensia. Abgerufen am 13. November 2021 (deutsch).
  4. ↑ Lyrikerin Dagmar Nick - "Gedichte kann ich nicht machen, Gedichte passieren". Abgerufen am 13. November 2021.
  5. ↑ Dagmar Nick im Literaturportal Bayern (Projekt der Bayerischen Staatsbibliothek)
  6. ↑ Eavan Boland, After Every War, Princeton University Press 2004. (Dagmar Nick, A Biografical Note).
  7. ↑ Antje Weber: Gedichte über Mut und Erblinden. In: Süddeutsche Zeitung. 30. Mai 2021, abgerufen am 30. Mai 2021.
  8. ↑ camillevanlunen.de. Abgerufen am 2. April 2024.