| Der Schatten des Achill |
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| Luca Giordano |
| Öl auf Leinwand |
| 126 × 109,2 cm |
| Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Staatsgalerie im Neuen Schloss Schleißheim, Oberschleißheim |
Das unter dem Titel Der Schatten des Achill bekannte Werk ist ein hochformatiges Ölgemälde von Luca Giordano. Das Gemälde ist nicht datiert und gehört dem Genre der profanen Historienmalerei an. Es stellt wahrscheinlich eine Szene aus der Ilias dar.
Es wird in der Staatsgalerie Schleißheim ausgestellt und läuft unter der Inventarnummer 2256. Das Neue Schloss Schleißheim ist als Galerie von barocken Gemälden Teil der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen der Pinakotheken.
In der vordersten Ebene des Werks sind größere Steinbrocken und ein krumm wachsender Stamm mit kargem Laub zu erkennen; sie geben einen groben Aufschluss über die Landschaft und bilden den Einstieg ins Bild.
Im Bildvordergrund und szenischen Mittelpunkt des Gemäldes befinden sich zwei einander zugewandte männliche Figuren. Auf der rechten Seite steht aufrecht ein Mann in Rüstung und einem hellgrauen Mantel, der die Rüstung weitgehend verdeckt. Er trägt Sandalen und einen Helm mit weiß-gelbem Kamm. Sein linker Arm ist in seinem Umhang verhüllt, vermutlich angewinkelt. Mit dem ausgestreckten rechten Arm weist er in den Hintergrund der Szene. Sein Gesicht ist durch das Visier des Helmes verborgen, seine Körperhaltung wirkt abweisend. Er wird umhüllt und erleuchtet durch einen Lichtkegel, der aus der rechten oberen Ecke des Werks strahlt. Gleichzeitig scheint der Boden unter seinen Füßen rötlich zu glühen und es steigt Rauch in Wolken auf. Der Mann steht auf einer leichten Erhöhung, ein Bein vor das andere gestellt und der Kopf ist seinem Gegenüber zugewandt, als würde er auf ihn hinabblicken.
Der Mann auf der linken Seite wird kniend dargestellt. Er trägt einen blauen Umhang, der rechts über die Schulter geschwungen und links um den Arm gewickelt ist, während der Rest über den Rücken fällt. Er trägt ebenfalls Sandalen und eine Rüstung, hier mit sichtbaren Goldelementen. Die linke, in den Mantel gewickelte Hand hält er an seine Brust, die Rechte ist wie bittend nach vorne gehalten. Er hat weißes Haar und einen vollen Bart; seine Gesichtszüge sind die eines älteren Mannes. Auf seinem Haupt trägt er eine goldene Krone. Der Mann blickt nach oben zu der verhüllten Gestalt. Seine Augen sind weit geöffnet und seine Gesichtszüge wirken dramatisch.
Neben dem Mann im blauen Umhang, schon nicht mehr ganz im Vordergrund, kniet ein weiterer Mann. Dieser trägt die Kleidung eines Adligen aus der Renaissance, mit Pluderärmel und Halskrause. Er hält einen Helm ohne Kamm im Schoß. Seine Figur ist kleiner und schmaler; er besitzt ein jugendliches Gesicht ohne Bart und kurzes braunes Haar. Der Junge passt als einziger visuell nicht zum Rest des Gemäldes.
Hinter den zwei Männern im Vordergrund, scheinbar um sie herum versammelt, befindet sich eine Gruppe von weiteren Männern. Mit einer Ausnahme scheint es sich um Krieger zu handeln, erkennbar an ihren Rüstungen, inklusive Helm, auch hier ohne Kamm. Ihre Rüstungen scheinen eher silbern, ihre Umhänge sind rot. Ihre Gesichter, einige bärtig, lassen auf erwachsene Männer schließen. Ein paar von ihnen sitzen auf Pferden. Die Gruppe bildet eine Art Publikum für die Interaktion der beiden Männer im Vordergrund. Ihre Mimik zeigt entsetzte und schockierte Gefühle, gerichtet an den Mann auf der rechten Seite. Ihre Körpersprache verstärkt diese Wirkung. Auch die Reittiere machen einen unruhigen Eindruck. Die Vordersten der Gruppe weichen von der verhüllten Gestalt mit Helm zurück, manche halten sich aneinander fest. Eine Figur sticht durch ihre abweichende Erscheinung heraus. Hinter dem Jungen steht ein weiterer alter Mann, mit langem weißen Bart. Er trägt einen langen weißen Mantel, in seiner linken Hand hält er einen Gehstock und auf seinem Kopf thront ein Laubkranz. Auch sein Gesicht ist missfallend verzogen.
Die Mimik und Gestik der Männer im Hintergrund sind dramatisch, was durch die dynamische Pinselführung unterstrichen wird. Ihre Gesichter zeigen starke Emotionen des Entsetzens und der Empörung; der Maler will keine idealisierte Szene darstellen, sondern durch das Darstellen von realistischen, fast schon übertrieben verzerrten Mienen, genau diese Gefühle beim Betrachter auslösen.
In der rechten oberen Ecke befinden sich zwei Figuren, die zu schweben scheinen und Putten ähneln. Der vordere dreht den Oberkörper und hält die Arme Richtung Himmel gestreckt. Sie heben sich mit ihrer hellen Hautfarbe von dem Rauch ab, der unten emporsteigt. Hinter den Soldaten lassen sich einige Bäume erkennen; je näher an der versammelten Gruppe, desto karger ihr Laub. Am Horizont kann man Berge unter einem wolkenverhangenen Himmel betrachten.
Unter Einbezug des Titels, unter dem das Werk derzeit in der Staatsgalerie Schleißheim geführt wird, lässt sich davon ausgehen, dass es sich hier um eine Szene aus der Ilias handelt. Anhand der beiden Figuren im Mittelpunkt des Gemäldes, der gekrönte Mann kniend vor dem abweisenden Krieger, scheint es sich um eine Darstellung des Moments zu handeln, in dem Priamos, König von Troja, Achilles um den Körper von Hektor anfleht. Letzterer wurde von Achilles bei der Schlacht um Troja besiegt, nachdem er zuvor Patroklos tötete. Achill weigert sich zunächst, den zerschundenen Körper herauszugeben, was den Sitten der damaligen Kriegsführung widerspricht. Das könnte auch die schockierten Minen der Umstehenden erklären. Anzumerken ist hier jedoch, dass auf dem Gemälde kein toter Körper zu erkennen ist.
Obschon es kein häufig verwendetes Motiv ist, findet besagtes Thema doch gelegentlich Verwendung in der Malerei. Weitere Interpretation dieses Stoffes finden sich in Werken von Francesco Solimena und Gavin Hamilton. Diese Werke beinhalten ebenfalls keine Darstellung von Hektors Körper und stellen eine ähnliche Hierarchie zwischen Achill und Priamos dar.
Eine weitere mögliche Deutung des Mannes in hellgrauem Mantel wäre, dass es sich um Patroklos in der Rüstung von Achilles handelt. Anzeichen dafür wären der Titel im Zusammenhang mit dem vom Helm bedeckten Gesicht des Mannes. Jedoch passt das nicht recht zu den restlichen Bildelementen.
Die Probleme bei der Deutung des Motivs dieses Werkes liegen unter anderem daran, dass es, wie viele Objekte der barocken Historienmalerei, wenig bis gar nicht erforscht ist und der Entstehungskontext nicht bekannt ist.
Wann und wie genau das Gemälde nach Schleißheim kam, ist schwer zu sagen. In einem Verzeichnis aller ausgestellten Gemälde der königlichen Galerie aus dem Jahr 1885 wird es unter der Nummer 1090 gelistet, in einem Werkkatalog über Giordano aus dem Jahr 1966 wird es jedoch nicht erwähnt, auch nicht unter der Listung Schleißheim. Wenn man das restliche Bildprogramm des Neuen Schlosses Schleißheim, welches ebenfalls oft Militär und Waffen thematisiert, sowie Max Emanuels Tätigkeit als Feldherr betrachtet, so fügt sich das Werk gut in seinen aktuellen Hängungskontext.
Das Gemälde ist links an der Fensterseite, der östlichen Wand, im Großen Kabinett des Appartements der Kurfürstin ausgestellt. Rechts davon hängt ein weiteres Werk von Giordano, Die Opferung der Polyxena. Die beiden Werke passen thematisch zum Bildprogramm der Deckenmalerei von Jacopo Amigoni. Diese stellt den Apollo und Herkules dar, wie diese den Tugenden zum Triumph verhelfen.
Auf dem ganzen Gemälde liegt ein leicht gelblicher Film, was an einem vergilbten Firnis liegen kann. Dadurch wird das Werk an Stellen wie dem Rand, besonders oben, verdunkelt. Die Oberfläche weist keine äußeren Schäden oder Restaurationsmerkmale auf.