Detlef Schulze (* 1961 in Kühlungsborn) ist ein deutscher Schriftsteller und Dramatiker. Er schreibt Theaterstücke, Hörspiele, Prosa und Gedichte.
Schulze wuchs in Güstrow auf und arbeitete als Heizungsmonteur und Altenpfleger. 1987 reiste er aus der DDR nach West-Berlin aus. Außerdem war er als Bühnenhandwerker tätig, bevor er begann, Theaterstücke zu schreiben.
1997 erschien seine Erzählung Die Idee von der Arbeit in der Literaturzeitschrift Sinn und Form. Beim Stückemarkt des Berliner Theatertreffens wurde 1998 sein Stück Besatzung Rom in einer Lesung mit Studierenden der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch vorgestellt. Im selben Jahr gehörte Der Aufbruch Phineus zu den vier Stücken, die für Werkstattinszenierungen bei den Autorentheatertagen in Hannover ausgewählt wurden. 2000 wurde Schulze mit Jäckel zum Autorenmarkt des Berliner Orphtheaters eingeladen.
2001 produzierte hoerbruch Hörspielfassungen von Schulzes Stücken Die Verwandlung und Der Luxus der Kannibalen.
Für die Produktion Toter Tag nach Motiven von Matthias Claudius’ Der Tod und das Mädchen schrieb Schulze die Textfassung. Die Inszenierung von Susanne Truckenbrodt hatte am 8. Januar 2011 im Berliner Theater unterm Dach Premiere.
2020 erschien sein erster Roman Asche bei Moloko Print, sowohl als Textausgabe als auch in einer Ausgabe mit Fotografien von Theo Steiner. 2024 veröffentlichte der Verlag zwei Bände mit Schulzes Theaterstücken und Theatertexten als Beginn einer Werkausgabe. Als deren vierter Band folgte 2025 eine Neuausgabe von Asche.
Im Mittelpunkt des Romans steht der Schriftsteller Asche, der nach einer Südseereise in seiner Wohnung ein Manuskript findet. Es trägt seinen Namen und beschreibt sein Leben, stammt aber von einem unbekannten Verfasser. Asche versucht herauszufinden, wer der Autor ist. Diese Handlung wird mit dem Bericht eines Mannes verschränkt, der das Manuskript während einer Schiffsreise liest. Eine Naturkatastrophe bedroht das Schiff und seine Passagiere.
Tom Mustroph beschrieb Asche 2021 in Neues Deutschland als einen Roman, der unterschiedliche Zeit- und Wirklichkeitsebenen miteinander verbindet und die Grenzen zwischen Fiktion und Realität auflöst. Die Hauptfigur lebt seiner Beschreibung zufolge sowohl im Berlin der Nachwendezeit als auch in weit zurückliegenden Epochen. Als zentrale Themen benannte er die Suche nach Identität und Lebenssinn. Deren Gestaltung lobte er, empfand die bodenständige Sprache im Kontrast dazu allerdings stellenweise als störend.
Der Aufbruch Phineus verbindet Figuren aus der Antike mit den Lebensentscheidungen von DDR-Bürgern unmittelbar nach dem Mauerfall. Petra Kohse, die das Stück für die Autorentheatertage ausgewählt hatte, sah 1998 in der taz einen deutlichen sprachlichen Einfluss Heiner Müllers. Sie betonte zugleich, dass Schulze die Entscheidungsfähigkeit des Einzelnen gegenüber geschichtlichen Abläufen hervorhebe.
Besatzung Rom schlägt einen Bogen vom Niedergang des Römischen Reiches über den Zweiten Weltkrieg bis zum Scheitern des Sozialismus. Meike Matthes stellte in ihrer Besprechung im Tagesspiegel Bezüge zu Müller fest, insbesondere zu dessen Wolokolamsker Chaussee. Sie würdigte Schulzes sprachlichen Anspruch und seine Auseinandersetzung mit dem Scheitern der kommunistischen Utopie, kritisierte jedoch das Pathos und die geringe szenische Lebendigkeit des Textes.
Die folgenden Stücke besprach Mustroph in seinen Nachworten zu den beiden 2024 erschienenen Bänden von Schulzes Theaterstücken und Theatertexten.
Tschako verbindet die Geschichte eines Serienmörders mit antiken Gewaltmotiven. Mustroph sah darin eine Hinwendung zu Gewalt im privaten Bereich, hielt die Parallele zur Figur des Agamemnon jedoch für weniger überzeugend als die historischen Verknüpfungen der früheren Stücke. Aufstand aus Verstecken beschäftigt sich mit der RAF. Mustroph hob gegenüber den früheren Stücken die stärker dialogische Form und die alltäglichere Sprache hervor.
Die Verwandlung handelt von einem ehemaligen Stasi-Offizier, der als Immobilienmakler tätig ist und bei einem Geschäft mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird. Mustroph würdigte die Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Umbrüchen nach dem Ende der DDR, sah jedoch die sprachliche Kraft der frühen Stücke nicht erreicht.
Der Luxus der Kannibalen greift auf den Roman Leben und Abenteuer des Chevalier Faublas von Jean-Baptiste Louvet de Couvray zurück. Mustroph sah darin eine Verlagerung der Endzeitmotivik von historischen Zusammenhängen auf die Beziehungen der Figuren. Jäckel schildert die vergebliche Suche eines Mannes vom Land nach Liebe und einem selbstbestimmten Leben. Mustroph verglich die Titelfigur mit Georg Büchners Woyzeck.
In kann sein kann nicht werden Gegenstände lebendig und die Identitäten einzelner Figuren gehen ineinander über. Mustroph deutete das Stück als Auseinandersetzung mit Selbstwahrnehmung und Identität. Malte und Wega stellt ein alterndes Paar in den Mittelpunkt; dabei bleibt offen, welche Erlebnisse tatsächlich geschehen und welche der Vorstellung der Figuren entspringen. Das 2024 aus einem älteren Fragment ausgearbeitete Stück Doch darum geht es nicht handelt von der Figur Hann, die ihre eigene Existenz hinterfragt. Mustroph beschrieb darin einen Übergang von der Identitätssuche zur Frage nach dem Lebenssinn.
Im Nachwort zu Band 1 hob Mustroph die Auseinandersetzung der frühen Stücke mit dem Umbruch in der DDR und den fortbestehenden gesellschaftlichen Widersprüchen hervor. Im Nachwort zu Band 2 beschrieb er die späteren Stücke als Rückkehr zum Sprechtheater und ihre Sprache als leichter und verspielter als die der frühen Arbeiten.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Schulze, Detlef |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Schriftsteller und Dramatiker |
| GEBURTSDATUM | 1961 |
| GEBURTSORT | Kühlungsborn |