Deersheim ist ein Ortsteil der Stadt Osterwieck im Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt.
Das Dorf liegt fünf Kilometer östlich von Osterwieck und 20 Kilometer nördlich von Wernigerode. Landschaftlich liegt der Ort am östlichen Rand des großen Fallsteins zwischen Großem Bruch und Harz an der Deersheimer Aue. Die Ortschaft hat mit Stand 2025 756 Einwohner.
Im Jahr 2024 war es dem Archäologen Martin Freudenreich vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie gelungen, auf digitalen Orthofotos des Landesamts für Vermessung und Geoinformation ein potenzielles römisches Marschlager zu identifizieren. Es zeigten sich nicht nur die geraden Grabenverläufe, sondern auch die für ein römisches Kastell typischen, abgerundeten Grabenecken. Sondierungsgrabungen ergaben, dass der Spitzgraben, der eine ursprüngliche Breite von 1,5 m bis 1,7 m besessen hatte, nur etwa einen Meter in den anstehenden Kalkstein bzw. dessen Verwitterungshorizont eingetieft war. Das Lager wird auf das frühe dritte Jahrhundert unserer Zeitrechnung datiert.
968 wurde Deersheim erstmals urkundlich erwähnt. Im Dorf befinden sich zwei alte Kirchen. Diese zeugen davon, dass die Ortschaft aus zwei Dörfern, Bexheim und Deersheim zusammengewachsen ist. Das Gut Deersheim befand sich seit spätestens etwa 1400, konkret 1406 nach mehreren Quellen, (bis 1945) im Besitz der Familie von Gustedt. Rudolf von Gustedt (1714–1783), Oberappellationsgerichtsrat in Celle, Herr auf Deersheim, Bexheim und Eilenstedt, heiratete 1743 Anna Rebecca von Münchhausen (1724–1775), eine Schwester des berühmten „Lügenbarons“. Die Familie von Gustedt bildete genealogisch eine eigene Familienlinie v. Gustedt-Deersheim heraus und stiftete zur Sicherung der Erbfolge bald einen so genannten Familienfideikommiss, mit der Festlegung des jeweilig ältesten Sohnes als Erben.
Am 30. September 1928 wurde der Gutsbezirk Deersheim mit der Landgemeinde Deersheim vereinigt. Dies änderte nichts an dem fiskalisch-staatlichen, kirchlichen oder privaten Besitz in der Gemarkung des Gesamtortes. Lediglich war der Gutsbezirk ab nun juristisch kein eigenständiger Ort mehr.
Vorletzter Gutsbesitzer war der Politiker, er war u. a. Kammerherr und Mitglied des Preußischen Herrenhauses, Philipp von Gustedt (1840–1919). Er vertrat dort den Grundbesitz des alten Fürstentums Halberstadt und der Grafschaft Wernigerode, wurde nach seinem Gutssitz v. Gustedt-Deersheim genannt, betrieb im Ort nebenbei noch eine Brauerei. Seine Ehefrau Helene, geb. von der Schulenburg-Priemern, Tochter des Generals Julius von der Schulenburg, wiederum war Mitglied Goethe-Gesellschaft. Das Rittergut Deersheim beinhaltete um 1922 etwa 868 ha, mit kleineren Ländereien in Rohrnheim. Als Besitzer folgte ihm sein Enkel Rüdiger von Gustedt (1909–1986), der nach den Enteignungen 1945/1946 zuletzt mit seiner zweiten Ehefrau Maritta von Wuthenau-Poledno-Gröna in Kiel lebte.
Am 11. September 2003 wurde Deersheim ein Ortsteil der Gemeinde Aue-Fallstein. Aue-Fallstein fusionierte mit den anderen Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Osterwieck-Fallstein am 1. Januar 2010 zur neuen Stadt Osterwieck, deren Ortsteil sie nun ist.
| Blasonierung: „In Gold drei (2:1) schwarze Kesselhaken.“ | |
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Das Ortswappen ist mit dem Familienwappen des Adelsgeschlechts von Gustedt identisch. Das Wappen wurde vom Innenminister des Landes Sachsen-Anhalt am 22. Oktober 1990 genehmigt. |
Deersheim lag an der Bahnstrecke Heudeber–Mattierzoll. Diese Strecke ist stillgelegt. Durch den Landesbus 212 und 213 der Harzer Verkehrsbetriebe bestehen Busverbindungen nach Halberstadt und Vienenburg.
Nachdem 2012 die letzte Einkaufsmöglichkeit geschlossen worden war, gründeten ca. 120 Dorfbewohner aus einer Bürgerinitiative heraus eine Genossenschaft, die bis 2016 einen Dorfladen errichtete. Der Dorfladen erhielt mehrere Preise:
Koordinaten: 51° 59′ 1″ N, 10° 46′ 50″ O