Drosera macropetala

Drosera macropetala

Drosera macropetala

Systematik
Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Sonnentaugewächse (Droseraceae)
Gattung: Sonnentau (Drosera)
Art: Drosera macropetala
Wissenschaftlicher Name
Drosera macropetala
(Diels), T.Krueger & A.Fleischm.

Drosera macropetala ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Sonnentaue (Drosera). Diese fleischfressende Pflanze gehört zu den Knollen bildenden Sonnentauen der Sektion Ergaleium und ist ein Endemit im Südwesten von Westaustralien. Sie ist nur von der Dandaragan-Hochebene (Dandaragan Plateau) nördlich von Perth bekannt. Auffälligstes Merkmal sind die vergleichsweise großen, weißen, am Grund tiefroten Kronblätter, denen die Art ihren Namen verdankt. Das Taxon wurde 1906 von Ludwig Diels als Varietät von Drosera microphylla beschrieben, in der Folge über ein Jahrhundert lang als deren Synonym behandelt und erst 2023 in den Rang einer eigenen Art erhoben.

Beschreibung

Habitus und Knolle

Drosera macropetala wächst als ausdauernde, krautige Pflanze und erreicht zur Blütezeit eine Gesamthöhe von meist 15 bis 38 Zentimetern (in Extremfällen 12 bis 44 Zentimeter), jeweils einschließlich des Blütenstands. Als Überdauerungsorgan dient eine annähernd kugelige Knolle von 8 bis 15 Millimetern Durchmesser, die von schwarzen, papierartigen Hüllen der Vorjahre umgeben ist. Sie sitzt am Ende eines unterirdischen Stängelabschnitts von 4,2 bis 6,8 Zentimetern Länge, der von einer braunen, faserigen Hülle aus Resten früherer Stängel und Wurzeln umschlossen wird. Die wenigen, faserigen Wurzeln entspringen seitlich an diesem unterirdischen Abschnitt, meist unmittelbar oberhalb der Knolle. Aus einer Knolle können zwei bis fünf Stängel hervorgehen.

Der oberirdische Stängel ist aufrecht, selbsttragend, unverzweigt, stielrund, kahl und leicht zickzackförmig gebogen. Er wird 8 bis 37 Zentimeter hoch, ist gelblich grün oder gelegentlich rot und im unteren Bereich über dem Boden stets rot gefärbt. An seinem unteren Teil stehen vier bis neun pfriemliche, rote bis orangegelbe Niederblätter (Kataphylle) von 1,5 bis 3,5 Millimetern Länge.

Laubblätter

Die Laubblätter sind wechselständig am Stängel verteilt und deutlich gestielt. Im unteren Stängelbereich stehen sie einzeln an den Knoten. In den oberen Stängelabschnitten dagegen sitzen an einem Teil der Knoten (in der Regel 15 bis 50 Prozent der Blätter, in Einzelfällen bis zu 65 Prozent, bei manchen Pflanzen auch keines) zusätzlich zwei wesentlich kürzere Achselblätter, sodass an diesen Knoten drei Blätter beieinanderstehen. Zur Blütezeit sind 10 bis 18 beblätterte Knoten vorhanden. Der stielrunde, halb aufrechte Blattstiel ist kahl, 10 bis 30 (selten bis 45) Millimeter lang und nach unten leicht, nahe der Spitze deutlich gebogen. Die Blattspreite ist schildförmig (peltat) angesetzt, kreisrund oder kreisrund mit leicht abgeflachtem oberem Seitenrand, schwach gewölbt und misst 2,6 bis 3,6 Millimeter in der Länge und 2,8 bis 4,4 Millimeter in der Breite. Ihre Oberseite ist mit gestielten, ein Verdauungssekret abgebenden Drüsenköpfchen (Tentakeln) besetzt, die am Rand 2 bis 6 Millimeter lang sind und zur Blattmitte hin kürzer werden; die Unterseite ist kahl. Die Achselblätter haben 3 bis 7 (selten bis 9) Millimeter lange Stiele und gleich geformte, etwas kleinere Spreiten von 1,9 bis 3,0 Millimetern Länge und 2,1 bis 3,1 Millimetern Breite.

Blütenstand und Blüte

Der endständige, einfache Blütenstand ist ein einseitswendiger Wickel von 3,5 bis 7,5 Zentimetern Länge mit zwei bis acht Blüten; der Schaft ist 1,3 bis 4,2 Zentimeter lang. Die Blütenstiele sind zur Fruchtzeit aufrecht und 6 bis 24 Millimeter lang. Die Tragblätter sind löffel- bis schmal eiförmig oder pfriemlich, 1,9 bis 4,0 Millimeter lang und kahl.

Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig. Die fünf Kelchblätter sind 7 bis 12 Millimeter lang und 3,0 bis 5,3 Millimeter breit, gelblich braun bis rot, auf der Außenseite mikroskopisch fein drüsig und oft mit winzigen schwarzen Punkten versehen; zur Blütezeit sind sie häufig zurückgeschlagen. Die Krone erreicht einen Durchmesser von 13 bis 22 Millimetern (in Extremfällen ab 11 Millimetern). Die fünf Kronblätter sind verkehrt eiförmig bis sehr breit verkehrt eiförmig, stark hohl (becherartig gewölbt), 6,5 bis 11 Millimeter lang sowie 4,5 bis 7,5 Millimeter breit und damit die größten Kronblätter im Verwandtschaftskreis von Drosera microphylla. Sie sind weiß und besitzen einen tiefroten Grund. Die fünf Staubblätter sind 3,3 bis 4,9 Millimeter lang; die Staubfäden sind zur Spitze hin deutlich verbreitert (bis 0,9 Millimeter), im unteren Teil tiefrot und im oberen weiß oder rot. Die Staubbeutel sind orange bis rötlich orange, selten blassgelb, der Pollen ist gelb. Der verkehrt eiförmige, dreikammerige Fruchtknoten ist tiefrot. Er trägt drei sehr dunkelrote Griffel von 1,2 bis 1,6 Millimetern Länge, die sich dicht über der Basis in wenige fadenförmige Abschnitte teilen, welche sich erneut vielfach verzweigen und so einen gedrängten Büschel bilden; er überragt die Staubfäden seitlich nicht. Die Narben sitzen an den Enden der Griffelabschnitte und sind sehr dunkelrot.

Die Blüten öffnen sich über mehrere Tage und schließen sich jeweils nachts; dies gilt für den gesamten Verwandtschaftskreis von Drosera microphylla, und schon der Sammler James Drummond vermerkte, dass sich die Blüten dieser Art nachts oder bei Regenwetter schließen. An einer Pflanze sind häufig drei bis fünf Blüten gleichzeitig geöffnet. Als Blütenbesucher wurde ein Käfer aus der Familie der Blatthornkäfer (Scarabaeidae) beobachtet. Die Blütezeit liegt im August.

Samen

Die Samen sind schmal verkehrt dreieckig bis schmal verkehrt eiförmig, im Umriss schmal kegelförmig mit einer leichten Verdickung im unteren Teil, am oberen Ende gestutzt und am unteren Ende stumpf bis spitz („nadel“- oder „nagelförmig“). Sie sind 1,7 bis 2,0 Millimeter lang und 0,3 bis 0,5 Millimeter breit; die Samenschale ist schwarzbraun, oft mit hellbraunen Enden, und mehr oder weniger gleichmäßig netzartig strukturiert.

Vorkommen

Drosera macropetala ist von der Dandaragan-Hochebene zwischen Dandaragan und Mogumber bekannt, etwa 100 bis 150 Kilometer nördlich von Perth. Die Art scheint auf die oberen Hänge lateritischer Hügel beschränkt zu sein, wo sie in niedriger Heide (Kwongan) auf schlecht entwässertem, sandigem Lehm mit Laterit wächst. Möglicherweise kommt sie auch in offenem Eukalyptuswald („White Gum“) vor, wie er in historischen Angaben beschrieben wird. Die Typuskollektion stammt nach der Rekonstruktion von Krueger und Mitarbeitern aus einem Weißgummi-Wald etwa vier Meilen nördlich des damaligen „Dundaragan“, also rund 15 Kilometer nördlich der heutigen Ortschaft Dandaragan, und damit nahe den heutigen Fundorten.

Gefährdung und Schutz

Die Art wurde im August 2020 von zwei Beobachterinnen gefährdeter Pflanzenarten, Gail und Dannielle Reed, bei Dandaragan wiederentdeckt, nachdem sie seit 1904 nicht mehr dokumentiert worden war. Die von ihnen in einem sozialen Netzwerk veröffentlichten Fotos erkannten die Autoren der Revision sofort als bislang unbekanntes Taxon. Gezielte Nachsuchen in den Jahren 2020 bis 2022 ergaben vier (Teil-)Populationen in einem einzigen, sehr schmalen Streifen ungeschützter Restvegetation entlang einer Straße, die zwischen vollständig gerodeten Landwirtschafts- und Siedlungsflächen verläuft. Die Populationen umfassen zwei bis etwa 200 geschlechtsreife Pflanzen; insgesamt werden rund 500 erwachsene Individuen geschätzt. Ob die letzte, 1904 von Alexander Morrison bei Mogumber dokumentierte Population noch existiert, ist unbekannt.

Das Verbreitungsgebiet (extent of occurrence) wird auf etwa 200 km², die tatsächlich besiedelte Fläche (area of occupancy) auf etwa 16 km² geschätzt. Beide Werte wären bei einem Erlöschen der Population von Mogumber kleiner als 10 km². Die Autoren der Revision schätzen die Art nach den Kriterien der IUCN als „stark gefährdet“ (Endangered, EN) ein und empfehlen ihre Aufnahme in die „Priority Flora List“ von Westaustralien als „Priority One“ (unzureichend bekannte Art). Die Art kommt auf keinem von der westaustralischen Naturschutzbehörde (DBCA) verwalteten Land vor und ist daher durch künftige Rodungen, Straßenbau- und Pflegemaßnahmen, Veränderungen des Wasserhaushalts und die Ausbreitung von Unkräutern bedroht. Als mögliche zusätzliche Gefahr wird illegales Sammeln für den Handel mit Raritäten unter Liebhabern fleischfressender Pflanzen genannt.

Systematik

Erstbeschreibung und Namensgeschichte

Die Erstbeschreibung erfolgte 1906 durch Ludwig Diels in seiner Monographie der Sonnentaugewächse in Das Pflanzenreich als Drosera microphylla var. macropetala. Er stützte sie auf Material des australischen Sammlers James Drummond (Sammlung VI, Nr. 109, 1850 oder 1851 gesammelt) und hob die größeren Kronblätter hervor, die im getrockneten Zustand blass (weißlich) sind. Drummond selbst hatte die lebende Pflanze als die schönste Art der Gattung bezeichnet und ihre weißen Blüten mit karminrotem „Auge“ und karminroten Adern treffend beschrieben; diese Angaben blieben Diels offenbar unbekannt. Die Farbe der lebenden Kronblätter wurde in der Folge nicht erkannt, obwohl die rötliche Kronblattbasis an vielen der etwa 140 erhaltenen Exemplare der Typusaufsammlung noch sichtbar ist.

Neville Marchant und Mitarbeiter stellten die Varietät später als Synonym zu Drosera microphylla. Ein von Marchant handschriftlich verwendeter Name Drosera calycina var. macropetala wurde nie gültig veröffentlicht (Nomen nudum). Fotografien lebender Pflanzen gab es fast 150 Jahre lang nicht.

Erhebung zur Art und Typifizierung

Im Jahr 2023 revidierten Thilo Krueger, Alastair Robinson, Greg Bourke und Andreas Fleischmann den Verwandtschaftskreis von Drosera microphylla. Dabei klärten sie die Identität der Varietät, wählten einen Lectotypus aus und erhoben sie als Drosera macropetala (Diels) T.Krueger & A.Fleischm. in den Artrang. Als Lectotypus bestimmten sie den Herbarbeleg B 100755976 im Herbarium des Botanischen Museums Berlin (Kürzel B), der einen Bestimmungszettel von Diels’ Hand trägt; Weitere Duplikate der Aufsammlung (Isolectotypen) liegen in mehreren europäischen und australischen Herbarien. Zuvor genannte „Typen“ waren nach den Regeln des Internationalen Codes der Nomenklatur für Algen, Pilze und Pflanzen keine gültigen Lectotypisierungen.

Stellung innerhalb der Gattung

Drosera macropetala gehört zur Sektion Ergaleium (Knollensonnentaue), der mit 71 Arten größten und morphologisch vielfältigsten Entwicklungslinie der Gattung. Innerhalb dieser Sektion zählt sie zum Drosera microphylla-Komplex. Dessen Arten sind aufrecht wachsende, frei stehende Knollenpflanzen mit langgestielten, schildförmigen, wechselständigen Blättern, endständigen Blütenständen, großen Kelchblättern und stark hohlen Kronblättern. Der Komplex umfasst seit der Revision neun Arten: Drosera atrata, Drosera calycina, Drosera esperensis, Drosera hortiorum, Drosera koikyennuruff, Drosera macropetala, Drosera microphylla, Drosera reflexa und Drosera rubricalyx.

Die nächsten morphologischen Ähnlichkeiten bestehen zu Drosera calycina, Drosera hortiorum und Drosera rubricalyx; von diesen unterscheidet sich Drosera macropetala – auch an Herbarmaterial – zuverlässig durch die weiße Kronblattfarbe mit tiefrotem Grund. Von Drosera calycina trennen sie zudem die Achselblätter an den oberen Knoten, die kreisrunde statt nierenförmige oder oben abgeflachte Blattspreite und die geraden, nadelförmigen statt abgeflacht-sichelförmigen Samen. Gegenüber Drosera hortiorum ist die Krone mit 13 bis 22 Millimetern deutlich größer (dort 8 bis 11 Millimeter) und die Staubfäden sind stärker zur Spitze verbreitert. Von Drosera rubricalyx unterscheidet sie sich durch breitere Kronblätter, längere Blütenstandsschäfte und ebenfalls stärker verbreiterte Staubfäden. Weiße Kronblätter besitzt innerhalb des Komplexes auch die ostwärts bei Esperance vorkommende Drosera esperensis; sie bildet jedoch dichte, mattenartige Kolonien, hat meist ausschließlich einzelne Blätter, linealische Staubfäden und weiße Griffel mit rotem Grund.

Auch Drosera atrata, Drosera hortiorum und Drosera rubricalyx besitzen in den oberen Knoten kürzer gestielte Achselblätter, bei Drosera atrata stehen sie jedoch an allen Knoten.

Etymologie

Das Artepitheton macropetala ist aus dem griechischen makro- für „groß“ und dem lateinischen petalum für „Kronblatt“ gebildet und bezieht sich auf die vergleichsweise großen Kronblätter der Art, die mit bis zu 11 Millimetern Länge und 7,5 Millimetern Breite die größten im Drosera microphylla-Komplex sind.

Belege

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 Thilo Krueger, Alastair Robinson, Greg Bourke, Andreas Fleischmann: Small Leaves, Big Diversity: Citizen Science and Taxonomic Revision Triples Species Number in the Carnivorous Drosera microphylla Complex (D. Section Ergaleium, Droseraceae). In: Biology. Band 12, Nr. 1, 2023, Artikel 141, doi:10.3390/biology12010141 (Volltext, Open Access).
  2. ↑ Ludwig Diels: Droseraceae. In: Adolf Engler (Hrsg.): Das Pflanzenreich. Regni vegetabilis conspectus. Heft 26 (IV. 112), Wilhelm Engelmann, Leipzig 1906, S. 121.

Literatur