17. Juni: Das Genfer Protokoll zur Ächtung von chemischen und biologischen Waffen wird von 36 Nationen unterzeichnet. Der völkerrechtliche Vertrag verbietet den Gebrauch chemischer und biologischer Waffen, enthält allerdings keine Vorgaben zu deren Entwicklung, Herstellung und Lagerung. Er tritt am 8. Februar 1928 in Kraft.
Der Handelsvertrag zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion vom 12. Oktober 1925 dient der Absicht, die Handelsbeziehungen mit dem Ziel eines reibungslosen Warenverkehrs zu fördern und orientiert an wirtschaftlichen Gesichtspunkten beim Güteraustausch zu einem Stand entsprechend der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg aufzuschließen.
4. Januar: Adolf Hitler verspricht Bayerns Ministerpräsidenten Heinrich Held, er werde nur noch auf legale Weise Politik machen und der Regierung im Kampf gegen den Kommunismus helfen. Daraufhin hebt Held das NSDAP-Verbot zum 16. Februar auf.
27. Februar: Im Münchner Bürgerbräukeller wird die NSDAP neu gegründet und deutschlandweit organisiert. Adolf Hitler hat seinen ersten Auftritt nach seiner Haft. Er appelliert an die Einigkeit der völkischen Bewegung im Kampf gegen Judentum und Marxismus, nicht gegen den in Bayern starken Katholizismus. Damit grenzt er sich gegen Erich Ludendorff ab, der den Vorsitz der Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung am 12. Februar niederlegt und so deren Auflösung einleitet. Hitler erreicht, dass die während des NSDAP-Verbots entstandenen konkurrierenden Splittergruppen Großdeutsche Volksgemeinschaft, Deutsche Partei, Völkisch-Sozialer Block und die Deutschvölkische Freiheitspartei wieder oder neu in die NSDAP eintreten. Die neu organisierte SA lässt er nur noch als Hilfstruppe der NSDAP, nicht mehr als eigenständige paramilitärische Organisation zu, sodass Ernst Röhm ihre Führung ebenso wie die des Frontbanns am 1. Mai abgibt.
Trauerzug für den verstorbenen Friedrich Ebert
28. Februar: Friedrich Ebert, Reichspräsident der Weimarer Republik, stirbt überraschend an einer durch eine Appendixperforation verursachten Peritonitis. Er hat die Behandlung hinausgezögert, um sich in Magdeburg in zweiter Instanz gerichtlich gegen Verleumdungen von deutschvölkischer, republikfeindlicher Seite zur Wehr zu setzen. Die Trauerfeierlichkeiten finden deutschlandweit am 4. und 5. März statt.
7. April: Hitler stellt ein Ersuchen um Entlassung aus der österreichischen Staatsangehörigkeit, dem am 30. April gegen eine Gebühr von 7,50 Schilling stattgegeben wird. Ab diesem Zeitpunkt lebt er als Staatenloser in Deutschland. Bis 1932 folgen zahlreiche vergebliche Versuche Hitlers, die deutsche Staatsangehörigkeit zu erlangen.
Hindenburgbüste auf einem Lastwagen als Wahlpropaganda
Ergebnis des zweiten Wahlgangs
26. April: Der im ersten Wahlgang nicht angetretene Monarchist Paul von Hindenburg wird im zweiten Wahlgang gegen den Zentrums-Kandidaten Wilhelm Marx zum Reichspräsidenten gewählt, u.a. auch mit den Stimmen der Mitte-Parteien DVP und BVP. Am 12. Mai wird er vereidigt.
18. Juli: Adolf Hitler veröffentlicht im Franz-Eher-Verlag den ersten Band seines Buches Mein Kampf. Die politisch-ideologische Programmschrift enthält seine stark stilisierte Autobiografie, die seinen Werdegang als Politiker und die Entwicklung seiner Weltanschauung schildert, ist aber in der Hauptsache eine wenig faktenbasierte Kampf- und Propagandaschrift, die dem Neuaufbau der NSDAP als zentral gelenkter Partei unter seiner Führung dienen soll.
17. bis 19. Oktober: Der Kyffhäuserbund führt den ersten deutschen Reichskriegertag in Leipzig durch.
29. Oktober: Die Vereinbarungen der Verträge von Locarno führen zu einer Regierungskrise im Kabinett Luther I. Die Deutschnationale Volkspartei tritt aus der Regierungskoalition aus. Hans Luther bildet eine bürgerliche Minderheitsregierung und kündigt an, nach der Unterzeichnung der Verträge zurückzutreten.
4. November: Hitlers erste Rede in Braunschweig. In Bayern, Hamburg und Preußen sind Hitlerreden verboten.
30. November: Die Besatzungsmächte beginnen, die „Kölner Zone“ im besetzten Rheinland zu räumen.
5. Dezember: Die Verträge von Locarno werden mit den Stimmen der Regierungsparteien und der SPD ratifiziert. Das Kabinett Luther tritt im Anschluss wie angekündigt zurück.
3. Januar: Benito Mussolini übernimmt in einer Rede vor dem Abgeordnetenhaus die volle „moralische, politische und historische Verantwortung“ für den Mord an Giacomo Matteotti im Vorjahr, ohne jedoch eine direkte Verbindung zu erwähnen. Der Aufforderung, ihn für das Verbrechen anzuklagen, kommen seine Gegner aufgrund der Aussichtslosigkeit eines solchen Unterfangens nicht nach. Noch am selben Tag weisen Mussolini und Innenminister Luigi Federzoni die Präfekten an, politische Versammlungen und Demonstrationen fortan zu unterbinden und aktiv gegen alle „die Macht des Staates untergrabenden“ Organisationen vorzugehen. Den Abgeordneten der Oppositionsparteien wird die Rückkehr in die Kammer, die bis dahin zumindest theoretisch möglich gewesen wäre, von diesem Tag an verweigert. Die Pressezensur wird nach einer Verordnung vom 10. Januar noch strenger als zuvor gehandhabt; während die Presseorgane der politischen Linken schrittweise in den Untergrund gedrängt werden, entlassen die großen liberalen Zeitungen im Laufe des Jahres die wenigen oppositionellen Redakteure, bevor im Dezember ein repressives Pressegesetz in Kraft tritt.
4. November: Tito Zaniboni wird bei den Vorbereitungen zu einem Attentat auf Benito Mussolini verhaftet. Der Partito Socialista Unitario, dem Zaniboni angehört, wird daraufhin verboten.
Persönliche Flagge Mussolinis als diktatorischer Capo del governo
Am 24. Dezember beseitigt ein Gesetz über die „Kompetenzen und Vorrechte des Regierungschefs“ die formal noch immer bestehende Abhängigkeit der Regierung vom Parlament. Als Capo del Governo vertritt Mussolini die Regierung nun allein gegenüber dem König, ist ausschließlich diesem verantwortlich und hat das Recht, Gesetze zu dekretieren, über die die Abgeordneten lediglich noch „diskutieren“ können.
Portugal
11. Februar: Die Regierung unter Ministerpräsident José Domingues dos Santos, die erst seit November im Amt ist, wird durch ein Misstrauensvotum gestürzt und muss vier Tage später zurücktreten. Neuer Ministerpräsident wird Vitorino de Carvalho Guimarães, bleibt aber auch nur rund vier Monate im Amt.
18. April: Ein Putschversuch von Teilen der Armee unter Sinel de Cordes scheitert.
António Maria da Silva
1. Juli: António Maria da Silva wird Ministerpräsident Portugals und gleichzeitig Kriegsminister.
11. Dezember: Staatspräsident Manuel Teixeira Gomes muss wegen einer von da Silva geführten Diffamierungskampagne gegen ihn zurücktreten und verlässt am nächsten Tag das Land. Sein Nachfolger ist Bernardino Machado. Die Republik befindet sich zu diesem Zeitpunkt bereits in Auflösung. Die Parteienlandschaft zersplittert immer mehr.
24. Februar: Die türkische Regierung verhängt das Kriegsrecht.
27. Februar: Die türkische Armee beginnt mit Luftangriffen und einer großen Bodenoffensive den kurdischen Scheich-Said-Aufstand zu bekämpfen. Auf Seiten des türkischen Staates kämpfen auch drei alevitische Kurdenstämme gegen den Aufstand. Hintergrund sind alte Stammesrivalitäten mit dem sunnitischen Stamm der Cibran, der auf Seiten der Aufständischen kämpft.
2. März: Fethi Okyar tritt als türkischer Ministerpräsident zurück. Sein Nachfolger wird der als Hardliner bekannte İsmet İnönü.
Türkische Soldaten umzingeln das aufständische Gebiet. Zeichnung aus der Cumhuriyet vom 30. März 1925.
4. März: Takrir-i Sükûn Kanunu, das Gesetz zur Sicherung der öffentlichen Ruhe, gibt der türkischen Regierung außergewöhnliche Machtbefugnisse gegen den Aufstand. Das Gesetz führt im Parlament zu heftigen Diskussionen zwischen der von der Cumhuriyet Halk Fırkası (CHF) gestellten Regierung und der Oppositionspartei Terakkiperver Cumhuriyet Fırkası (TCF). Die im Türkischen Befreiungskrieg gegründeten Unabhängigkeitsgerichte werden wieder eingesetzt und dazu benutzt Aufständische und andere „unliebsame“ Personen im Schnellverfahren zu verurteilen. Das Gesetz sieht unter anderem auch hohe Strafen und Verbote für subversive Publikationen in der Presse vor. Im April werden bis auf zwei CHF-nahe Zeitungen alle Zeitungen verboten. Die Terakkiperver Cumhuriyet Fırkası wird zwei Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes wegen angeblicher Verbindungen zu den Aufständischen verboten.
Am 27. April gerät Scheich Said mit 47 Mitkämpfern in seinem Hauptquartier in Genç in Gefangenschaft und wird durch ein türkisches Unabhängigkeitsgericht zum Tode verurteilt und am 29. Juni gehängt. Tausende weniger einflussreiche Kurden werden ohne Gerichtsverfahren getötet und die Bevölkerung ganzer Distrikte wird deportiert.
3. Juni: Nicht einmal ein Jahr nach ihrer Gründung wird die einzige Oppositionspartei Terakkiperver Cumhuriyet Fırkası verboten.
Mustafa Kemal Atatürk mit Hut 1925
25. November: Die Große Nationalversammlung der Türkei stimmt dem Hutgesetz zu. Das Gesetz legt für die männliche Bevölkerung der Türkei als erlaubte Kopfbedeckung den Hut fest und untersagte das Tragen der orientalischen Kopfbedeckungen, zum Beispiel des Fes. Für einen Teil der Staatsbediensteten wird hierdurch das Tragen der neuen „nationalen Kopfbedeckung“ Pflicht. Das Gesetz tritt am 28. November in Kraft. Auch die Uniformen des Militärs werden neu geregelt.
21. Januar: Ahmet Zogu, der Ende des Vorjahres durch einen Putsch mit jugoslawischer Unterstützung die demokratische Regierung unter Fan Noli gestürzt hat, lässt Albanien zur „Republik nach amerikanischem Vorbild“ erklären. Am 31. Dezember wird er vom Parlament zum Präsidenten gewählt. Eine parlamentarische Opposition wird nicht zugelassen.
Die Kathedrale Sweta Nedelja nach dem Anschlag von 16. April
16. April: Bulgarische Kommunisten üben einen Bombenanschlag auf die Kathedrale Sweta Nedelja in der bulgarischen Hauptstadt Sofia aus, mehr als 120 Menschen sterben, darunter hochrangige Politiker und Militärs, rund 500 Personen werden verletzt. Ziel des Attentats ist die Beseitigung der führenden bulgarischen Politiker und Generäle mit einem Schlag, um eine Übernahme der Macht durch die Kommunisten vorzubereiten. Durch Zufall überleben alle Mitglieder der Regierung. Auf Zar BorisIII. ist bereits am 14. April ein erfolgloser Mordanschlag am Botewgradpass verübt worden. Die bulgarische Regierung unter Aleksandar Zankow, deren Mitglieder durch einen Zufall überleben, ruft am gleichen Abend das Kriegsrecht aus. In den folgenden zwei Wochen werden hunderte Personen ohne richterlichen Beschluss und Urteil ermordet, darunter der Poet Geo Milew. Weiters werden mehrere Todesurteile verhängt. Das Kriegsrecht wird am 24. Oktober wieder aufgehoben.
7. Juli: 400 Jahre nach der Zerstörung der Stadt in Folge des Schladminger Bauern- und Knappenaufstandes erhält der steiermärkische Ort Schladming durch Beschluss der Bundesregierung die Stadtrechte wieder verliehen. Der Beschluss tritt am 20. Juli in Kraft und wird am 2. August mit einem Festakt feierlich begangen.
Nachdem Benito Mussolini am 10. Juli dem faschistischen Gouverneur von Italienisch-Somaliland, Cesare Maria De Vecchi grünes Licht für eine Offensive gegeben hat, beginnt dieser im Oktober mit 12.000 Soldaten eine Offensive gegen das Sultanat der Hobyo unter Sultan Yusuf Ali. Es wurde innerhalb eines Monats bei minimalem Widerstand überrannt.
Vereinigte Staaten von Amerika
President Coolidge (l.) mit seiner Frau auf dem Weg zur Vereidigung
9. Juli: In Ecuador beginnt die Julirevolution durch die Bildung der sozialistisch geprägten Liga de Militares Jóvenes, einer Militärjunta, die am 11. Juli in Quito den regierenden Präsidenten Gonzalo Córdova unblutig, aber unter militärischer Drohung absetzt. Die neue Regierung strebt zunächst an, unter anderem durch sogenannte „Volkstribunale“ den Einfluss bisheriger „Oligarchen“ wie General Leonidas Plaza Gutiérrez zu beenden. Die Volkstribunale werden allerdings bald wegen Kompetenzmissbrauchs wieder abgeschafft.
Iran
31. März: Das iranische Parlament beschließt ein Gesetz zur Einführung eines korrigierten iranischen Kalenders, das am nächsten Tag in Kraft tritt. Die Monate, die bislang arabische oder türkische Benennungen hatten, tragen jetzt wieder die alten persischen Namen.
Am 5. Mai wird das Gesetz zu Identität und persönlichem Stand verabschiedet. Alle Iraner sind nun verpflichtet, einen Nachnamen zu führen und sich bei den neu geschaffenen Meldebehörden registrieren zu lassen und erhalten einen Personalausweis. Alle Kadscharentitel, auch jene, die als Namensbestandteil benutzt worden sind, werden ersatzlos gestrichen. Premierminister Reza Chan selbst legt seinen bis dahin als Namensbestandteil benutzten Titel Sardar Sepah ab und wählt den Nachnamen „Pahlavi“.
22. Mai: Es wird ein gesetzliches Zuckermonopol geschaffen. Auf Zucker wird eine Steuer erhoben, mit der der Bau der geplanten Transiranischen Eisenbahn finanziert werden soll.
8. Juni: Die allgemeine Wehrpflicht mit einem Wehrdienst von zwei Jahren wird eingeführt.
Ahmad Schah in der Zeit seines Pariser Exils
31. Oktober: Das iranische Parlament beschließt die Absetzung von Ahmad Schah Kadschar, dem letzten Herrscher der Kadscharendynastie. Unmittelbar nach der Abstimmung im Parlament tritt Reza Chan als Premierminister zurück und Mohammad Ali Foroughi wird geschäftsführender Premierminister. Generalmajor Abdollah Chan Amir Tahmasbi, Brigadegeneral Yazdanpanah, Oberst Dargahi und Oberst Bouzarjomehri beschlagnahmen die königlichen Paläste.
Beginnend mit der Sowjetunion und Großbritannien am 3. November erkennen bis zum 8. November alle in Teheran mit einem Repräsentanten vertretenen Staaten Reza Chan als neues Staatsoberhaupt an.
Am 6. Dezember tritt eine gewählte verfassungsgebende Versammlung zusammen, die am 12. Dezember mit 257 von 260 möglichen Stimmen eine Verfassungsänderung beschließt, mit der Reza Chan als neues Staatsoberhaupt und seine männlichen Nachkommen in direkter Linie als seine Nachfolger in der Verfassung festgeschrieben werden.
Reza Schah legt den Amtseid vor dem persischen Parlament ab
15. Dezember: Reza Pahlavi legt vor dem Parlament den Amtseid als Schah von Persien ab. Mohammad Ali Foroughi wird in seinem Amt als Premierminister bestätigt. Der neue Schah übernimmt ein nahezu bankrottes Land.
Republik China
Die wichtigsten chinesischen Warlord-Koalitionen im Jahr 1925, der blaue Bereich wird von der Kuomintang kontrolliert
Nach dem Tod von Sun Yat-sen am 12. März können sich die eher links orientierten Liao Zhongkai und Wang Jingwei sowie der konservative Hu Hanmin als Mitglieder des Zentralkomitees der Kuomintang durchsetzen. Am 20. August wird Liao Zhongkai von fünf Attentätern in Guangzhou ermordet. Im Zuge der Untersuchungen muss Hu Hanmin zurücktreten und der linke Flügel um Wang Jingwei und Sun Yat-sens Protegé Chiang Kai-shek übernimmt die Führung in der Partei.
19. Juni: Der Kanton-Hongkong-Streik beginnt. Die Teilnehmer des antikolonialen Streiks, deren Anzahl mit mehr als 250.000 Menschen angegeben wird, sind Studenten, Akademiker, Arbeiter und Händler aus dem britisch besetzten Hongkong sowie der anglo-französischen Konzession in Shamian.
25. November: Vajiravudh, unter dem Namen Rama VI. König von Siam, stirbt. Auf Basis der von ihm eingeführten Nachfolgeregelung für die Chakri-Dynastie besteigt sein jüngerer Bruder Prajadhipok am nächsten Tag als Rama VII. den Thron. Siam ist zu dieser Zeit in einer wirtschaftlich schwierigen und infolge des Ersten Weltkriegs unruhigen Phase. Der neue Monarch selbst schätzt ein, dass das Prestige der Monarchie sich auf einem Tiefpunkt befindet. Prajadhipok, der von liberalen Ideen beeinflusst ist, plant den Übergang Siams zu einer konstitutionellen Monarchie nach britischem Vorbild. Die im Obersten Staatsrat vertretenen Prinzen, allen voran Prajadhipoks Onkel Damrong Rajanubhab, leisten jedoch Widerstand gegen diesen Plan und bringen den König von dem ihnen „radikal“ erscheinenden Vorhaben ab.
Mit Schilling überschriebene Kronen-Banknote von 1924
In Österreich wird am 1. März auf Basis des im Vorjahr beschlossenen Währungsumstellungsgesetzes die Schillingwährung eingeführt. Diese löst die 1892 eingeführte Krone ab. 10.000 Kronen werden gegen einen Schilling eingelöst. Voraussetzung dafür ist eine von Ignaz Seipel und Albert Mensdorff-Pouilly verhandelte Anleihe des Völkerbundes (Genfer Protokolle). Mit Einführung des Schillings beginnt die Regierung eine konsequente Hartwährungspolitik, was der Währung bald den Spitznamen „Alpendollar“ einträgt, die wirtschaftlichen Gestaltungsmöglichkeiten in Krisenzeiten aber stark einschränkt.
Am 2. September wird auf Basis eines Gesetzes vom 12. Juli von der Regierung Ahmet Zogu die Nationalbank von Albanien gegründet, deren Hauptsitz sich in Rom befindet und deren Kapital überwiegend von einem italienischen Konsortium stammt. Diese führt in den nächsten Monaten den Lek als Währung Albaniens ein.
Rückkehr zum Goldstandard
Winston Churchill, Schatzkanzler im Kabinett Baldwin II, verkündet Ende April die Rückkehr Großbritanniens zum Goldstandard, der 1914 wegen des Krieges aufgehoben worden ist, eine Maßnahme, gegen die sich allein Wirtschaftsexperte John Maynard Keynes ausspricht. Diese konservative Finanzpolitik führt zur Überbewertung des Pfund Sterling und damit zur Verteuerung britischer Waren, zu einem Einbruch des Exports und schließlich zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit auf rund 20 Prozent. Die Schweiz führt den Goldstandard zwei Monate später im Juni ein. Auch Australien, die Niederlande und Südafrika kehren zum Goldstandard zurück.
Messen und Ausstellungen
Plakat der DVA im Stil der Zeit
1. Juni bis 12. Oktober: In den Ausstellungshallen der MünchnerTheresienhöhe wird die Deutsche Verkehrsausstellung 1925 (DVA) abgehalten. Es ist die erste Deutsche Verkehrsausstellung und gleichzeitig die bis dahin größte Ausstellung im Deutschen Reich nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Sie übertrifft mit ihren knapp 3 Millionen Besuchern die Dimensionen anderer Münchner Messen und Ausstellungen in dieser Zeit erheblich. Auf dem Ausstellungsgelände und im Vergnügungspark verkehrt auch eine Liliputbahn.
19./20. Februar: Auf der Bahnstrecke München–Garmisch-Partenkirchen wird die erste elektrische Probefahrt aufgenommen. Ab dem 23. Februar wird die gesamte Strecke elektrisch betrieben. Die Elektrifizierung der Gesamtstrecke hat nur 45 Tage in Anspruch genommen.
4. Juni: Die erste Teilstrecke der Wiener Elektrischen Stadtbahn nimmt einen Tag nach der Eröffnungsfeier ihren Betrieb auf. Anders als die bisherige Dampfstadtbahn fährt sie im starren Taktfahrplan, der die ganze Betriebszeit über gilt. Ab 20. Oktober erfolgt der Vollbetrieb auf fünf Linien. Die nicht von der Stadt Wien übernommene Vorortelinie fährt als einzige Stadtbahnstrecke im Dampfbetrieb weiter.
5. Juni: Eine europäische Wasserflugverbindung von Danzig nach Stockholm wird eröffnet. Bis zur Einstellung des Betriebs am 30. September werden bei 179 Flügen über die Ostsee 476 Passagiere befördert.
10. August: Nach einem Versuchsflug am 29. Mai erfolgt die Eröffnung der ersten deutschen Wasserfluglinie zwischen Altona/Elbe und Dresden. Die Städte Dresden, Magdeburg und Altona schließen danach mit der Junkers Luftverkehr AG einen Vertrag, um zunächst für die Dauer von drei Monaten einen regelmäßigen Luftverkehr auf der Elbe durchzuführen. Die Stadt Dresden kauft die Maschinen und die Städte Altona und Magdeburg müssen die Selbstkosten des Betriebs in Höhe von 67.500 Reichsmark garantieren. Die Reichspost muss zusätzlich jeden Flug finanziell unterstützen.
21. November: Der zwischen New York City und Floridas Ostküste pendelnde Luxus-Reisezug Orange Blossom Special verkehrt erstmals nach Fahrplan. Die Route führt von New York über Philadelphia, Washington, D.C., Richmond, Raleigh, Columbia, Savannah und Jacksonville bis nach Miami.
31. Dezember: Mit der Abnahme von acht Exemplaren der DR-Baureihe 02 beginnt im deutschen Eisenbahnwesen die Ära der Einheitslokomotiven.
In Peoria, Illinois (USA) entsteht aus einem Zusammenschluss der Holt Manufacturing Company (Benjamin Holt) und der C. L. Best Tractor Company (Daniel Best) das Unternehmen Caterpillar Tractor Company.
Wissenschaft und Technik
Archäologie
21. September: Der Ehringsdorfer Urmensch, eine altsteinzeitliche Schädelkalotte einer 20- bis 30-jährigen Frau, wird gefunden. Dieser Fund gibt der ur- und frühgeschichtlichen Erforschung der Herkunft des Menschen neue Impulse. Ernst Lindig und sein Sohn Kurt Lindig übernehmen die Bergung.
21. Mai: Die Amundsen-Ellsworth-Flugexpedition startet in Ny-Ålesund auf Spitzbergen mit zwei Flugbooten vom Typ Dornier Wal. Der erste Versuch, den geographischen Nordpol mit dem Flugzeug zu erreichen, scheitert 250km vor dem Ziel.
26. Mai: Die BII „Sausewind“, ein von den Brüdern Walter und Siegfried Günter unter aerodynamischen Gesichtspunkten konstruierter Tiefdecker, absolviert ihren Erstflug.
Dezember: Max Born und Pascual Jordan stellen die Matrizenform der Heisenberg-Theorie vor.
Cecilia Payne als Studentin
Cecilia Payne wird am Radcliffe College mit der Arbeit Stellar Atmospheres, A Contribution to the Observational Study of High Temperature in the Reversing Layers of Stars in Astronomie promoviert. Ihren Befund, Wasserstoff und Helium seien die Hauptbestandteile von Sternen, der dem zu dieser Zeit herrschenden wissenschaftlichen Konsens zuwiderläuft, muss sie unter dem Druck von Henry Norris Russell mit dem Zusatz relativieren, er sei „almost certainly not real“. Ihre Doktorarbeit wird im Nachhinein von Otto von Struve als die „zweifellos brillanteste Doktorarbeit“ aus dem Fachbereich Astronomie bezeichnet, Russell selbst muss ihren Befund vier Jahre später bestätigen.
28. April bis 8. November: In Paris findet mit 10-jähriger Verspätung die Exposition internationale des arts décoratifs et industriels modernes, eine Weltausstellung des Kunstgewerbes und des Industriedesigns, statt. Nach ihr wird später der Stil Art déco benannt. Etwa 16 Millionen Menschen besuchen die Ausstellung mit 15.000 Ausstellern aus 18 Ländern. Vorgestellte Neuheiten sind unter anderen Sperrholzmöbel und die Wohnmaschine von Le Corbusier. Die ursprünglich bis 25. Oktober geplante Ausstellung wird wegen des großen Besucherandrangs um zwei Wochen verlängert.
8. Februar: Der Abenteuerfilm The Lost World von Harry O. Hoyt hat in den USA seine Uraufführung. Der Stummfilm basiert auf dem Science-Fiction-Abenteuerroman Die vergessene Welt von Arthur Conan Doyle, der auch in der Anfangsszene des Films mit einer Eingangsrede zu sehen ist. Für die damals bahnbrechenden Tricksequenzen zeigt sich Willis O’Brien verantwortlich.
15. Februar: Mit The Salvation Hunters kommt das Regiedebüt von Josef von Sternberg in die Kinos. Das Stummfilmdrama wird wegen seiner unabhängigen Produktion unter niedrigem Budget auch immer wieder als „erster amerikanischer Independent-Film“ bezeichnet.
10. April: F. Scott Fitzgerald veröffentlicht den Roman The Great Gatsby (Der große Gatsby). Er gilt als sein Meisterwerk, in dem er sich mit Themen wie Dekadenz, Ausschweifungen, Idealismus, Widerstand gegen Veränderungen und sozialen Umbrüchen auseinandersetzt. Er schafft dabei ein treffendes Porträt der sogenannten „Goldenen Zwanziger“, der von wirtschaftlichem Wachstum, Prohibition, Kriminalität, Jazz und Flappern geprägten 1920er Jahre in den Vereinigten Staaten.
18. August: Die von Siegfried Jacobsohn herausgegebene Wochenzeitschrift Die Weltbühne beginnt mit der zunächst anonymen Veröffentlichung von Carl Mertens’ Manuskript Hinter den Kulissen der Vaterländischen Verbände, worin er die sogenannten Fememorde innerhalb der Schwarzen Reichswehr aufdeckt.
14. Dezember: Die Uraufführung der Oper Wozzeck von Alban Berg findet an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin unter der Leitung von Erich Kleiber statt. Das Libretto beruht auf dem deutschsprachigen Dramenfragment Woyzeck von Georg Büchner. Die Uraufführungsinszenierung erreicht beachtliche 20 Aufführungen, die Oper wird dann rasch an fünfzehn deutschen Bühnen nachgespielt.
3. Februar: In München findet unter dem Protektorat von Kronprinzessin Antonia von Luxemburg der erste Chrysanthemenball statt, von Paula Zell als Wohltätigkeitsveranstaltung zu Gunsten hilfsbedürftiger Kinder ins Leben gerufen. Im Cherubimsaal des Hotels Vier Jahreszeiten wird an einem Abend die erhebliche Summe von 25.000 Reichsmark gespendet.
2. März: Mit dem Ziel, der Diskriminierung der Arbeiter auf dem Gebiet der Bildung entgegenzuwirken, gründet der Parteivorstand der SPD wenige Tage nach dem Tod von Reichspräsident Friedrich Ebert auf dessen testamentarische Anregung die Friedrich-Ebert-Stiftung. Der SPD-Vorstand beauftragt den Parteikassier Konrad Ludwig mit dem Aufbau der Stiftung, deren Startkapital Spenden der Trauergäste bilden.
10. Juli: Im US-Bundesstaat Tennessee beginnt der mit Spannung verfolgte Scopes-Prozess (auch „Monkey-Trial“) gegen den Lehrer John Thomas Scopes, der entgegen den bestehenden Gesetzen des Staates Tennessee an öffentlichen Schulen nicht die vorgeschriebene biblische Schöpfungslehre, sondern die Evolutionstheorie unterrichtet hat. Er wird am 21. Juli zu einem Bußgeld von 100 Dollar verurteilt.
13. Juli: Fritz Angerstein wird wegen achtfachen Mordes achtmal zum Tode und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt.
19.–30. August: Auf Einladung des schwedischen Erzbischofs Nathan Söderblom findet die Stockholmer Weltkirchenkonferenz statt. Es nehmen Vertreter fast aller Konfessionen teil, ausgenommen der römisch-katholischen Kirche.
31. März: Beim Veltheimer Fährunglück kommen bei einer Reichswehrübung zur Überquerung der Weser achtzig Soldaten und ein Zivilist ums Leben. Konstruktionsfehler der Fähre und ein Hochwasser sind gemäß einer darauf folgenden Gerichtsverhandlung die Ursachen der Katastrophe.
12. November: Das britischeU-BootM1 sinkt nach einer Kollision mit dem Frachter Vidar, alle 69 Mann an Bord sterben.
In Belgisch-Kongo wird im Grenzgebiet zu Ruanda-Urundi der Albert-Nationalpark als erster Nationalpark Afrikas eingerichtet. Zunächst wird nur ein kleines Gebiet um Karisimbi, Visoke und Mikeno als Nationalpark erklärt, um die hier lebenden Gorillas vor Wilderei zu schützen. Der Park wird in den folgenden Jahren sukzessive erweitert. Im Jahr 1969 wird der Park in den Nationalpark Virunga und den Vulkan-Nationalpark geteilt.
23. Juni: Einem sechsköpfigen Team unter der Leitung von Albert MacCarthy gelingt die Erstbesteigung des Mount Logan, mit 5.959m Kanadas höchster Berg.
27. Dezember: Die nach Plänen des Architekten Hans Gschwender errichtete Skisprung-Schanze am Schattenberg auf dem Areal der späteren Arena Oberstdorf wird eröffnet.
„für die Aufklärung der heterogenen Natur kolloidaler Lösungen sowie für die dabei angewandten Methoden, die grundlegend für die moderne Kolloidchemie sind“
„für seine sowohl von Idealismus als auch von Humanität getragene Verfasserschaft, deren frische Satire sich oft mit einer eigenartigen poetischen Schönheit vereint“