Drosera microphylla

Drosera microphylla

Drosera microphylla

Systematik
Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Sonnentaugewächse (Droseraceae)
Gattung: Sonnentau (Drosera)
Art: Drosera microphylla
Wissenschaftlicher Name
Drosera microphylla
Endl.

Drosera microphylla ist eine Pflanzenart aus der Gattung Sonnentau (Drosera) innerhalb der Familie der Sonnentaugewächse (Droseraceae). Sie ist eine fleischfressende Pflanze.

Beschreibung

Radiärsymmetrische, fünfzählige Blüte im Detail

Vegetative Merkmale

Drosera microphylla s. l. wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von bis zu 40 Zentimetern. Sie bildet Knollen als Überdauerungsorgane. Der Stängel ist aufrecht. Die relativ kleinen Laubblätter sind rund und „pelzig“.

Die im engeren Sinn (s. str.) abgegrenzte Art bildet aus einer kugeligen, etwa 5 mm durchmessenden Knolle einen aufrechten, meist einfachen Trieb von (7–)11–32, selten bis 51 Zentimetern Höhe. Der oberirdische Spross ist rötlich bis gelblich-grün und am Grund stets rot gefärbt. Die wechselständigen Laubblätter sitzen an 4–12 mm langen Stielen und tragen eine kreisrunde, schildförmig angesetzte Spreite von 1,5 bis 3,8 mm Durchmesser, deren Oberseite dicht mit gestielten Fangtentakeln besetzt ist. Bei den meisten Populationen lösen sich die Blätter bereits vor und während der Blütezeit vom Stängel, wodurch am blühenden Trieb große blattlose Abschnitte entstehen; nur in den Populationen der Stirling Range und des Mount Lindesay bleiben die Blätter erhalten.

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von Juni bis September. Die zwittrige Blüte ist radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf relativ großen Kelchblätter sind goldfarben. Die fünf kleineren Kronblätter sind unterschiedlich gefärbt: In Populationen in der Nähe von Perth sind die Kronblätter rot, während die Kronblätter in der Nähe von Albany eher orangefarben sind; einige Pflanzenexemplare östlich von Esperance haben weiße Kronblätter.

Die einseitswendigen, schraubelartigen Blütenstände tragen meist ein bis sieben Blüten. Die fünf Kelchblätter sind 5–9 mm lang und deutlich länger als die Kronblätter. Die Kronblätter sind rötlich-orange mit dunkelrotem Grund, löffel- bis spatelförmig, tief konkav und 4,5–7,3 mm lang; der Blütendurchmesser beträgt 8–15 mm. Die fünf Staubblätter sind 2,5–3,5 mm lang, die drei vielfach verzweigten Griffel überragen seitlich die Staubblätter und sind purpurrot mit rötlich-violetten Narben. Wie bei allen Arten des Drosera-microphylla-Komplexes bleiben die Blüten mehrere Tage geöffnet, schließen sich jedoch täglich am späten Nachmittag sowie bei kühler oder regnerischer Witterung wieder; sie sind zudem geruchlos.

Ökologie

Drosera microphylla ist eine knollenbildene fleischfressende Pflanze.

Wie alle Sonnentau-Arten fängt Drosera microphylla kleine Insekten mit klebrigen Drüsenhaaren auf der Blattoberseite und gewinnt durch deren enzymatische Verdauung zusätzliche Nährstoffe für das Wachstum auf den nährstoffarmen Böden Südwestaustraliens. Eine Besonderheit ist die vegetative Vermehrung über abgeworfene Laubblätter: An mehreren Fundorten wurde beobachtet, dass aus der Blattoberseite abgefallener Blätter ein liegender Trieb hervorwächst, der bei Bodenkontakt eine neue Knolle bildet. Diese Form der Sprossbildung aus dem Blatt ermöglicht eine rasche Neubesiedlung offener, feuchter Standorte und ist unter den knollenbildenden Sonnentau-Arten bislang einzigartig.

Vorkommen

Drosera microphylla ist in Westaustralien beheimatet und wir dort „Golden Rainbow“ genannt. Sie wächst auf Granitfelsen oder in Sand- und Lateritböden.

Das bestätigte Verbreitungsgebiet erstreckt sich entlang der Südküste Westaustraliens von Walpole bis Cheynes Beach sowie durch die Stirling Range. Die Art wächst bevorzugt in moosigen, feuchten Standorten auf und nahe Granitaufschlüssen, an saisonal feuchten Sickerhängen am Rand größerer Sumpfgebiete sowie auf felsigen Bergrücken und -hängen, meist in sandigem Lehm oder Torf, teilweise mit Lateritkies. Die Blütezeit reicht von August bis Anfang Oktober.

Gefährdung

Drosera microphylla wird in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet (Least Concern) eingestuft. Die Art ist innerhalb ihres bevorzugten Lebensraums verbreitet und stellenweise häufig, kommt in zahlreichen von der westaustralischen Naturschutzbehörde Department of Biodiversity, Conservation and Attractions verwalteten Schutzgebieten vor und gilt – im Gegensatz zu mehreren nahe verwandten, teils akut gefährdeten Arten des Drosera-microphylla-Komplexes – derzeit als nicht bedroht.

Systematik und botanische Geschichte

Taxonomie

Die Erstbeschreibung von Drosera microphylla erfolgte 1837 durch Stephan Ladislaus Endlicher in S. L. Endlicher et al.: Enumeratio Plantarum Omnium Hucusque Cognitarum, ..., Seite 6. Der Artname microphylla (griechisch für „kleinblättrig“) bezieht sich auf die kleinen Laubblätter dieser Art.

Botanische Geschichte

Im Jahr 1848 beschrieb Jules Émile Planchon als neue Art Drosera calycina, die später als Synonym von Drosera microphylla geführt wurde. George Bentham beschrieb 1864 die neue Varietät Drosera calycina var. minor; auch dieses Taxon wurde zu einem Synonym von Drosera microphylla. Schließlich beschrieb Ludwig Diels in seiner 1906 erschienenen taxonomischen Monographie der Familie der Droseraceae ebenfalls die neue Varietät Drosera microphylla var. macropetala, die später ebenfalls zu einem Synonym wurde. Doch diese sehr ähnlichen Formen stellen 2023 eigene Arten dar (siehe Art-Komplex).

Art-Komplex

2023 wurde gezeigt, dass es sich um einen Komplex von sehr ähnlichen Arten, den Drosera microphylla-Komplex in der Sektion Drosera section Ergaleium (DC.) Planch. aus der Untergattung Drosera subgenus Ergaleium in der Gattung Drosera innerhalb der Familie Droseraceae handelt. Dazu gehören die neun Arten:

Literatur

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Biodiversity and Conservation Science Western Australian Herbarium: Florabase—the Western Australian Flora. Abgerufen am 23. Januar 2023 (englisch).
  2. 1 2 Peter D’Amato, 1998: The Savage Garden: Cultivating Carnivorous Plants. Ten Speed Press: Berkeley, California. pp. 158.
  3. 1 2 The Carnivorous Plant FAQ: The tuberous erect and scrambling Drosera. Abgerufen am 23. Januar 2023.
  4. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 Thilo Krueger, Alastair Robinson, Greg Bourke, Andreas Fleischmann: Small Leaves, Big Diversity: Citizen Science and Taxonomic Revision Triples Species Number in the Carnivorous Drosera microphylla Complex (D. Section Ergaleium, Droseraceae). In: Biology. Band 12, Nr. 1, Januar 2023, ISSN 2079-7737, S. 141, doi:10.3390/biology12010141, PMID 36671833, PMC 9855878 (freier Volltext) – (mdpi.com [abgerufen am 13. Januar 2024]).
  5. ↑ Adam Cross: Drosera microphylla. In: The IUCN Red List of Threatened Species 2018. 2018, abgerufen am 13. Januar 2024 (englisch).
  6. ↑ Jan Schlauer, 2023: in der Suchmaske das Taxon eingeben bei International Carnivorous Plant Society = ICPS, zuletzt abgerufen im Januar 2024.
Commons: Drosera microphylla – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien