Devonwall

Grafschaften Cornwall und Devon innerhalb Englands

Devonwall ist eine Bezeichnung für verschiedene Vorschläge, die Grafschaften Cornwall und Devon ganz oder teilweise miteinander zu verbinden oder zusammenzulegen. Der Name wurde ursprünglich verwendet, um ein politisches Konzept zu beschreiben, das in den 1970er Jahren von der konservativen Regierung im Vereinigten Königreich eingeführt wurde. Es handelte sich um den Versuch, die beiden Grafschaften in wirtschaftlicher, politischer und statistischer Hinsicht miteinander zu verbinden, um eine Region im Südwesten zu bilden. Dies beinhaltete die Zusammenlegung und Zentralisierung einiger kommunaler Aufgaben und Dienste wie Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr sowie von Medienangeboten wie lokalem Fernsehen und Zeitungen.

In den letzten Jahren wurde der Begriff Devonwall in Cornwall abwertend verwendet, um verschiedene andere Vorschläge zu bezeichnen, die eine vollständige oder teilweise Zusammenlegung von Cornwall und Devon vorsehen, wie beispielsweise Vorschläge für einen Wahlkreis Devonwall. Das Konzept stößt auf Widerstand, da die besonderen Bedürfnisse Cornwalls durch das größere und reichere Devon in den Hintergrund gedrängt würden und es aufgrund des Status der kornischen nationalen Minderheit demokratische und rechtliche Einwände dagegen gäbe.

Hintergrund

Vor der Eingliederung in das angelsächsische England gehörte das Gebiet beider Grafschaften vom 4. bis zum 8. Jahrhundert zum unabhängigen britonischen Königreich Dumnonia. Der Untergang Dumnonias infolge der sächsischen Invasion im heutigen Devon führte zur Entstehung des Königreichs Cornwall. Später legte König Æthelstan die Grenze zwischen dem kornischen und dem sächsischen Wessex am Fluss Tamar fest. Unter der englischen Krone wurde Cornwall zunächst als Grafschaft und 1337 dann als Herzogtum errichtet. Die Zinnbergleute in Cornwall und Devon unterstanden bis zur Einrichtung getrennter Versammlungen für Devon und Cornwall im Jahr 1305 einer einzigen Versammlung, die das Zinnbergbaugesetz erließ. Das kornische Stannary-Parlament erhielt infolge der Charter of Pardon von 1508 zusätzliche Befugnisse, die bis zu seiner letzten Sitzung im Jahr 1753 Bestand hatten.

Im 20. Jahrhundert entstanden regionale South West-Organisationen, zu denen auch Cornwall und Devon gehörten. Seit den Anfängen des lokalen Fernsehens im Vereinigten Königreich wurden Devon und Cornwall zusammen mit anderen Gebieten stets in einer Gruppe zusammengefasst. Seit der Gründung von Westward Television wurden Devon und Cornwall in aufeinanderfolgenden ITV-Konzessionen in einer Westcountry-Einheit zusammengefasst, und die BBC unterhält seit 1961 eine einzige Fernsehregion, die beide Gebiete sowie Teile von Somerset und Dorset umfasst und BBC South West heißt.

Kornischer Nationalismus und die Anerkennung der Kornischen als nationale Minderheit haben zu einem verstärkten Widerstand gegen Bestrebungen geführt, Cornwall mit Devon zusammenzulegen oder in größere Verbände im Südwesten einzugliedern.

Geschichte

Der Name „Devonwall“ wurde ursprünglich in den 1970er Jahren von der konservativen Regierung verwendet, um dieses Konzept zu beschreiben. Der Plan sah vor, die Grafschaften Cornwall und Devon in wirtschaftlicher, politischer, administrativer und statistischer Hinsicht miteinander zu verbinden. Dies hätte die Zusammenlegung und Zentralisierung einiger kommunaler Aufgaben und Dienste wie Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr sowie von Medienangeboten wie lokalem Fernsehen und Zeitungen zur Folge gehabt.

Die Polizei von Cornwall County wurde mit der Polizei von Devon und Exeter sowie der Stadtpolizei von Plymouth zusammengelegt, woraus die Polizei von Devon und Cornwall (heute bekannt als Devon and Cornwall Police) hervorging.

Die Liberaldemokraten unterstützten diese Prozesse bis Ende der 1990er Jahre. Im Gegensatz dazu lehnte Mebyon Kernow den Prozess ab, und er fand in der kornischen Bevölkerung keine breite Unterstützung.

Nach den Parlamentswahlen 1997 entzogen die Liberaldemokraten ihre Unterstützung, da sie der Ansicht waren, dass der Devonwall-Prozess Cornwalls Ansprüche auf Fördermittel im Rahmen des europäischen Objective-One-Programms untergrub. Die Forderungen Cornwalls nach Fördermitteln aus dem Objective-One-Programm zur Regionalentwicklung Anfang der 1990er Jahre wurden von Regierungsvertretern oft als unrealistisch und unerreichbar abgetan, wobei jedoch die Tatsache außer Acht gelassen wurde, dass von den 56 am stärksten benachteiligten Gebieten in Cornwall und Devon 51 in Cornwall lagen. Cornwall verfügte zudem über weniger als 75 % des durchschnittlichen europäischen BIP, doch diese Statistiken wurden verschleiert, da Devon, mit seinem höheren BIP, gemeinsam mit Cornwall als ein gemeinsames statistisches Gebiet betrachtet wurde.

Im Jahr 1998 erkannte die neue Labour-Regierung an, dass Cornwall „besonders ausgeprägte kulturelle und historische Merkmale aufweist, die einen keltischen Hintergrund widerspiegeln“, wodurch es in regionaler und wirtschaftlicher Hinsicht von Devon abgegrenzt werden konnte. Diese Tatsache unterstreicht die Bedeutung der keltischen Identität für Cornwall in den letzten Jahren. Im Juli 2000 veröffentlichte Mebyon Kernow die „Erklärung für eine kornische Versammlung“.

„Cornwall ist eine eigenständige Region. Sie weist ein klar definiertes wirtschaftliches, administratives und soziales Profil auf. Die einzigartige Identität Cornwalls spiegelt seinen keltischen Charakter, seine Kultur und seine Umwelt wider. Wir erklären, dass den Menschen in Cornwall bei ihrer künftigen Selbstverwaltung am besten durch eine regionale Versammlung in Cornwall gedient ist. Wir verpflichten uns daher zur Einrichtung eines verfassungsgebenden Konvents für Cornwall mit dem Ziel, eine dezentrale Versammlung für Cornwall – den Senedh Kernow – zu schaffen.“

Zwischen 2000 und 2006 wurden Cornwall 350 Millionen Pfund aus dem Objective-One-Fonds zur Verfügung gestellt; die darauf folgende Tranche (sogenannte Konvergenzmittel) lief von Anfang 2008 bis 2013 und belief sich auf 445 Millionen Pfund. Es gab zahlreiche Beschwerden von Einwohnern Cornwalls, dass die Verwaltung der Objective One-Investitionen größtenteils von außerhalb Cornwalls durch die South West Regional Development Agency (SWRDA) in Exeter und Bristol gesteuert werde. Cornwall war die einzige „Objective One“-Region im Vereinigten Königreich und in Europa, in der das Projekt von außerhalb der Region verwaltet wurde.

Vorschlag für eine lokale Unternehmenspartnerschaft

Im Jahr 2010 kam es erneut zu Widerstand, als die neue Regierung ankündigte, dass lokale Unternehmenspartnerschaften (Local enterprise partnerships) die regionalen Entwicklungsagenturen ersetzen würden. Eine Reihe von Gemeinderäten in Devon sprach sich dafür aus, sich mit Cornwall zu einem „Devonwall“-LEP zusammenzuschließen, wobei der Devon County Council argumentierte, die beiden Grafschaften seien gemeinsam stärker als im Kampf um Fördermittel gegen „sehr große regionale LEPs, insbesondere im Norden“. Der Cornwall Council sprach sich jedoch für eine LEP Cornwall und die Scilly-Inseln aus.

Wahlkreis

Im Jahr 2010 kam es zu weiterem Widerstand gegen einen grenzüberschreitenden Wahlkreis, der als „Devonwall“-Wahlkreis bezeichnet wurde und Teil der Pläne der Koalitionsregierung zur Reform der Wahlkreisgrenzen war. Sowohl in Cornwall als auch in Devon stieß dies auf Widerstand. Das Vorhaben wurde von Mebyon Kernow und der Kampagne „Keep Cornwall Whole“ verurteilt, die Proteste in Saltash an der Grenze der historischen Trennung zwischen Cornwall und Devon planten, von denen einer im Oktober 2010 stattfand. Im September 2011 wurde bekannt gegeben, dass der vorgeschlagene neue Wahlkreis Bude in Nord-Cornwall und Bideford in West-Devon umfassen würde. Die Idee kam nach dem klaren Sieg der Konservativen Partei bei den britischen Parlamentswahlen 2015 wieder auf, bei denen sie alle Sitze in Cornwall errangen.

Die PFA-Studie „What Cornwall Thinks“ ergab, dass 56 Prozent der Befragten der Meinung sind, der Vorschlag für den Wahlkreis „Devonwall“ sei nicht gut für Cornwall insgesamt, während nur 4 Prozent glauben, dass er gut für Cornwall wäre.

Auch heute noch setzen sich viele Organisationen aus Cornwall wie Mebyon Kernow, die Liberaldemokraten, die Cornish Constitutional Convention sowie zahlreiche konservative und unabhängige Ratsmitglieder im Cornwall Council gegen das Konzept des „Devonwall“ ein und befürworten, dass Cornwall als eigenständige kulturelle, wirtschaftliche und administrative Region mit einer eigenen Versammlung geführt wird.

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ George Randall Lewis: The stannaries: a study of the medieval tin miners of Cornwall and Devon. Hrsg.: George Randall Lewis. 1908, S. 125 (englisch).
  2. ↑ Martin Jones, Gordon MacLeod: Regional Spaces, Spaces of Regionalism: Territory, Insurgent Politics and the English Question. In: Transactions of the Institute of British Geographers. Band 29, Nr. 4. [Royal Geographical Society (with the Institute of British Geographers), Wiley], 2004, ISSN 0020-2754, S. 433–452, JSTOR:3804367 (englisch).
  3. ↑ Marco Di Cataldo: The impact of EU Objective 1 funds on regional development: Evidence from the U.K. and the prospect of Brexit. In: Journal of Regional Science. Band 57, Nr. 5, 2017, ISSN 1467-9787, S. 814–839, doi:10.1111/jors.12337 (englisch).
  4. ↑ Sandra Rothwell: Cornish resistance against bid to unite economy in 'Devonwall' partnership. In: this is Cornwall. this is Cornwall, 29. Juli 2010, abgerufen am 3. Oktober 2026 (englisch).
  5. ↑ Charlotte Becquart: Rise and fall of the controversial Devonwall cross-border Cornwall and Devon MP constituency. In: CornwallLIVE. CornwallLIVE, 24. Mai 2020, abgerufen am 3. Oktober 2026 (englisch).
  6. ↑ POLL: Would you support the creation of a 'Devonwall' parliamentary seat? In: West Briton. 11. Mai 2015 (englisch, Online [abgerufen am 3. Oktober 2026]).
  7. ↑ Robert Rush: 4% of Cornwall's Population supports 'Devonwall' Constituency Proposal. In: PFA Research. 13. April 2017, abgerufen am 5. Oktober 2024 (englisch).