David Magnusson

David Magnusson (* 5. September 1925 in Nässjö; † 4. September 2017 in Lidingö) war ein schwedischer Psychologe und emeritierter Professor für Psychologie der Universität Stockholm; er war Direktor des Psychologischen Instituts der Universität in Stockholm, Mitglied des Präsidiums der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften und des Präsidiums des Nobelkomitees.

Leben

Er wurde auf einem kleinen Bauernhof im südlichen Hochland Schwedens als zweites von fünf Kindern geboren. Nach dem Besuch der Dorfschule und der örtlichen weiterführende Schule bewarb er sich für ein College for Elementary School Teachers. Nach vier Jahren Studium und einem Abschluss als Lehrer arbeitete er sechs Jahre als Grundschullehrer. Danach ging er nach Stockholm, um an einer Klinik für verhaltensauffällige Kinder und ein weiteres Jahr als Schulpsychologe zu arbeiten. Von 1955 bis 1958 wechselte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Universität Stockholm. Anschließend begann er sein Psychologiestudium und promovierte hier 1959 mit einer Arbeit über den Thematischen Apperzeptionstest (TAT). Seine wissenschaftliche Laufbahn nahm eine Wendung, als ihm der schwedische Forschungsrat 1963 eine Reise in die USA finanzierte. Dort begegnete er einer völlig anderen wissenschaftlichen Welt und er hatte die Gelegenheit, einige bedeutende Wissenschaftler kennenzulernen und sich mit ihnen auszutauschen. Von 1965 bis 1969 hatte er eine Position als außerordentlicher Professor inne. 1969 wurde er auf den Olof-Eneroth-Lehrstuhl für Psychologie an der Universität Stockholm berufen. Diese Position bekleidete er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1992. Seit 1993 war er Professor Emeritus.

Werk

Eines seiner ersten Werke war ein Buch über Testtheorie. Dieses entstand aus seinen Vorlesungsvorbereitungen und wurde zu einem Standardlehrbuch in mehreren Sprachen.

Anfang der 1960er-Jahre veröffentlichte er eine Reihe von Studien zum situativen Interaktionismus, die den Ausgangspunkt für die Entwicklung seines holistisch-interaktionistischen Modells in seiner psychologischen Forschung bildeten. Wesentlich dafür ist die Verbindung dieses Holismus mit dem Interaktionismus. Das heißt, obwohl der Mensch als integriertes, unteilbares Ganzes betrachtet werden muss, ist zu berücksichtigen, dass er in ständiger Interaktion mit seiner Umwelt steht und aus einer Reihe verschiedener Systeme besteht, die auf unterschiedlichen Ebenen interagieren. Er ergänzte dies um eine entwicklungspsychologische Perspektive, die den Fokus darauf legt, wie sich der Mensch in einem transaktionalen, nicht additiven Prozess verändert. Dabei genügt es nicht, Variablen isoliert zu betrachten; vielmehr müssen die Auswirkungen einzelner Variablen im Kontext anderer, gleichzeitig wirkender Faktoren gesehen werden. Eine weitere wichtige Konsequenz dieses holistisch-interaktionistischen Rahmens ist, dass Entwicklungsprozesse notwendigerweise idiosynkratisch sind und auf individueller Ebene untersucht werden müssen. Er plädierte daher für ein personenzentriertes Vorgehen als Alternative zum traditionellen variablenzentrierten Ansatz in der empirischen psychologischen Forschung, das auf Erkenntnisse über interne Muster innerhalb der einzelnen Person abzielt.

Er initiierte auch in den 1960er Jahren das umfangreiche Längsschnittforschungsprogramm „Individuelle Entwicklung und Anpassung“ (IDA). Zwei ganze Schuljahrgänge in der schwedischen Stadt Örebro wurden untersucht und bis ins Erwachsenenalter begleitet. Der theoretische Rahmen bestand darin, das Kind als funktionelle Einheit zu betrachten, die im Rahmen ihrer Erziehung in verschiedenen Aspekten gleichzeitig untersucht werden musste, um die Entwicklungsprozesse hinter guter oder schlechter Anpassung (Kriminalitätsentwicklung) zu verstehen. Er leitete IDA über 30 Jahre lang bis 1996.

Ehrungen/Positionen

Privates

Er verstarb im Alter von 91, einen Tag vor seinem 92. Geburtstag.

Publikationen (Auswahl)

Monografien
Herausgeberschaften
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ David Magnusson auf Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 26. November 2025.
  2. ↑ David Magnusson auf Academia Europaea, abgerufen am 26. November 2025.
Personendaten
NAME Magnusson, David
KURZBESCHREIBUNG schwedischer Psychologe und Professor
GEBURTSDATUM 5. September 1925
GEBURTSORT Nässjö
STERBEDATUM 4. September 2017
STERBEORT Lidingö