Deuterocohnia

Deuterocohnia

Deuterocohnia scapigera mit langröhrigen, grünen Blüten.

Systematik
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Bromeliengewächse (Bromeliaceae)
Unterfamilie: Pitcairnioideae
Gattung: Deuterocohnia
Wissenschaftlicher Name
Deuterocohnia
Mez

Deuterocohnia ist eine Pflanzengattung in der Unterfamilie Pitcairnioideae innerhalb der Familie Bromeliengewächse (Bromeliaceae). Die etwa 17 Arten kommen in den südamerikanischen Anden vor.

Beschreibung

Blüten von Deuterocohnia recurvipetala im Detail, gut zu erkennen sind die aufrechten Kelchblätter, die zurückgebogenen Kronblätter, die die Blütenkrone überragenden Staubblätter und der Griffel
Habitus und Blütenstände von Deuterocohnia recurvipetala
Ausschnitt eines Blütenstandes von Deuterocohnia haumanii mit Blüten im Detail
Habitus und Blütenstand von Deuterocohnia glandulosa
Habitus und abgeblühter Blütenstand von Deuterocohnia brevispicata
Habitus und Blütenstände von Deuterocohnia schreiteri

Vegetative Merkmale

Die Deuterocohnia-Arten sind ausdauernde, terrestrisch oder selten lithophytisch lebende Xerophyten. Sie bilden kräftige, sprossbürtige Wurzeln. Die stammlosen Pflanzen wachsen durch Kindel horstbildend.

Die oft dicken, sukkulenten Laubblätter stehen in einer grundständigen, dichten Rosette. Die Blattrosetten von Arten, die früher der Gattung Abromeitiella zugeordnet wurden, weisen nur Durchmesser und Wuchshöhen von mehreren Zentimetern auf; sie bilden große Polster. Die Arten nach dem alten, kleineren Umfang der Gattung Deuterocohnia bilden Blattrosetten mit über 1 Meter Durchmesser. Die starren Laubblätter laufen in eine scharfe Spitze aus. Mindestens die Blattunterseite besitzt weiße Schuppen (Trichome). Die Blattränder sind meist dornig-gesägt, mit je nach Art sehr unterschiedlich großen Dornen.

Generative Merkmale

Die Blütenstände verholzen bei manchen Arten und bilden über mehrere Jahre Blüten (beispielsweise Deuterocohnia brevispicata, der etwa 2 Meter lange Blütenstand eines Exemplars in Kultur blüht seit etwa 20 Jahren) – eine Ausnahme in der Familie der Bromeliaceae (kommt nur noch in der Gattung Hohenbergia vor). Die einfachen oder aus ährigen Teilblütenständen zusammengesetzten Blütenstände werden je nach Art nur wenige Zentimeter (also gestaucht) bis zu mehr als 1 Meter (mit langen Blütenstandsschäften) hoch.

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und dreizählig mit doppelter Blütenhülle (Perianth). Es sind drei Kelchblätter vorhanden. Die drei freien Kronblätter sind gelb, gelb-grün bis grün, selten orangefarben bis rot (Deuterocohnia meziana); sie können ein- oder zweifarbig sein. Bei manchen Arten sind die Kronblätter zurückgekrümmt (beispielsweise Deuterocohnia recurvipetala, daher das Artepitheton). Bei allen Arten besitzen die Kronblätter Anhängsel. Es sind zwei Kreise mit je drei freien, fertilen Staubblättern vorhanden. Drei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsen.

Die dreifächerige Kapselfrüchte enthalten viele Samen. Die spindelförmigen Samen sind seitlich geflügelt.

Ökologie

Die Bestäubung der Deuterocohnia-Arten erfolgt vorwiegend durch Kolibris. Die Samenausbreitung erfolgt durch den Wind.

Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet der Deuterocohnia-Arten liegt in den südamerikanischen Anden. Verbreitungsschwerpunkte sind die Anden in Peru, Chile, im südlichen Bolivien und nördlichen Argentinien. Sie gedeihen an niederschlagsarmen und strahlungsintensiven Abhängen und in Trockentälern (arides Klima).

Systematik

Die Gattung Deuterocohnia wurde 1894 von Carl Christian Mez in Carl Friedrich Philipp von Martius: Flora Brasiliensis, Band 3, Teil 3, S. 430 und 506 aufgestellt. Typusart ist Deuterocohnia longipetala (Baker) Mez. Der Gattungsname Deuterocohnia ehrt den deutschen Botaniker und Mikrobiologen Ferdinand Julius Cohn (1828–1898). Es war schon eine Gattung Cohnia vorhanden, durch die griechische Vorsilbe deuteros für „zweite“ wurde ein neuer Namen gebildet (Cohnia Kunth ein Synonym von Cordyline Comm. ex R.Br. und Cohnia Rchb. f. ein Synonym von Oncidium Sw.). Synonyme von Deuterocohnia Mez sind Meziothamnus Harms und Abromeitiella Mez.

In der Gattungs-Monographie von Smith & Downs (1974–1979) sind sieben Arten aufgeführt. Durch Spencer & Smith (1992) wurden die Arten der Gattung Abromeitiella der Gattung Deuterocohnia zugeordnet. Die Systematik dieser Gruppe wurde kontrovers diskutiert, ein deutsches Forschungsvorhaben dazu endete 2009 und bestätigte die Zusammenlegung der beiden Gattungen. Eine Revision der Gattung Deuterocohnia erfolgte 2011 durch Nicole Schütz.

2014 gehören 16 bis 17 Arten in die Gattung Deuterocohnia:

Weitere Bilder

Deuterocohnia meziana mit großen Blattrosetten und langen Blütenständen, an denen über mehrere Jahre Blüten gebildet werden:

Deuterocohnia brevifolia, Syn.: Abromeitiella brevifolia, polsterbildende Art mit gestauchten Blütenständen:

Quellen

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 Nicole Schütz: Systematics and evolution of the genus Deuterocohnia Mez (Bromeliaceae), Dissertation, 2011 an der Universität Kassel. Abstract, Volltext.
  2. ↑ Mez 1894 eingescannt bei biodiversitylibrary.org.
  3. ↑ Jason R. Grant: An Annotated Catalogue of the Generic Names of the Bromeliaceae. In: The Marie Selby Botanical Gardens, 1998. (Herkunft der Gattungsnamen in der Familie der Bromeliaceae in englischer Sprache) online.
  4. 1 2 3 Nicole Schütz: Deuterocohnia meziana (Bromeliaceae): subspecies classification and the description of the new subspecies D. meziana subsp. vogtii from northern Paraguay. In: Phytotaxa, Volume 162, Issue 1, 2014. doi:10.11646/phytotaxa.162.1.2 Kurze Vorschau - PDF.
  5. ↑ Harry E. Luther: An Alphabetical List of Bromeliad Binomials, XIV - 2014 in The Marie Selby Botanical Gardens, Sarasota, Florida, USA. Veröffentlicht durch The Bromeliad Society International.
  6. ↑ Eric J. Gouda, Derek Butcher (fortlaufend updated): A List of Accepted Bromeliaceae Names. online, University Botanic Gardens, Utrecht. zuletzt eingesehen am 30. März 2021
  7. ↑ Eric J. Gouda, Derek Butcher, Kees Gouda: Encyclopaedia of Bromeliads, Version 4, 2018. In „Species Index“ oder „synonyms“ auf Deuterocohnia klicken zuletzt eingesehen am 30. März 2021
Commons: Deuterocohnia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien