Einführung in die Problemstellung
David Blackwell definierte das statistische Modell als einen Wahrscheinlichkeitsraum
mit einer Familie von Wahrscheinlichkeitsmaßen
. Eine natürliche Frage ist nun, wann
besser oder informativer als ein anderes statistisches Modell
ist, welches dasselbe Experiment modelliert.
Mathematiker versuchten das Problem zu lösen, darunter Frederic Bohnenblust, Lloyd S. Shapley, Seymour Sherman sowie David Blackwell und Elias Stein. Aus deren Arbeiten resultierte der Satz von Blackwell-Sherman-Stein, welcher mit Hilfe von Markow-Kernen formuliert werden kann. Kurzgesagt, sagt der Satz, dass
besser als
ist, wenn
durch eine Randomisierung von
über den Markow-Kern entstehen kann. Das Problem an dem Satz war, dass viele Modelle nicht miteinander vergleichbar waren. Le Cam führte den Begriff des Defizits ein, notiert als
, und formulierte eine neue, approximative Variante des Satzes von Blackwell-Sherman-Stein. Die Existenz einer Randomisierung wird durch die Aussage
ersetzt. Modellen, welche nicht miteinander vergleichbar sind, kann somit über das Defizit trotzdem eine Zahl zugeordnet werden.
Defizit
Wir folgen dem Vokabular aus der Einleitung und werden zuerst ein paar weitere Grundbegriffe definieren.
Abstrakte L1-Räume, Experimente, M-Räume und Übergänge
Zuerst definieren wir den abstrakten L1-Raum.
- Einen Banachverband
nennt man einen abstrakten L1-Raum oder kurz L-Raum, falls für alle positiven Elemente
auch
gilt.
Für einen L-Raum definieren wir nun den Begriff des Experiments.
- Sei
eine Indexmenge und
ein L-Raum bestehend aus positiven linearen Funktionalen
. Ein Experiment
ist eine Abbildung
der Form
, so dass
. Der Raum
ist das durch
erzeugte Band und wird auch L-Raum von
genannt, deshalb notieren wir ihn mit
. Für ein
definiert man außerdem den nicht-negativen Teil als
.
Für einen L-Raum definieren wir seinen abstrakten M-Raum.
- Den topologischen Dualraum
eines L-Raumes
, ausgestattet mit der konjugierten Norm
, nennt man abstrakten M-Raum oder M-Raum. Der M-Raum ist ein Vektorverband und besitzt eine Einheit
definiert durch
für
.
Für zwei L-Räume
und
zu zwei Experimenten
und
definieren wir den Übergang, das ist eine positive, normerhaltende, lineare Abbildung zwischen den L-Räumen.
- Eine Übergang
ist eine lineare Abbildung, so dass
für jedes
gilt.
Die Adjungierte des Übergangs ist eine positive lineare Abbildung vom Dualraum
von
in den Dualraum
von
, so dass die Einheit von
das Bild von der Einheit von
ist. Ein Markow-Kern
induziert einen Übergang
, jedoch muss nicht jeder Übergang ein Markow-Kern sein.
Definition
Seien
eine Indexmenge und
und
zwei Experimente, welche durch
indiziert werden. Seien
und
die dazugehörigen L-Räume und
die Menge aller Übergänge von
zu
.
Das Defizit
von
zu
ist die Zahl

wobei
die Totalvariationsnorm
bezeichnet. Der Faktor
hat nur rechnerische Gründe und wird manchmal auch weggelassen.
Erläuterungen
bedeutet, es existiert ein Übergang
, so dass
für alle
gilt.
- Das Defizit misst, wie gut
von
durch
im Sinne der totalen Variation approximiert werden kann.
- Das Defizit ist eine Norm für
.
Le-Cam-Distanz
Die Le-Cam-Distanz ist folgende Pseudometrik
.
Dies induziert eine Äquivalenzrelation und wenn
ist, dann sagt man
und
sind äquivalent. Die Äquivalenzklasse
von
nennt man auch Typ von
.
Seien
eine Indexmenge und
die Menge aller Typen aller Experimente, welche durch
indiziert sind, dann ist die Le-Cam-Distanz
vollständig bezüglich
. Die Defizit-Bedingung
definiert eine Ordnungsrelation auf
, man sagt
ist besser oder informativer oder stärker als
. Dies kann nun verwendet werden, um statistische Modelle zu vergleichen.
Häufig interessiert man sich für Familien von Experimenten
mit
und
mit
. Falls
wenn
, dann sagt man
und
sind asymptotisch äquivalent.