Detlev Möller

Detlev Möller auf dem Mauna Loa Observatorium (Hawaii) vor dem Keeling-Gebäude: Messung von CO2 seit 1958 (2004)

Detlev Möller (* 30. Mai 1947 in Berlin) ist ein deutscher Atmosphärenchemiker und Universitätsprofessor.

Leben und Werdegang

Detlev Möller, Sohn eines Offiziers der Handelsseefahrt (bis 1945) und späteren Lehrers für Russisch und Astronomie, legte im Jahr 1965 das Abitur an der Heinrich-Hertz-Oberschule in Berlin-Adlershof (Spezialklasse Mathematik ab 1963) mit einer parallelen Ausbildung als Chemiefacharbeiter im ehemaligen „VEB Berlin-Chemie“ ab. Von 1965 bis 1969 studierte er Chemie an der Humboldt-Universität zu Berlin (HUB) mit Vertiefung in physikalischer Chemie (bei Karl-Heinz Heckner und Rolf Landsberg) mit dem Abschluss als Diplomchemiker (Note „ausgezeichnet“). Im anschließenden Forschungsstudium (Doktorandenstelle) promovierte er 1972 zum Dr. rer. nat. mit einem Thema zum elektrochemischen Verhalten von Hydroxylamin und zur Elektrodenkinetik irreversibler Prozesse.

1972 bis 1974 war er wissenschaftlicher Assistent im Bereich Analytische Chemie (bei Günter Henrion) und wechselte 1974 an die Akademie der Wissenschaften der DDR (AdW) als wissenschaftlicher Mitarbeiter der „Forschungsstelle für Umweltgestaltung“ (FUG) in die Arbeitsgruppe „Waldökosysteme / Ökomodellierung Dübener Heide“. Hier begann er 1975, sich für Luftverschmutzung und atmosphärische Chemie zu interessieren (Ausbreitung und Umwandlung von Schwefeldioxid) und habilitierte sich 1982 zum Thema „Schwefel-Kreislauf“ (bei Hans-Günther Däßler, Karlheinz Lohs und Wolfgang Böhme).

1977 wurde die FUG als Bereich „Ökologisch-Ökonomische Systeme“ in das Institut für Geographie und Geoökologie (IGG) der AdW (Berlin) überführt. Hier erfolgte seine Mitarbeit in der Arbeitsgruppe „Ökologisch-ökonomische Auswirkungen der Energieproduktion (Cottbus)“. Seine Arbeiten bezogen sich auf den Zusammenhang zwischen NH3 und SO2 in der Atmosphäre. 1983 wurde er Leiter der Arbeitsgruppe „Geoökologische Stoffflüsse“ mit Arbeitsschwerpunkten zum „sauren Regen“ und zum „Baumsterben“ sowie zur „Rauchgasentschwefelung“. 1984 hielt er den ersten öffentlichen Vortrag in der DDR zum „Sauren Regen“ zusammen mit Wolfgang Rolle und Wolfgang Marquardt: „Saure Niederschläge – Bildung und Einschätzung“.

1986 erfolgte die Überleitung der Arbeitsgruppe „Geoökologische Stoffflüsse“ an das Heinrich-Hertz-Institut für Geomagnetismus und Atmosphärenforschung (HHI) an der AdW (Berlin). Hier wurde er Leiter der Arbeitsgruppe „Depositionsprozesse“ in der Abteilung „Grundschicht“ (stellv. Abteilungsleiter von Joachim Neisser). Dies war zugleich der Beginn von Arbeiten zur Modellierung der Regentropfen- und Niederschlagschemie (mit Günther Mauersberger), zur Parametrisierung der trockenen Deposition für EULERsche Ausbreitungsmodelle (mit Klaus Worbs) als Auftragsforschung des Meteorologischen Dienstes der DDR (Karl-Heinz Bernhardt), zum Aufbau von Laboren zur Analyse gasförmiger und gelöster Spurenstoffe sowie der Beginn von Entwicklungsarbeiten für einen PC-gesteuerten Niederschlagssammler (mit Wolfgang Wieprecht), Studium der Azidität/Alkalinität von Regenwasser, Arbeiten zum Chlorid-Kreislauf und zur NH3-Bilanz der DDR, zur Rolle von Radikalen und H2O2 bei neuartigen Waldschäden. Seit 1988 Modellierung chemischer Prozesse in Regen und Wolken (mit Günther Mauersberger), Entwicklung eines einfachen Denuders zur NH3-Messung (mit Karin Acker) und einer eigenen IC-Analytik (mit Renate Auel).

Von 1988 bis 1992 folgten Vorlesungen zur Atmosphärenchemie an der Sektion Physik der HUB für die Fachbereiche Meteorologie und Geographie. 1990 Leiter der Abteilung „Atmosphärenchemie“ am HHI. In den Jahren 1991 und 1992 erfolgte der Aufbau einer wolkenchemischen Forschungsstation Brocken (Harz) und deren Betrieb bis 2010 (mit Wolfgang Wieprecht, Dieter Kalaß, Jürgen Hofmeister). Zum 31. Dezember 1992 wurde die Auflösung („Abwicklung“) der AdW vollzogen, und somit endete zugleich seine Tätigkeit in dieser Wissenschaftsinstitution.

Von 1991 bis 1996 übernahm er die Vorlesungen „Atmosphärenchemie“ am Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin (FUB). Von 1992 bis 1994 war er Leiter der Außenstelle für Luftchemie (ELC) des Fraunhofer-Instituts für Atmosphärische Umweltforschung Garmisch-Partenkirchen (FUG; Leiter: Wolfgang Seiler) in Berlin-Adlershof und Leiter des Bereiches „Wolkenchemie“. 1993 begann er mit Vorlesungen an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU); zugleich begannen seine Studien zum Sommersmog (troposphärisches Ozon) und zur O3-Multiphasenchemie.

1994 Umhabilitation an der Freien Universität Berlin (FUB) bei Karin Labitzke, Fachbereich Geowissenschaften, zum Dr. rer. nat. habil. (Meteorologie); Ernennung zum Privatdozenten. Im November 1994 folgte ein Ruf auf die C4-Professur für Luftchemie und Luftreinhaltung an die BTU, Fakultät Umweltwissenschaften und Verfahrenstechnik.

Von 1995 bis 2012 war er Inhaber des Lehrstuhls für Luftchemie und Luftreinhaltung in Cottbus. Seine Forschungen umfassten in dieser Zeit Studien zum Sommersmog (troposphärisches Ozon) und zur Multiphasenchemie von Ozon und Wasserstoffperoxid; Feldmesskampagnen zur Wolkenchemie, Staubbelastung, reaktiver Gase (salpetrige Säure, Salpetersäure, Ammoniak, Chlorwasserstoff); Weiterführung der niederschlagschemischen Messreihe „Seehausen“ bis 2002. Von 1999 bis 2005 erfolgten Arbeiten zur Nebelbeseitigung, anschließend bis 2012 Arbeiten zur Wasserbehandlung (photokatalytische Ozonierung). In den Jahren 2012 bis 2020 war er „Forschungsgastprofessor“ an der BTU, ab 2015 ehrenamtlich.

Seit 2005 beschäftigt sich Möller auch mit der Geschichte der Atmosphärenchemie.

Forschungsaufenthalte

Mitgliedschaften und Ehrungen (Auswahl)

Veröffentlichungen

Möller hat über 240 wissenschaftliche Publikationen in Büchern, Sammelwerken, Lexika und Zeitschriften verfasst und mehr als 10 Patente angemeldet.

Bücher und Monographien

Ausgewählte Buchbeiträge

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Detlev Möller: Über das elektrochemische Verhalten von Hydroxylamin an der rotierenden Pt-Scheibenelektrode – unter Berücksichtigung allgemeiner Betrachtungen zur Elektrodenkinetik irreversibler Prozesse. Dissertation, Humboldt-Universität zu Berlin, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät, Berlin 1972.
  2. ↑ Gruppenleiter. Abgerufen am 16. Juli 2025.
  3. ↑ Detlev Möller: Zur Untersuchung des atmosphärischen Schwefel-Zyklus unter dem Einfluss anthropogener Aktivitäten. Habilitationsschrift (Dissertation B), Akademie der Wissenschaften der DDR, Berlin 1982.
Personendaten
NAME Möller, Detlev
KURZBESCHREIBUNG deutscher Atmosphärenchemiker und Universitätsprofessor
GEBURTSDATUM 30. Mai 1947
GEBURTSORT Berlin