Death Valley Germans („die Deutschen vom Death Valley“) ist eine in US-amerikanischen Medien geprägte Bezeichnung für den Vermisstenfall einer vierköpfigen Familie aus Dresden, die 1996 bei einer Rundreise im kalifornischen Death-Valley-Nationalpark verschwand. Die sterblichen Überreste von Teilen der Gruppe wurden erst 2009 gefunden.
Die Patchwork-Familie aus Dresden bestand aus der 27-jährigen Cornelia Meyer und ihrem vierjährigen Sohn Max sowie ihrem 34-jährigen Lebensgefährten Egbert Rimkus und dessen 11-jährigem Sohn Georg. Die Gruppe reiste am 8. Juli 1996 über den Flughafen Seattle-Tacoma in die Vereinigten Staaten ein, von wo aus sie nach Los Angeles weiterflog. Dort mieteten sie einen Plymouth Voyager, mit dem sie eine Rundreise im Westen der USA unternehmen wollten. Die Familie verbrachte anschließend einige Zeit entlang der Küste und im südkalifornischen San Clemente, bevor sie nach Las Vegas weiterfuhr. Dort checkten sie am 22. Juli 1996 aus einem Hotel aus und fuhren in Richtung Death Valley.
Nach der Abfahrt aus dem Hotel in Las Vegas gab es kein Lebenszeichen der Familie mehr. Es ließ sich jedoch anhand verschiedener Spuren und Funde eine als relativ gesichert geltende Reihenfolge von Ereignissen rekonstruieren. Die Familie plante offenbar, den Nationalpark trotz der extrem hohen Temperaturen zu erkunden. Das Death Valley gilt als Ort mit den höchsten Lufttemperaturen weltweit (im Hochsommer oft bis über 50 °C). Die Gegend ist kaum besiedelt und außerhalb von Ortschaften oder touristischen Einrichtungen nahezu vollständig unbewohnt.
Die Reisegruppe fuhr zunächst nach Furnace Creek. Der kleine Ort mit einem Besucherzentrum und Hotels gilt als Ausgangspunkt für touristische Reisen im Death Valley. Dort wurden am 22. Juli zwei Ausgaben einer Broschüre über die Gegend (Death Valley National Monument Museum Text) in deutscher Sprache verkauft, die auch eine vereinfachte Karte für Touristen beinhaltet; eine solche Ausgabe wurde später im angemieteten Minivan gefunden. Die erste Nacht verbrachte die Gruppe vermutlich campend im Hanaupah Canyon, der von Furnace Creek nur über eine unbefestigte Straße in über 35 km Entfernung zu erreichen ist. Für diese Strecke wird ein Allradfahrzeug empfohlen.
Am 27. Juli 1996 ging der geplante Rückflug von Los Angeles nach Deutschland, jedoch fand sich die Familie nicht an Bord der Maschine ein. Es gab keine Hinweise, dass sie das Land auf anderem Wege verlassen hatte. Der Mietwagen wurde nicht zurückgegeben und von der Verleihfirma bei der Polizei als gestohlen gemeldet. Eine Fahndung über Interpol wurde eingeleitet, jedoch konnten zunächst keine Spuren der Familie gefunden werden.
Am Morgen des 21. Oktober 1996 befand sich ein Ranger des Nationalparks auf einem Helikopterflug auf der Suche nach Drogenlaboren in der Wüste. Dabei entdeckte er im Anvil Springs Canyon, einer Schlucht mehrere Kilometer südlich des Hanaupah Canyons, die Teil der Panamint Range ist, einen im Trockenflussbett stehenden PKW. Dieser befand sich von Westen aus mehrere Kilometer hinter dem Beginn des Canyons in steinigem Gelände. Es stellte sich heraus, dass es sich um den von Cornelia Meyer angemieteten und zur Fahndung ausgeschriebenen Plymouth-Minivan handelte. Das Fahrzeug war abgeschlossen und verlassen, der Großteil der Reifen war defekt, vermutlich durch zu schnelle Fahrt durch das von Geröll und Unebenheiten geprägte Terrain. Im Fahrzeug fanden sich verschiedene Besitztümer der Familie sowie eine Nationalflagge, die sie offenbar als Souvenir aus einer unbemannten Schutzhütte etwa sechs Kilometer westlich des Fundorts, noch vor der Canyonmündung im Butte Valley, mitgenommen hatten.
Das Sheriffbüro von Inyo County nahm die Ermittlungen auf. Im Gästebuch des Warm Spring Mining Camps stießen die Polizisten auf einen Eintrag der Gruppe: „7/23/96 – Conny Egbert Georg Max – Wir überqueren den Pass“ Bei dem Camp handelt es sich um eine unbewohnte, als Touristenattraktion erhaltene ehemalige Bergbausiedlung im Canyon nördlich des Autofundorts. Es wurde vermutet, dass damit der vom Butte Valley aus nach Süden führende Mengel-Pass gemeint war, der jedoch keine befestigte Straße ist und nur mit geländegängigen Allradfahrzeugen befahren werden kann. Der nicht geländetaugliche Minivan der Familie war dafür ungeeignet.
Die Familie bemerkte dies vermutlich, brach die Überquerung des Passes ab und fuhr stattdessen in den Anvil Springs Canyon. Auf ihrer Karte war dort eine Piste verzeichnet, die sie wohl als Abkürzung nutzen wollten. Diese unbefestigte, seit Jahren verwaiste Strecke war für einen normalen PKW jedoch ebenfalls unpassierbar. Ihr Minivan erlitt vermutlich auf dem rauen, unbefestigten Untergrund mehrere Reifenpannen, bis er schließlich im trockenen Flussbett steckenblieb.
An der anschließenden Suchaktion beteiligten sich neben der Polizei zahlreiche regionale Such- und Rettungsorganisationen. Abgesucht wurden die Gebiete entlang des Anvil Springs Canyons, die nördlich gelegene Warm Spring Road, das Butte Valley und auch der Mengel-Pass. Ebenso wurden verlassene Minen kontrolliert, in denen Menschen hätten Schutz suchen können. Bereits am ersten Tag der Suchmaßnahmen fand man im Canyon eine Bierflasche Bud Ice, die mit im Mietwagen gefundenen Exemplaren übereinstimmte. Trotz des personal- und kostenintensiven Einsatzes fanden sich keine weiteren Hinweise auf den Verbleib der Vermissten. Die Suche wurde am 26. Oktober 1996 beendet.
In den folgenden Jahren kam es wiederholt zu privaten Suchinitiativen durch erfahrene Wüstenwanderer sowie Mitglieder von Rettungsorganisationen, die sich teils über Jahre hinweg mit dem Fall beschäftigten, lange Zeit aber keine weiteren Spuren fanden.
Im November 2009 unternahmen Tom Mahood und Les Walker, beide passionierte Hiker und Mitglieder einer Such- und Rettungseinheit, eine private Suche nach Spuren der vermissten deutschen Touristen in einem abgelegenen Gebiet südlich der Panamint Mountains. Am 12. November 2009 entdeckten sie in schwer zugänglichem Gelände mehrere Kilometer vom Fundort des Fahrzeugs entfernt menschliche Skelettreste. Neben den Knochen wurden unter anderem persönliche Gegenstände, darunter Ausweisdokumente von Cornelia Meyer und ein Portemonnaie sowie Ausrüstungsgegenstände gefunden, die eine Zuordnung zu den Vermissten ermöglichten.
Es folgte eine erneute Suchaktion unter Beteiligung mehrerer Such- und Rettungsorganisationen sowie der Polizei. Dabei konnten weitere menschliche Überreste geborgen werden. DNA-Untersuchungen ermöglichten eine eindeutige Identifizierung von Egbert Rimkus; die Überreste von Cornelia Meyer konnten anhand persönlicher Gegenstände und der Fundumstände zugeordnet werden. Eine eindeutige Identifizierung der beiden Kinder gelang hingegen nicht.
Die Familie hatte anscheinend ihr liegengebliebenes Fahrzeug verlassen und zu Fuß versucht, Hilfe zu erreichen. Es wird vermutet, dass sie eine mehrere Kilometer südlich gelegene Militärbasis erreichen wollten, da sie dort auf die Anwesenheit von Soldaten und damit auf Rettung hofften. Das extrem weitläufige Gelände der Naval Air Weapons Station China Lake ist jedoch weder eingezäunt, noch existieren dort regelmäßige Patrouillen, wie die Erwachsenen es aus Europa gewohnt gewesen sein könnten.
Aufgrund des Verwesungszustandes der Überreste konnte die Todesursache nicht mehr festgestellt werden. Angesichts der Umstände gilt jedoch als am wahrscheinlichsten, dass die Familie durch Dehydratation und Hitzschlag ums Leben kam. Ein Fremdverschulden wurde ausgeschlossen.