Der überaus starke Willibald ist ein Jugendroman des deutschen Schriftstellers Willi Fährmann. Das Werk erschien 1983 im Arena Verlag mit Illustrationen von Werner Bläbst. Er ist als politische Parabel über die Entstehung und die Mechanismen einer Diktatur mit konkreten Bezügen zum Faschismus und der Zeit des Nationalsozialismus angelegt. Er handelt dabei von einem Mäuserudel, das sich dem starken Willibald als „Boss“ unterwirft und dabei immer mehr von diesem und seinen Helfern manipuliert und unterdrückt wird.
Das Buch wurde in die Auswahlliste zum Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie Kinderbuch aufgenommen. 1996 entstand eine Musicalfassung, weitere Bühnenbearbeitungen folgten, darunter 2021 am Düsseldorfer Schauspielhaus.
Ein Mäuserudel lebt in einem großen Haus und regelt seine Angelegenheiten zunächst gemeinschaftlich und per Abstimmung. Als sich das Gerücht verbreitet, eine Katze streife um das Haus, nutzt der besonders kräftige Willibald die entstehende Angst aus und lässt sich mit Unterstützung der Hermannmaus und des Mäusejosef zum „Boss“ des Rudels wählen. Er verspricht ihnen seinen Schutz vor der Katze und unterwirft die anderen Mäuse durch Manipulationen, Angst und Versprechungen zunehmend seiner Herrschaft.
Unter dem Vorwand des Schutzes lässt Willibald die Mäuse marschieren, verbietet ihnen das Toben und Spielen und verlangt unbedingten Gehorsam. Die weiße Lillimaus, die sich als Albino von den anderen Mäusen äußerlich unterscheidet und sich Willibalds Herrschaft widersetzt, wird von ihm von Beginn an als Außenseiterin ausgegrenzt und ohne Futter in die Bibliothek des Hauses verbannt. Dort bringt sie sich selbst das Lesen bei und liest den anderen Mäusen Geschichten vor, bis auch dies durch Willibald verboten wird. Ihr Freund, der Mausephilipp, unterstützt sie heimlich und bringt ihr Essen. Anders als die anderen Mäuse des Rudels begegnet er Willibalds Herrschaft von Beginn an skeptisch und hinterfragt die Bedrohung und seine Anordnungen. Nachdem er Willibalds Plan zur Eroberung des „Mäusehimmels“, der mit Leckereien behangenen Decke der Speisekammer, kritisiert und dieser tatsächlich scheitert, wird Philipp zum Sündenbock gemacht und auf Befehl von Willibald von den Mäusen aus dem Fenster in den Garten gestürzt.
Da die Bewohnerin des Hauses, die Menschenriesin, die Mäuse ertappt hat, stellt sie eine Mausefalle auf. Lillimaus erkennt die Falle und warnt die Mäuse, sich ihr nicht zu nähern. Als Willibald sich jedoch über ihre Warnung vor der Falle hinwegsetzt, schnappt diese zu und verletzt ihn. Seine Autorität bricht zusammen, und das Rudel befreit sich von seiner Herrschaft und kehrt zu seiner früheren gemeinschaftlichen Ordnung und Freiheit zurück.

1984 wurde das Buch in die Auswahlliste zum Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie Kinderbuch aufgenommen. Die Jury des Preises charakterisierte es als Parabel auf eine politische Diktatur und hob vor allem die Lillimaus hervor, die sich den Machtansprüchen Willibalds widersetzt und sich durch das Lesen Wissen aneignet.
Bereits unmittelbar nach dem Erscheinen wurde diese Form der politischen Parabel allerdings auch kritisch diskutiert. Die Kinder- und Jugendliteraturwissenschaftlerin Birgit Dankert bezeichnete das Buch 1984 in einer Rezension in Die Zeit als „mißglückte Parabel“. Sie erkannte zwar die grundsätzliche Darstellung von Feindbildern, die paramilitärischer Disziplinierung in der Geschichte und das Gruppenverhalten als wichtige Elemente der Geschichte an, kritisierte jedoch deren literarische Umsetzung als „mißlungen“. Die Literaturdidaktiker Sabine Erbstößer, Christina Klätte und Detlef Pech wiesen zudem darauf hin, dass eine unmittelbare Übertragung der Tierparabel auf Nationalsozialismus und Holocaust problematisch sein kann. Unter anderem kritisierten sie, dass Lillimaus wegen ihres sichtbaren Andersseins verfolgt wird und Willibald als vergleichsweise leicht durchschaubarer und lächerlicher Diktator erscheint. Dadurch könne das historische Täterbild durch die Bearbeitung vereinfacht und verharmlost werden.
In späteren Betrachtungen wurde Fährmanns Tierparabel auch mit anderen literarischen Darstellungen diktatorischer Herrschaft und des Nationalsozialismus in Beziehung gesetzt. Dieter Goergen verglich die Verwendung von Mäusen als Figuren mit Art Spiegelmans Holocaust-Comic Maus: Während Spiegelman die Mäuse als Chiffre für die verfolgten Juden einsetzt, überträgt Fährmann die Strukturen von Diktatur und Ausgrenzung auf eine Mäusegesellschaft. Goergen bezeichnete das Kinderbuch dabei als ein „Miniaturkompendium über Diktatur“. Die Szene, in der Willibald auf einem Globus seinen Herrschaftsanspruch demonstriert, brachte Goergen zudem mit der Weltkugel-Szene aus Charlie Chaplins Der große Diktator in Verbindung.
1996 entstand eine Musicalfassung des Buches. Die Musik schrieb Martin Wuestner, die Gesamtleitung und Choreographie übernahm Sigrid Klausmann und Walter Sittler war an der Bearbeitung beteiligt. Die Uraufführung fand am 11. Juni 1996 im Kunstzentrum Karlskaserne in Ludwigsburg statt.
Das Düsseldorfer Schauspielhaus brachte das Kinderbuch in einer Inszenierung von Robert Gerloff auf die Bühne, die Premiere fand am 13. August 2021 im Jungen Schauspiel statt. In der Spielzeit 2025/2026 folgte am Wiener Theater der Jugend eine Bühnenfassung von Sebastian von Lagiewski. Daneben wird der Stoff auch von Amateur- und Schultheatern aufgeführt.
2011 veröffentlichte Fährmann mit Die Abenteuer der überaus mutigen Lillimaus eine Fortsetzung, in deren Mittelpunkt die aus dem ersten Buch bekannte Lillimaus steht.
Die deutsche Originalausgabe erschien 1983 im Arena Verlag und wurde dort mehrfach neu aufgelegt. Das Buch wurde zudem in zahlreiche Sprachen übersetzt: