Daniel Sternefeld

Daniel Sternefeld (Vorname im Flämischen auch: Daniël oder Daan; * 27. November 1905 in Antwerpen; † 2. Juni 1986 in Uccle/Ukkel) war ein belgischer Komponist und Dirigent.

Leben

Nach Flöten- und Theoriestudien am Königlichen Flämischen Konservatorium in Antwerpen (1995/1996 in die Hogeschool Antwerpen eingegliedert) und privatem Kompositionsunterricht bei Renaat Veremans und Paul Gilson in Brüssel belegte Daniel Sternefeld 1928 einen Dirigierkurs bei Frank Van der Stucken und 1931/1932 Dirigiermeisterklassen bei Bernhard Paumgartner, Clemens Krauss und Herbert von Karajan am Mozarteum in Salzburg. 1923 trat er zunächst als Flötist in das Orchester der Königlichen Flämischen Oper in Antwerpen ein. 1935 wurde er dort Dirigent. U. a. leitete er am 21. Dezember 1935 (nach einzelnen Quellen 1936) die Uraufführung seiner Oper Mater Dolorosa. Daneben war er in den 1930er-Jahren auch für die Koninklijke Nederlandse Schouwburg (KNS) in Antwerpen tätig, für die er Bühnenmusik komponierte. Weiters dirigierte er beim 1925 von Freddy Grunzweig gegründeten Cercle musical juif sowie verschiedenen Gesangsvereinen in Antwerpen.

Im Zuge der deutschen Besatzung Antwerpens im Zweiten Weltkrieg musste sich Sternefeld, der jüdischer Herkunft war, versteckt halten und mit der Unterstützung von Freunden im Untergrund leben. Dennoch nahm er 1942 an der Beerdigung seines Lehrers Gilson in Brüssel teil. Ende 1943 wurde er zum dritten Mal verhaftet und in der Folge in der Dossin-Kaserne in Mechelen inhaftiert. Er verbrachte mehrere Monate in diesem Lager, kam jedoch wieder frei. In dieser Zeit entstand seine erste Sinfonie. Nach der Befreiung Antwerpens durch britische Truppen im September 1944 konnte er wieder an der Königlichen Flämischen Oper arbeiten, deren Chefdirigent er nunmehr wurde. 1948 wechselte er zum Sinfonieorchester des Belgischen Rundfunks (dem heutigen Orchestre symphonique de la RTBF) in Brüssel – zunächst als Assistenzdirigent, von 1957 bis 1970 dann als Chefdirigent –, wo er sich besonders für zeitgenössische belgische Musik einsetzte. Er fungierte international als Gastdirigent, zudem unterrichtete er von 1948 bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1970 Dirigieren am Antwerpener Konservatorium. 1969–1976 wirkte er als Direktor der nach der belgischen Königin Elisabeth benannten Chapelle musicale Reine Élisabeth, 1963–1980 war er Vorsitzender der Jury des Concours Reine Elisabeth. Seine Witwe stiftete später den Daniel-Sternefeld-Preis des Wettbewerbs. Seine letzten Lebensjahre widmete Sternefeld vor allem dem Komponieren. Daniel Sternefeld starb am 2. Juni 1986 in Uccle/Ukkel in der Region Brüssel-Hauptstadt und wurde auf dem Friedhof von Ixelles/Elsene bestattet.

Sternefeld war in erster Ehe mit der belgischen Harfenistin Suzanne De Backer (1904–1960) verheiratet. Nach deren Tod heiratete er die 1921 geborene Alice Chini. Sein Sohn aus der Ehe mit Suzanne De Backer ist der Harfenist Frank Sternefeld (1944).

Werke (Auswahl)

Bühne

  • Mater dolorosa. Oper in vier Bildern, Libretto: Willem Gijssels nach dem Märchen „Die Geschichte einer Mutter“ von Hans Christian Andersen (1934)
  • Pierlala. Ballett, Libretto: Joris Diels nach einer alten flämischen Legende (1937–1938)
  • Salve Antwerpia. Tanzstück nach einem choreographischen Konzept von Jeanne Brabants (1974–1976)
  • Heer Halewijn. Oratorisches Ballett nach der gleichnamigen mittelalterlichen Ballade (1978)

Orchester

  • Sinfonische Variationen (1928)
  • Symphonia femina (späte 1920er-Jahre)
  • Elegie: Paraphrase über das Kol Nidre für Klavier und Orchester (1931)
  • Sinfonie in C (1943)
  • Die Internationale. Orchesterfassung des sozialistischen Kampfliedes von Pierre Degeyter (1965)
  • Gesang und Tanz am Hof von Maria von Burgund (1976)
  • Het Hemelbed – Sechs Tänze ein wenig „retro“ (1979)
  • Festivitas populacia bruocsella (1979)
  • Salve Antwerpia (1979)
  • Rossiniazata. Suite nach Gioacchino Rossini (1981)
  • 2. Sinfonie „Bruegel“ (1982)
  • Waaier (1984)

Blasorchester

  • Variationen über „Bruder Jakob“ (1954)
  • Divertimento (1980)
  • Intrada und vier Variationen über zwei Volkslieder (1981)
  • Fünf niederländische Lieder des 16. und 17. Jahrhunderts (1985)

Kammerorchester

  • Flämische Volkslieder. Suite (1934)

Kammermusik

  • Kleine Burleske Nr. 1 für Flöte, Oboe, Klarinette und Fagott (1930)
  • Bläserquintett (1986)
  • Kleine Burleske Nr. 2 für Flöte, Oboe, Klarinette und Fagott (1986)

Instrument solo

  • Etude passacaglia für Harfe (1979)

Chor

  • A.B.V.V.-Marsch. Hymne der belgischen sozialistischen Gewerkschaft nach einem Text von Marcel Coole für gemischten Chor (1949)

Stimme und Harfe

  • Drei Stücke (1977)
    • Ghequetst ben ik van binnen (Ich bin innerlich verwundet)
    • Ik zag Cecilia komen (Ich sah Cecilia kommen)
    • ’k Kwam lestmael door een groene wei (Ich ging kürzlich durch eine grüne Wiese)

Einzelnachweise

  1. ↑ Mark Delaere: La „Symphonie en Ut“ (1943) de Daan Sternefeld : Lecture d‘une composition clandestine, in: Revue belge de Musicologie / Belgisch Tijdschrift voor Muziekwetenschap Vol. 69 2015, S. 145–157 (französisch)
  2. ↑ Jan Dewilde: Höflich-uitgave: Internationale : bewerking voor symfonisch orkest (1965), auf www.svm.be (flämisch)
  3. ↑ „Wiederentdeckte Musik untergetauchter jüdischer Komponisten erklingt erneut in Antwerpen, auf klassiek-centraal.be, 4. Juni 2025