Das Buch Daniel (engl. The Book of Daniel, 1971, dt.: 1974) ist ein Roman von E. L. Doctorow, der vom Rosenberg-Fall inspiriert wurde. Ethel und Julius Rosenberg wurden Anfang der 1950er Jahre beschuldigt, Geheimnisse zum Bau einer Atombombe an die Sowjets weitergegeben zu haben. Bei Doctorow tragen die beiden die Namen Paul und Rochelle Isaacson. Erzählt wird die Geschichte in den späten 1960er Jahren von Daniel, dem älteren Sohn der beiden, der sich um seine jüngere Schwester Susan sorgt.
Nach einem Selbstmordversuch seiner Schwester Susan rekonstruiert Daniel die Geschichte seiner Eltern und seiner Kindheit. Dabei erfolgen häufige Wechsel der Erzählperspektive und werden häufig Rückblenden eingesetzt. So wird sowohl die Atmosphäre der 50er Jahre/McCarthy-Ära, als auch der 60er Jahre mit ihrer Protestkultur vermittelt. Nachdem die Eltern inhaftiert wurden, wachsen die Kinder bei dem Ehepaar Lewin auf. Susan ist dabei diejenige von beiden, die sich stark politisch engagiert und am Zustand der Welt zu verzweifeln droht. Daniel dagegen verweigert sich lange Zeit der Auseinandersetzung mit seinen Eltern und den politischen Begleitumständen. Als Rahmenhandlung erlebt man Daniel in einer Bibliothek, dort endet der Roman mit einigen Zeilen aus dem biblischen Buch Daniel.
Das Buch besteht aus vier Teilen.
Der Roman wurde 1983 von Sidney Lumet unter dem Titel Daniel verfilmt.
Der Schriftsteller Daniel Kehlmann, der von sich behauptet, dass er durch Doctorows Roman Billy Bathgate begriffen habe, was die Stimme eines Romanes sei, schrieb in einem Artikel für die Frankfurter Allgemeine Zeitung über E. L. Doctorow und den unterschiedlichen Sprachstil seiner Romane:
„Man kann die Charaktere eines Buches uninteressant finden und doch dessen Stimme lieben, ebenso wie man gepackt sein kann von Geschichte und Figuren, ohne doch Gefallen an der Stimme zu finden, und wenn das geschieht, hat der Autor versagt. Wer diesen geheimnisvollsten Aspekt der Kunst des Romans erforschen will, kann kein besseres Studienobjekt finden als die Bücher E. L. Doctorows, deren jedes, bei allem Zusammenhang der Themen und Motive, von einem neuen Schriftsteller verfasst scheint. Der Billy-Bathgate-Ton, im Pendelschlag seiner langen, langen Sätze, ist ganz anders als der Ton des unverlässlichen, weil persönlich zutiefst beteiligten Erzählers Daniel Isaacson in „Das Buch Daniel“, des mit seiner Angst kämpfenden Sheriffs von „Welcome to Hard Times“ oder des sonderbar allwissenden Historikers von „Ragtime“. Gute Literatur entsteht aus Sparsamkeit der Mittel, große aber aus der Verschwendung. Sie erweckt den Anschein, als wäre alles leicht und der Phantasie wären keine Grenzen gesetzt.“