David H. Lorence

David Harold Lorence (* 16. Dezember 1946 in Racine, Wisconsin), häufig als David H. Lorence zitiert, ist ein US-amerikanischer Botaniker. Er war langjährig am National Tropical Botanical Garden (NTBG) auf Kauaʻi tätig und befasst sich insbesondere mit der Systematik, Taxonomie und Floristik tropischer Pflanzen, vor allem im pazifischen Raum. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die Familien der Rötegewächse (Rubiaceae) und der Monimiengewächse (Monimiaceae). Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Lorence“.

Leben und Wirken

Lorence schrieb sich 1965 für ein Botanikstudium an der University of Wisconsin–Madison ein, wo er 1970 den Bachelor of Arts erwarb. Von 1970 bis 1976 war er als Freiwilliger des Peace Corps auf Mauritius tätig. Zunächst arbeitete er von 1970 bis 1971 im Landwirtschaftsministerium, anschließend von 1971 bis 1976 am Mauritius Herbarium des Mauritius Sugar Industry Research Institute (MSIRI) in Réduit. 1980 wurde er mit der Dissertation A systematic and eco-evolutionary study of the Monimiaceae in the Malgasy region an der Washington University in St. Louis im Fach Pflanzenbiologie zum Ph.D. promoviert, für die er 1986 mit dem Jesse M. Greenman Award ausgezeichnet wurde.

Von 1980 bis 1987 arbeitete Lorence am Herbario Nacional der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko (UNAM) in Mexiko-Stadt. Dort war er zunächst von 1980 bis 1984 Assistenzkurator und anschließend von 1984 bis 1987 stellvertretender Kurator. Parallel dazu war er an der Fakultät für Naturwissenschaften der Universität als Hochschullehrer tätig und betreute wissenschaftliche Abschlussarbeiten. Während dieser Zeit beschäftigte er sich unter anderem mit der botanischen Erforschung des mexikanischen Bundesstaates Oaxaca sowie mit der Untersuchung und fotografischen Dokumentation von Typusbelegen mexikanischer und mittelamerikanischer Rubiaceae und Monimiaceae.

1987 wechselte Lorence an den National Tropical Botanical Garden auf der hawaiischen Insel Kauaʻi. Dort war er zunächst als Systematischer Botaniker und Kurator des Herbariums tätig. Von 1994 bis 1996 leitete er die Forschungsabteilung, von 1996 bis 2002 war er leitender Forschungsbotaniker und Kurator des Herbariums. Von 2002 bis 2013 amtierte er als Direktor für Wissenschaft und Forschung sowie als Kurator des Herbariums. 2013 und 2014 war er Co-Direktor der Abteilung; ab 2014 führte er sie als Direktor für Wissenschaft und Naturschutz. Nach der Ernennung einer Nachfolgerin im Jahr 2019 blieb Lorence am NTBG und setzte seine Arbeit als leitender Forschungsbotaniker fort. Seine Forschung konzentrierte sich weiterhin auf die Floristik, Taxonomie und Systematik der Pflanzen pazifischer Inseln.

Forschung

Lorences botanische Feldforschung führte ihn in zahlreiche tropische und subtropische Regionen. Zu seinen Arbeitsgebieten gehörten die Maskarenen (Mauritius, Réunion, Rodrigues), Madagaskar, die Seychellen und die Komoren sowie Mexiko, die Hawaii-Inseln, die Marquesas-Inseln, Australien, Mikronesien, Neukaledonien, Samoa und weitere Inselgruppen des Pazifiks. Weitere Forschungsaufenthalte waren unter anderem in Costa Rica, den südöstlichen Vereinigten Staaten, Singapur, auf den Kanarischen Inseln, in Peru, Griechenland, Malaysia und Indonesien.

Ein Schwerpunkt seiner späteren Arbeit lag auf der Erforschung der Flora pazifischer Inseln. Dazu gehörten floristische Untersuchungen und die Erstellung von Pflanzenverzeichnissen für Inseln und Inselgruppen in Mikronesien, darunter Palau, Pohnpei und Kosrae. Gemeinsam mit anderen Botanikern arbeitete er außerdem an der Erforschung und Dokumentation der Flora der Marquesas-Inseln und Samoas.

In den Jahren 2015 und 2016 führte Lorence botanische Untersuchungen auf den samoanischen Inseln Upolu und Savaiʻi durch. Die Forschungsarbeiten dienten unter anderem dazu, verschollen geglaubte Pflanzenarten wiederzufinden, ihren Bestand zu dokumentieren und ihre Gefährdung für die Bewertung auf der Roten Liste der IUCN zu untersuchen. Für die botanische Erforschung Samoas erhielt das Projekt Fördermittel der National Geographic Society sowie des Mohamed bin Zayed Species Conservation Fund.

Zu Lorences wissenschaftlichen Arbeiten zählen Untersuchungen zur Systematik und Taxonomie der Rubiaceae und Monimiaceae sowie zur Farnflora tropischer Inselregionen. Er war an der Beschreibung neuer Pflanzengattungen beteiligt, darunter Kanaloa und Glossostipula. Darüber hinaus wirkte er an floristischen Bestandsaufnahmen und Veröffentlichungen zur Pflanzenwelt Hawaiis und der pazifischen Inseln mit. Seit 1988 ist er Herausgeber der botanischen Schriftenreihe Allertonia des National Tropical Botanical Garden.

Auszeichnungen und Mitgliedschaften

2017 wurde Lorence der Robert Allerton Award for Excellence in Tropical Botany and Horticulture verliehen. Er ist seit 1979 Fellow der Linnean Society of London. Zudem gehörte er seit 1999 dem Vorstand der Heliconia Society International an und übernahm dort 2004 das Amt des Schatzmeisters.

Dedikationsnamen

Mehrere Pflanzentaxa wurden nach Lorence benannt. Dazu zählen die Gattung Lorencea sowie die Arten Ctenitis lorencei, Cylindrocline lorencei, Labordia lorenceana, Mexotis lorencei, Pandanus lorencei, Psychotria lorenciana und Trichomanes lorencei.

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 Curriculum Vitae: David Harold Lorence. (PDF) National Tropical Botanical Garden, 2018, abgerufen am 3. November 2026.
  2. 1 2 Laurence J. Dorr: Plant Collectors in Madagascar and the Comoro Islands: A Biographical and Bibliographical Guide to Individuals and Groups who Have Collected Herbarium Material of Algae, Bryophytes, Fungi, Lichens, and Vascular Plants in Madagascar and the Comoro Islands. Royal Botanic Gardens, Kew 1997, ISBN 1-900347-18-0, S. 276.
  3. ↑ National Tropical Botanical Garden names new Director of Science and Conservation. National Tropical Botanical Garden, 9. August 2019, abgerufen am 3. November 2026.