Diskursanalyse ist ein Oberbegriff für die sozial- und geisteswissenschaftliche Analyse von Diskursphänomenen. Je nachdem, was als Diskurs betrachtet wird, gibt es hierfür unterschiedliche Herangehensweisen.
Allgemein untersucht Diskursanalyse den Zusammenhang von sprachlichem Handeln und sprachlicher Form sowie den Zusammenhang zwischen sprachlichem Handeln und gesellschaftlichen, insbesondere institutionellen Strukturen.
Während man sich in den Sozialwissenschaften im Allgemeinen für Ordnungen der Sinnproduktion interessiert, ist aus sprachwissenschaftlicher Sicht die Abgrenzung des Diskurses (als pragmatisches Phänomen) gegenüber dem Text (als sprachliche Struktur des Diskurses, welche unter anderem in der Textlinguistik untersucht wird) bemerkenswert.
Die historische Diskursanalyse geht von einer doppelten Vermittlung von Geschichte aus. Zum einen durch Quellen, zum anderen durch ihre Darstellung (in Geschichtsbüchern beziehungsweise geschichtswissenschaftlichen Abhandlungen). Geschichte wird stets von Zeichensystemen vermittelt und ist insofern immer konstruiert, indem sie genau diese sinnhaften (Zeichen-)Konstruktionen zum Gegenstand ihrer Untersuchung erhebt – anders gesagt: Historische Ereignisse, Strukturen und Prozesse sind untrennbar mit ihrer Repräsentation verknüpft. Geschichte ist nur in vermittelter Form zugänglich, also als „re-präsentierte Realität“. Die Diskursanalyse spürt also den Formen und Regeln der Repräsentation nach.
Die sozialwissenschaftliche Diskursforschung untersucht die Regeln und Regelmäßigkeiten des Diskurses, seine Möglichkeiten zur Wirklichkeitskonstruktion, seine gesellschaftliche Verankerung und seine historischen Veränderungen. Sie stellt insbesondere Fragen nach den sozialen und institutionellen Zusammenhängen, in denen Aussagen des Diskurses auftauchen, sowie nach der Organisation der Aussagen, das heißt nach den Prinzipien ihrer Anordnung. Das Forschungsinteresse richtet sich insbesondere auf die Existenz der Aussagen. Hierbei stellt es etwa folgende Fragen: Warum treten gerade diese Aussagen auf? Warum in dieser Form und in diesen Zusammenhängen? Die Diskursanalyse beabsichtigt also nicht, einen (literarischen) Text in seiner Ganzheit zu verstehen und zu interpretieren wie etwa die Hermeneutik – deren Methoden allerdings im Forschungsprozess zum Einsatz kommen können. Der Diskursanalyse geht es darüber hinaus um Diskursformationen (Strukturen, Praktiken), die sich durch die unterschiedlichsten Texte hindurchziehen können.
Im Unterschied zu anderen sozialwissenschaftlichen Ansätzen, die sich mit Sprache beschäftigen (etwa der Sprachsoziologie oder der ethnomethodologisch fundierten Konversationsanalyse) zielen sozialwissenschaftliche Diskursanalysen nicht darauf ab, den Sprachgebrauch bezüglich seiner sozialstrukturellen Formierungen zu untersuchen. Darüber hinaus geht es auch nicht darum, unter Bezug auf die von Jürgen Habermas entwickelte Diskursethik Idealbedingungen für Argumentationsprozesse zu finden. Im Mittelpunkt stehen vielmehr die institutionellen Regulierungen von Aussagepraktiken und deren performative, wirklichkeitskonstituierende Macht.
Eine Perspektive sozialwissenschaftlicher Diskursforschung, die in den letzten Jahren besondere (auch über den engeren Bereich der Sozialwissenschaften hinausgehende) Beachtung gefunden hat, ist die von dem Soziologen Reiner Keller entwickelte wissenssoziologische Diskursanalyse. Keller verbindet hierbei grundlegende Einsichten der phänomenologisch fundierten, alltagsweltlich ausgerichteten Wissenstheorie von Peter L. Berger und Thomas Luckmann mit der Diskurstheorie Michel Foucaults, um davon ausgehend gesellschaftliche Praktiken und Prozesse der kommunikativen Konstruktion, Transformation und Stabilisierung symbolischer Ordnungen mitsamt deren Folgen zu untersuchen.
Folgende Aspekte finden bei der sozialwissenschaftlichen Diskursanalyse Beachtung:
Zentrale Analysekategorien sind dabei die Diskursstränge der diskursiven Ereignisse, Diskursebenen und Diskurspositionen.
Dominique Maingueneau, Vertreter einer linguistischen Diskursanalyse in Frankreich, beschreibt vier Charakteristika einer an Foucault angelehnten Diskursanalyse:
Eine solche Diskursanalyse beschreibt des Weiteren:
Die Form der Diskursanalyse knüpft besonders an Michel Foucaults Ausführungen zur Aussage und Äußerung in der Archäologie des Wissens (1969), aber auch an Foucaults 1970 am Collège de France gehaltene Antrittsvorlesung Die Ordnung des Diskurses an.
Die Diskursanalyse stellt im Ensemble der theologischen Methoden immer noch eher eine Ausnahme dar. Kristin Merle und Stefan Meier merken an, dass sich Diskursanalysen anbieten, um in der praktischen Theologie selbstreflexiven Prozesse gesellschaftlicher Konstruktion von Wirklichkeit in den Blick zu nehmen. Diese Prozesse sind ihr nicht äußerlich, sondern Kirche und Theologie sind verwoben – insbesondere hinsichtlich Formen religiöser Kommunikation. Diskursanalysen diene dazu, die Konstitution symbolischer Ordnungen ‚innerhalb‘ und ‚außerhalb‘ der Kirche in Form von Diskursen transparent zu machen und „den Einschreibungsprozessen hinterherzuschreiben“. Raik Heckl betont das Potential der Diskursanalyse bei der Exegese biblischer Texte. Der Literaturgeschichte der Bibel liegt ein umfangreicher Traditions- und Rezeptionsprozess zugrunde, in dessen Folge Positionen und Gegenpositionen legitimiert bzw. delegitimiert werden. Biblische Texte waren demnach ursprünglich Kommunikationsmittel, um religiöse Positionen und Weltsichten zu vermitteln sowie Gruppenidentitäten zu sanktionieren. Norbert Reck schreibt in Der Jude Jesus und die Zukunft des Christentums, dass die Diskursanalyse die Funktion einer „Art Gelenk zwischen Exegese und Dogmatik“ einnehmen kann.
Die Analyse von Gesprächen und öffentlichen Diskursen kann in Einzelaspekten auf folgende Konzepte zurückgreifen: