Datenübertragung

Die Datenübertragung (englisch data transmission), auch Datentransfer oder Informationsübertragung, ist in der Informationstechnologie die Übermittlung von Daten zwischen einem Absender und einem räumlich davon entfernten Empfänger. Die Übertragung erfolgt elektronisch über Leitungen oder Funkverbindungen. Wenn Informationen über längere Distanzen übertragen werden, spricht man von Datenfernübertragung (DFÜ).

Allgemeines

Die physikalischen Transportwege können Leitungsnetze (Kabelgebunden: Kupferkabel, Koaxialkabel, Lichtwellenleiter) oder Funknetze oder Mobilfunk sein. Im weiteren Sinne erfasst der Begriff sowohl die analoge als auch die digitale Datenübertragung. Im engeren Sinne wird Datenübertragung auf den Abschnitt zwischen den Schnittstellen einer mit Datenübertragungseinrichtungen abgeschlossenen Datenverbindung bezogen. Datenübertragung wird anhand des OSI-Modells beschrieben.

Speziell auf der technischen Ebene – und hier insbesondere in der Kommunikationstechnik und (als deren Teilgebiet) der Nachrichtentechnik und Hochfrequenztechnik – wird dazu vom Sender eine physikalische Größe (bspw. elektrische Spannung oder die Frequenz von elektromagnetischen Wellen) zeitlich variiert und dies dann vom Empfänger gemessen (Basisbandübertragung sowie Trägerfrequenzverfahren). Im Falle der Computertechnologie spricht man von der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) bzw. nur Informationstechnik (IT).

Datenübertragungssystem

Datenübertragung zwischen zwei Datenstationen

Das grundsätzliche Datenübertragungssystem wird durch (mindestens) zwei Datenstationen (engl. Terminals) gebildet die durch einen Übertragungsweg miteinander verbunden sind. Wie es bereits 1966 in der DIN 44302 beschrieben wurde, hat bis heute Bestand. Die deutschen Begrifflichkeiten sind allerdings im Allgemeinen immer ungebräuchlicher geworden, obwohl sie in der Fachliteratur weiterhin verwendet werden.

Bestandteile und Funktion eines (digitalen) Datenübertragungssystems

Schematische Einteilung der Datenstation nach DIN 44302 (1966)

Jede Datenstation besteht nach DIN 44302 aus

Diese Aufteilung in zwei Geräte, nämlich in Datenendeinrichtung und Datenübertragungseinrichtung, stammt ursprünglich aus der Zeit, als die Kommunikationsnetze noch überwiegend in der Hand von staatlichen Postverwaltungen waren. In der Regel reichte ihr Hoheitsbereich bis zur Schnittstelle (DIN 66020 und DIN 66021) zwischen ihnen, die DÜE war ein eigenes Gerät, das gemietet werden musste. Die DEE arbeitet mit Signalformen und -spannungen, die nicht zur Übertragung auf Fernleitungen geeignet sind. Es ist Aufgabe der DÜE, die Umformung in Signale vorzunehmen, die für eine Übertragung auf Fernleitungen geeignet sind. Die Aufgaben der Schnittstellen ergeben sich aus dem jeweiligen Übertragungsverfahren. Nach der Aufhebung der Telekommunikationsmonopole war diese Aufteilung von DEE und DÜE auf verschiedene Geräte unnötig. Heute sind DEE und DÜE nur noch funktionelle Trennungen, die Funktionen können aber in einem einzigen Gerät vereint sein.

Die Datenendeinrichtung ist ein Gerät, das

kann. Die DEE verfügt über eine standardisierte Schnittstelle, die mit einer Datenübertragungseinrichtung verbunden werden kann. Eine periphere Datenendeinrichtung wird Datenendgerät oder Terminal genannt. Typische Datenendeinrichtungen sind Bildschirme, Drucker, Datenkassen, Geldausgabeautomaten usw. Im Regelfall ist bei jedem Datenübertragungssystem mindestens eine der beteiligten Datenendeinrichtungen ein Rechner. Sind mindestens zwei Datenendeinrichtungen Rechner, liegt ein Rechnernetz vor.

Die Datenübertragungseinrichtung (Beispiel: Modem) besteht aus

  • dem Signalumsetzer und
  • der Anschalteinheit,
  • ggf. Fehlerüberwachungseinheit (geräteabhängig),
  • ggf. Synchronisiereinheit (geräteabhängig).

Die Aufgabe der DÜE ist die Anpassung der von der Datenendeinrichtung abgegebenen Signale an den Übertragungsweg. Jede dieser Einheiten kann mit einem Sendeteil und einem Empfangsteil ausgestattet sein. Ist zum Verbindungsaufbau eine automatische Wähleinrichtung vorhanden, so ist diese Teil der Datenübertragungseinrichtung.

Der Signalumsetzer (englisch Signal Converter) bringt die von der DEE angelieferten Datensignale in eine für die Übertragung geeignete Form und/oder bringt die von der Übertragungsleitung empfangenen Datensignale in die für die Schnittstelle vorgeschriebene Form. Bei leitungsorientierten Wählnetzen können DÜE auch vermittlungstechnische Aufgaben übernehmen.

Geschichte

Arten

Die verschiedenen Arten der Datenübertragung hängen davon ab, ob die verwendete Datentechnik, Synchronität, die Kommunikationsform oder die Art des Übertragungskanals gemeint sind:

Datentechnik

Synchronität

Kommunikationsform

Übertragungsleitung

Datenübertragung im Internet

Bei der Datenübertragung über das Internet zerlegt das Transmission Control Protocol (TCP) eine zu versendende Datei in einzelne kleinere Datenpakete und versendet diese getrennt voneinander über das Internet. Dabei kann ein Datenpaket verschiedene Knotenpunkte im Internet (wie Hostrechner, Server) durchlaufen, weil an jedem Knotenpunkt der optimale Weg für das Paket neu bestimmt wird. Da unterwegs die ursprüngliche Reihenfolge nicht eingehalten werden muss, hat das TCP auch die Aufgabe, die ursprüngliche Reihenfolge beim empfangenden Endgerät wiederherzustellen. Das Internet Protocol (IP) regelt die korrekte Adressierung der Datenpakete, damit die im Internet angeschlossenen Computer eindeutig identifiziert werden können.

Die Geschwindigkeit, mit der die Datenübertragung erfolgt, heißt Datenübertragungsrate. Ihre Maßeinheit ist Bits pro Sekunde (Bit/s, Kbit/s, Mbit/s, Gbit/s oder Tbit/s).

Datenübermittlung

Datenübermittlung wird als Rechtsbegriff im Datenschutzrecht verwendet. In der DS-GVO findet sich keine Legaldefinition, ebenso wenig wie im BDSG 2017. In Deutschland verstand man hierunter nach § 3 Abs. 4 Nr. 3 BDSG (in der nicht mehr gültigen Fassung von 1990) „das Bekanntgeben gespeicherter oder durch Datenverarbeitung gewonnener personenbezogener Daten an einen Dritten in der Weise, dass die Daten an den Dritten weitergegeben werden oder der Dritte zur Einsicht oder zum Abruf bereitgehaltene Daten einsieht oder abruft“. Die Datenübermittlung fällt heute unter den Oberbegriff der Datenverarbeitung.

Ist der Empfänger außerhalb der Europäischen Union (EU) oder des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR) lokalisiert, gilt es, besondere Schutzmaßnahmen einzuhalten laut Art. 44 ff. DS-GVO, §§ 78 ff BDSG (für deutsche Polizei- und Justizbehörden) und der Verordnung (EU) Nr. 2018/1725 für Institutionen der Europäischen Union.

Abgrenzung

Der Datenaustausch und elektronischer Datenaustausch ist die Weiterleitung von Daten zwischen Organisationen und Unternehmen, die im Verbund zueinander stehen, in standardisierter Form. Beispielsweise sind im Zahlungsverkehr die Geschäftsbanken über das DTA-Verfahren mit der Bundesbank verbunden. Er ist diskretionär, weil nur zum Verfahren zugelassene Kreditinstitute hieran teilnehmen dürfen; das gilt entsprechend für alle Verbundgruppen.

Siehe auch

Literatur

20. Jahrhundert

21. Jahrhundert

Wiktionary: Datenübertragung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Datenübertragung. In: Spektrum Akademischer Verlag (Hrsg.): Lexikon der Physik. Heidelberg 1998 (Online [abgerufen am 26. Juni 2026]).
  2. 1 2 Hans-Jochen Schneider: Lexikon Informatik und Datenverarbeitung. Walter de Gruyter GmbH & Co KG, 2015, ISBN 978-3-486-79552-3 (Online [abgerufen am 26. Juni 2026]).
  3. ↑ DIN 44302 Datenübertragung - Begriffe. In: itit. Band 8, Nr. 1-6, Dezember 1966, ISSN 2196-7032, S. 244–246, doi:10.1524/itit.1966.8.16.244 (Online [abgerufen am 26. Juni 2026]).
  4. ↑ Hermann Weidenfeller, Grundlagen der Kommunikationstechnik, 2002, S. 419
  5. ↑ Hans-Bredow-Institut (Hrsg.), Medien von A bis Z, 2006, S. 95
  6. ↑ Manfred Braun: Gabler Kompakt Lexikon EDV und Informatik: 2000 Begriffe nachschlagen — verstehen — anwenden. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-322-84132-2 (Online [abgerufen am 26. Juni 2026]).
  7. ↑ Manfred Braun, Gabler Kompakt Lexikon EDV und Informatik, 1993, S. 9
  8. ↑ Lutz J. Heinrich, Armin Heinzl, Friedrich Roithmayr: Wirtschaftsinformatik-Lexikon. Walter de Gruyter GmbH & Co KG, 2014, ISBN 978-3-486-81590-0 (Online [abgerufen am 26. Juni 2026]).
  9. ↑ Siegfried G. Häberle, Das neue Lexikon der Betriebswirtschaftslehre, 2008, S. 1247 f.
  10. ↑ Siegfried G. Häberle, Das neue Lexikon der Betriebswirtschaftslehre, 2008, S. 1248
  11. ↑ Verordnung (EU) 2018/1725
  12. ↑ Glossar: Datenübermittlung | NOTOS Xperts GmbH. Abgerufen am 26. August 2020 (deutsch).