
Der Student (russisch Студент) ist eine Karfreitagsgeschichte des russischen Schriftstellers Anton Tschechow, die – vermutlich im März 1894 in Jalta geschrieben – im selben Jahr in den Moskauer Russkije wedomosti unter dem Titel Am Abend (russ. Вечером) erschien.
W. Czumikows Übertragung ins Deutsche brachte Diederichs 1902 in Leipzig heraus. Andere Übersetzungen: 1895 ins Tschechische (Student), 1900 ins Bulgarische (Студент), 1901 ins Ungarische (A diák) und ins Serbokroatische (Ћak) sowie 1902 ins Französische (L'Étudiant).
Iwan Welikopolskij ist der Sohn eines Küsters und studiert an der Geistlichen Akademie. Das Osterfest verbringt Iwan daheim im Dorf bei den Eltern. Zunächst begibt er sich am Karfreitag auf den Schnepfenstrich. Auf dem Heimweg kommt Iwan des Abends am Garten der Witwe Wassilissa vorbei. Die Witwe und ihre Tochter Lukerja, ebenfalls verwitwet, wärmen sich draußen an einem offenen, knisternden Holzfeuer. Iwan grüßt und tritt näher. Man wärmt sich und ist sich einig – der Winter will zu Ostern wiederkommen. Angesichts des Feuers fällt Iwan ein Passus aus der Passion Christi ein und zwar die Stelle, als die Knechte im Hof vor dem Palast des Hohepriesters sich an einem Holzfeuer wärmen. Der Theologiestudent Iwan predigt den beiden Frauen die bekannte Geschichte von Petrus, wie er seinen Herrn Jesus dreimal verleugnet. Da weint die Witwe Wassilissa. Iwan ist überzeugt, die Witwe vergießt nicht Tränen, weil er so rührend predigen kann, sondern weil sie verinnerlicht, was in Petrus seinerzeit vorgegangen war. Petrus erscheint Iwan als Personifikation der Schuld, die der Mensch irgendwann im Leben auf sich lädt in dem Sinne: Alles wiederholt sich im Weltenlauf – und wenn es jener oben erwähnte Part der Passionsgeschichte von vor zweitausend Jahren vor dem Palast des Hohepriesters ist: Wassilissa mit ihrem Feuer im Gemüsegarten hat den Kreis geschlossen.