Der erste Mensch (französisch Le premier homme) ist ein 1994 postum veröffentlichter, unvollendeter Roman des algerisch-französischen Schriftstellers und Philosophen Albert Camus.
Im Zentrum der fertiggestellten Textteile steht die Identitätssuche des Algerienfranzosen Jacques Cormery, die dieser durch die Rekonstruktion seiner Familiengeschichte und seiner eigenen in der Kolonie verbrachten Kindheit bewältigen möchte. Die so im Roman erzählten Erinnerungen weisen starke Parallelen zu Camus’ eigener Biographie auf. Nicht zuletzt deshalb ist der Text häufig biographisch gedeutet worden. Plausibel sind jedoch auch postkoloniale und existenzphilosophische Interpretationsansätze.
Das unvollendete Manuskript zum Roman war bereits 1960 am Ort des tödlichen Autounfalls Albert Camus’ aufgefunden worden. Seine Tochter Catherine Camus hatte sich lange Zeit geweigert, das Fragment gebliebene Werk zu veröffentlichen, nicht zuletzt aufgrund des stark autobiographischen Charakters des Textes, der in der Endfassung möglicherweise gemindert worden wäre.
Mit der titelgebenden Metapher „der erste Mensch“ bezeichnet Camus die Verlorenheit des Protagonisten ohne Vergangenheit und ohne Verbindung zu Familie und Nation durch den Kolonialismus, [...] in diesem Land, in das er sich ja geworfen fühlte, als sei er der erste Bewohner oder der erste Eroberer, der dort landete [...] Im Kapitel Mondovi: Die Kolonisierung und der Vater schreibt der Autor:
Der aus Algerien stammende Schauspieler Jean-Paul Schintu präsentierte 2013 seine Interpretation des Textes beim Festival von Avignon.