Friedensbrunnen in Jugenheim, 1909Büste von Honoré de Balzac, 1903 oder früherResignation, Keramik, 1903–1905Porträt-Medaillon der Katharina Roth, 1925Titelblatt des 1909 erschienenen Katalogs Werkstätte für Grabmalkunst Greiner & Guth, Jugenheim a. G. mit einer von Greiner entworfenen Grabstele und der Künstlersignatur des Bildhauers
Daniel Greiner war ein Sohn der kinderreichen Familie des Predigers Jakob Friedrich Greiner und dessen Ehefrau Katharina Christine Greiner geborene Elker. Er besuchte von 1886 bis 1890 das Großherzogliche Gymnasium Worms. Im Mai 1892 immatrikulierte er sich an der Ludwigs-Universität Gießen und studierte Philosophie und evangelische Theologie. Er schloss das Studium 1896 mit der Promotion zum Dr. phil. ab; der Titel seiner Dissertation lautete Der Begriff der Persönlichkeit bei Kant. Von 1897 bis 1901 war er Rektor und Hilfsgeistlicher in Schotten. 1901 geriet er in Konflikt mit der Kirchenleitung, trat aus der Kirche aus und gab sein Amt in Schotten auf.
Anschließend studierte in Berlin und Paris. Danach arbeitete er als Bildhauer in Schotten. Eine erste Ausstellung 1903 in der Darmstädter Kunsthalle ebnete ihm den Weg in die Darmstädter Künstlerkolonie, deren Mitglied er von 1903 bis 1906 war. 1906 schied er aus dieser Kolonie aus und ließ sich in Jugenheim nieder, wo er die Werkstätte für Grabmalkunst Greiner & Guth und den Felsberg-Verlag gründete. Die Werkstatt hatte zeitweise über 30 Angestellte. In dem Felsberg-Verlag veröffentlichte er sein umfangreiches grafisches Werk. Die nach ihm benannte zweibändige „Greiner-Bibel“ ist sein bekanntestes Werk. Sie besteht aus 147Holzschnitten zu Themen des Alten und Neuen Testaments. Waren seine Kunstwerke zunächst vom Jugendstil geprägt, wurde er später ein Vertreter des expressiven Realismus.
Am 14. März 1897 heiratete er in Schotten Anna Lina Charlotte geborene Suppes, genannt Emilie. Aus der Ehe gingen zehn Kinder hervor. Greiner lebte mit seiner kinderreichen Familie 37 Jahre lang in der Drachenmühle am Eingang zum Stettbacher Tal bei Jugenheim. In der Zeit des Nationalsozialismus lebte er in Isolation und materieller Armut. Seine Tochter Waltraud war mit dem KPD-Politiker Hans Fladung verheiratet.
Plastiken
1903 oder früher: Honoré de Balzac, Büste
1904: Reliefs des Bacchusbrunnen, Mathildenhöhe, Darmstadt
1903–1905: Resignation, Keramik
1909: Friedensbrunnen in Jugenheim
1913: Siegfriedbrunnen, Keramik 46cm × 47,5cm, am Alten Rathaus in Jugenheim
Medaillen
1904/1905: 100. Todestag Friedrich Schiller (8. Mai 1905), zweiseitig, Silberguß, 55mm
1905: Nils Alfred Persson, einseitiger hochovaler Bronzehohlguss, 306:200mm
Daniel Greiner war Mitglied der KPD und für diese bis 1928 Mitglied im Landtag des Volksstaates Hessen in Darmstadt. 1924 rückte er zunächst als Nachfolger für Adam Heinrich Ebner in den Landtag nach, in der Landtagswahl 1924 wurde er sodann direkt ewählt. 1926 setzte er sich für die Gründung der Künstler-Darlehenskasse ein.
Ehrungen
Im PforzheimerLange Gewann gibt es eine Daniel-Greiner-Straße, ebenso im Darmstadter Stadtteil Eberstadt, und in Jugenheim trägt der Daniel-Greiner-Weg seinen Namen.
Schriften
Der Begriff der Persönlichkeit bei Kant. Dissertation, Gießen 1896.
Camilla Hollstein: Daniel Greiner. In: Volk und Scholle, 6. Jahrgang 1928, Heft 10, S. 308–314.
Hans Georg Ruppel, Birgit Groß: Hessische Abgeordnete 1820–1933. Biographische Nachweise für die Landstände des Großherzogtums Hessen (2. Kammer) und den Landtag des Volksstaates Hessen (= Darmstädter Archivschriften, Band 5). Verlag des Historischen Vereins für Hessen, Darmstadt 1980, ISBN 3-922316-14-X, S. 115.
Gerhard Beier: Arbeiterbewegung in Hessen. Zur Geschichte der hessischen Arbeiterbewegung durch einhundertfünfzig Jahre (1834–1984). Insel, Frankfurt am Main 1984, ISBN 3-458-14213-4, S. 429.
Jochen Lengemann: MdL Hessen. 1808–1996. Biographischer Index (= Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen, Band 14) (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen, Band 48,7). Elwert, Marburg 1996, ISBN 3-7708-1071-6, S. 152.
Klaus-Dieter Rack, Bernd Vielsmeier: Hessische Abgeordnete 1820–1933. Biografische Nachweise für die Erste und Zweite Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen 1820–1918 und den Landtag des Volksstaats Hessen 1919–1933 (= Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen, Band 19) (= Arbeiten der Hessischen Historischen Kommission, Neue Folge, Band 29). Hessische Historische Kommission, Darmstadt 2008, ISBN 978-3-88443-052-1, Nr. 274.