
Die Oiraten sind westmongolische Stämme, die zu Zeiten Dschingis Khans weite Teile Zentralasiens kontrollierten, vom 15. bis zum 17. Jahrhundert die Stammeskonföderation Dörben Oirat bildeten und 1640 das Dsungarische Khanat gründeten, das ab 1757 wieder zerfiel. Die Gebiete der Oiraten wurden danach vom chinesischen Qing-Reich und von Russland erobert.
Die Oiraten wurden oft auch Dsungaren genannt. Gelegentlich wechselt die Umschrift des Wortes zu „Oyraten“.
Ungenauerweise wurden bzw. werden die Begriffe Oiraten und Oiroten gelegentlich synonym verwendet. Mit dem geschichtlichen Begriff Oiroten wurde sowjetamtlich ein Teil der Einwohner der heutigen russischen Teilrepublik Altai bezeichnet (1922 bis 1948 Oirotisches Autonomes Gebiet, Hauptort Gorno-Altaisk). Die Sowjets bezeichneten nur die altaiischen Stämme als Oiroten, nicht aber die Dsungaren oder Kalmyken. Die Altaier waren bis zuletzt Untertanen der Dsungaren, ohne selbst Westmongolen zu sein.
Die Hauptstämme der Oiraten lebten ursprünglich südlich des Altaigebirges:
In diesen weit ausgedehnten Gebieten lebten weit zahlreicher, aber unterworfen Tibeter, Uiguren, Kirgisen und Kasachen.
Kleinere Stämme waren Khoid, Bayad, Myangad, Zachtschin und Baatud.
In der Geschichte Kasachstans wird die Zeit der oiratischen Herrschaft als zweite Mongolenzeit oder als „Großes Unglück“ bezeichnet.
Die Oiraten bildeten kein einheitliches Reich – die Stammes-Konföderation Dörben Oirat war in den 1630er Jahren zerfallen – und jeder Stammesfürst agierte selbstständig.
Die später zu den Oiraten gehörenden Stämme sind etwa seit 1200 südlich des Altaigebirges nachweisbar, wurden dort von Dschingis Khan unterworfen und beteiligten sich an der mongolischen Expansion im 13. Jahrhundert. Nach dem Rückzug der Mongolen aus China 1368 lebten sie wieder in der Umgebung des Altai. Dort bildeten sie die Stammes-Konföderation Dörben Oirat.
Es folgte eine lange Phase von Konflikten zwischen den verschiedenen mongolischen Stammesverbänden um die Vorherrschaft, bei denen die Oiraten unter Esen Tayishi (1439/40–55) zeitweilig zur dominierenden Macht wurden. Später wurden sie von den ostmongolischen Khalkha-Mongolen unter Dayan Khan geschlagen. In der Folgezeit von 1600 bis 1630 wanderte die meisten Oiraten aus ihrer Heimat aus.
Ab 1640 vereinte das Dsungarische Khanat die Oiraten, expandierte und führte Kriege mit den Nachbarn. Dies nutzte die chinesische Armee 1715–24 zur Expansion nach Westen: das Choschuten-Khanat wurde beseitigt, die südlichen Teile des Hochlandes von Tibet wurden zum chinesischen Protektorat unter den Dalai Lamas, die Dsungaren mussten sich 1720 aus dem westlichen Tibet zurückziehen.
Schließlich wurde das Dsungarische Khanat ab 1745 von China im Osten und den Kasachen im Westen besiegt. Die Oiraten aus dem heutigen Kasachstan flüchteten entweder nach Osten in die nun chinesisch beherrschte Dsungarei oder zu den westlichen Kalmücken. Durch diese Ereignisse wurden die Kalmücken im Westen räumlich etwa 2000 Kilometer weit von den übrigen Oiraten im Osten getrennt.
Anfang 1771 beschloss eine Mehrheit der Kalmücken, ins alte Siedlungsgebiet am Altai zurückzukehren. Bis 1786 zogen sie gegen den Widerstand der Kasachen unter starken Verlusten durch Kasachstan, nur 66.000 von über 169.000 Menschen erreichten den Fluss Ili.
Die ersten historischen Erwähnungen über die Oiraten finden sich in der Geheimen Geschichte der Mongolen und bei dem persischen Historiker Raschīd ad-Dīn (1247–1318).
Um 1200 lebten sie am oberen Jenissei von Jagd und Weidewirtschaft. Bei der Bildung des Mongolischen Reiches 1206 unterwarf sich der Oirate Hutuha Beki, ein einstiger Verbündeter des Jamukha Gurkhan, dem Dschingis Khan und half diesem in mehreren Kämpfen und Verhandlungen bei der Befriedung der Wald- und Hirtenvölker in der Taiga bis hin zum Irtysch (1207–1208). Dschingis Khan verheiratete zum Dank zwei Prinzessinnen mit zwei Söhnen Hutuhas, darunter seine Tochter Kökögän. Hutuhas Herrschaftsgebiet wurde zwar Dschötschi, Dschingis Khans Sohn, unterstellt, konnte aber seine Eigenständigkeit halten.
In der Folge hatten die Oiratenfürsten aufgrund der Heiratsbeziehungen einen besonderen Status unter den Mongolen, den sie mit nur einem Dutzend Familien teilten. Aufgrund ihrer gehobenen Stellung konnten sie Mitte des 13. Jahrhunderts etwas südlich ziehen und das Territorium der Dsungarei besetzen, die bis zu diesem Zeitpunkt von westmongolischen Gruppen der Naimanen bewohnt war. In der Nachbarschaft siedelten weitere westmongolische Stämme, die Keraiten am Fluss Selenga und an den Hängen des Changai-Gebirges, und die Merkiten nördlich davon. Gemeinsam mit den zugezogenen Oiraten bildeten die drei ansässigen westmongolischen Bevölkerungsgruppen den Grundstock des Volkes, das später als Oiraten bezeichnet wurde.
Trotz ihrer Privilegien blieben auch die Oiraten von der mongolischen Heeresorganisation nicht verschont, um 1337/38 vermerkt man z. B. einen oiratischen Truppenteil im Iran, der schon fast hundert Jahre vorher dorthin gekommen war.

Die Oiraten waren bereits vor der Zeit des von Dschings Khan gegründeten Mongolischen Reiches eine Konföderation verschiedener Stämme. Erst nach der Gründung des Mongolischen Reiches gründete sich die Stammeskonföderation der Dörben Oirat aus den vier o. g. Hauptstämmen. Allerdings besteht in der Literatur keine Einigung darauf, wie und wann die Konföderation genau entstanden ist.
Nach dem Ende der Yuan-Dynastie und dem Abzug der Mongolen aus China 1368 lebten Westmongolen wieder als Pferdezüchter am Altai-Gebirge. Dort bildeten sie eine Stammes-Konföderation, die bis 1636 bestand. Die Angehörigen dieser Konföderation wurden als Oiraten bezeichnet, von mongolisch Oirad (oiratisch/kalmückisch Öörd). Eine andere Bezeichnung „Dsungaren“ von mongolisch: Dschüün Ghar („linker Flügel“) bezeichnete ursprünglich alle Oiraten, wurde aber seit dem 17. Jahrhundert in anderen Sprachen nur noch für den Teilstamm der Chorosen verwendet. Eine weitere Alternativbezeichnung „Kalmücken“ ist bereits seit dem 14. Jahrhundert nachweisbar. Daraus entwickelte sich der russische Name kalmyk, der sich später als Begriff für die weit im Westen lebenden Gruppen etablierte. Möngke-Temür, ein hoher Würdenträger der Yuan, wurde 1368 erster Anführer der Oiraten, ihm folgten Mahamu (Mahmud), Taiping und Batu-bolad.
Dörben Oirat spielte in den schwer zu entwirrenden Konflikten (u. a. Tod des Mongolen-Khans Elbeg) kurz nach 1400 eine führende Rolle in der Mongolei. So setzte der Oiratenführer Batula (auch: Mahamu) z. B. den Khan Delbeg (reg. 1411–1414/15) in sein Amt ein. Als der Ming-Kaiser Yongle 1409 von den Mongolen unter Öljei Temür Khan (dem Khan der Nördlichen Yuan) die Anerkennung seiner Oberherrschaft verlangte, wurde ihm dies von den Oiraten verweigert. Im nächsten Jahr konnten die Oiraten eine Streitmacht der Ming noch abwehren, doch 1412 zwangen starke Streitkräfte unter Yongle den Khan zur Flucht nach Westen zur Tula, wo er getötet wurde. In der Folgezeit stritten die mongolischen Stämme um die Vorherrschaft.
Den Aufstieg der Oiraten erschütterte das nur kurz. Sein Sohn Toghan und dessen Sohn Esen Taiji behaupteten einen Einflussbereich vom Ili (wo man mehrmals erfolgreich gegen die Tschagatai-Khane zu Felde zog) bis an die Grenze Chinas; bei den Dschingisiden verblieb kaum mehr als die nominelle Herrschaft über die Mongolei. Schon Toghan Taiji soll kurz vor seinem Tod 1439 versucht haben, sich selbst zum Khan zu machen. Im selben Jahr folgte ihm Esen Tayishi als Führer der Chorosen und der Oiraten. Unter seiner Führung eroberten die Oiraten auch den Rest der Mongolei, indem sie u. a. die Jurchen und die Urianchai unterwarfen und die Kontrolle über die Oase Hami an der Seidenstraße übernahmen, zwischen den Wüsten Gobi und Takla Makan.

1449 nahm Esen Taiji den Ming-Kaiser Zhengtong nach einem Sieg bei Tumu gefangen (Tumukrise). Er konnte seinen Erfolg aber nicht weiter ausnutzen und musste sich mit einem Lösegeld begnügen.
Danach forderte Esen Tayishi den nominellen Mongolen-Khan der Nördlichen Yuan, Toyto Bugha (seinen Schwager, reg. 1439–1452) auf, seine Nachfolge zugunsten der Oiraten zu regeln. Der weigerte sich und bezahlte die sich anschließende Auseinandersetzung mit dem Leben, so dass sich Esen Tayishi, obwohl kein Dschingiside, nun selbst zum Khan machte. Bereits 1455 starb er in einem inner-oiratischen Konflikt.
Esen Taijis Nachfolger war – gemäß dem Verfasser des Geschichtswerks Tārīḫ-i Rašīdī (تاريخ رشيدى), Mirza Muhammad Haidar Dughlat – sein Sohn Amasandji. Aber die Oiraten scheinen zu dieser Zeit trotz äußerer Erfolge (großer Sieg über die Usbeken 1456/57, ein weiterer über den Tschagatei-Khan Yunus) den familiären bzw. den inneren Zusammenhalt verloren zu haben.
1468 besiegte die Streitmacht der Nördlichen Yuan (vgl. Manduchai) unerwartet die Oiraten, die unter verschiedenen Anführern in mehrere Richtungen auseinanderzogen. Das bedeutete das Ende des Dörben Oirat. Die Oiraten waren nun über weite Entfernungen verteilt, trotzdem pflegten sie untereinander enge Beziehungen. Ab 1640 war die Mehrheit der Oiraten im Dsungarischen Khanat wieder vereint, s. u.
Ab 1480 drängten die Ostmongolen unter Manduchai und Batu-Möngke Dayan Khan die Oiraten nach Westen; unter Dayan Khan erneuerte sich die Dschingisiden-Herrschaft der Nördlichen Yuan, die die Vorherrschaft unter den Mongolen errangen.
Eine Reihe von Niederlagen gegen die Mongolenfürsten (Altan Khan von den Tümed 1552 ff., Abdai Khan von den Khalka 1577 ff.) stellte die Oiratenstämme Ende des 16. Jahrhunderts vor die Alternative der Unterwerfung oder Abwanderung. Viele ihrer Anführer lebten zu dieser Zeit am Irtysch verstreut, und ca. 1603 durchstreiften ihre Spähtrupps bereits das Land bis zum Khanat Chiwa am Aral-See. Interne Streitigkeiten bei den Mongolenfürsten gaben den Oiraten im frühen 17. Jahrhundert zwar noch einmal Luft, und sie konnten sich 1606, 1623 und 1628/9 siegreich gegen die Khalka behaupten, aber die Abwanderung war unumkehrbar geworden.
Die Oiraten-Allianz machte mehrere Versuche, den inneren Frieden zu wahren. So beriefen die Fürsten 1616/7 und 1640 große Versammlungen ein, beschlossen ein gemeinsames Vorgehen gegen die Khalka oder erließen Verordnungen, erreichten aber keine bleibende Zusammenarbeit unter den beteiligten Stämmen. Zum Beispiel brach 1625 unter den Oiraten ein Stammeskonflikt aus: ihr nominelles Oberhaupt Baibagas (gest. ca. 1630), der Tayishi der Choschuten, wurde von seinem Bruder Chokur besiegt. Die anderen Führer suchten im Interesse der Einheit zunächst zu vermitteln, vernichteten aber 1630 schließlich Chokurs Gruppe am Ural-Fluss.
Außer den vier bereits o. g. Stämmen werden mitunter werden noch die von den Dürbeten abhängigen Khoit erwähnt.
Die Fürsten der Stämme beriefen sich z. T. auf eine unterschiedliche Herkunft. Zwar waren die Anführer der Chorosen, Dürbeten und Khoit alle verwandt, und ihr Clanname war Khoros, aber die Führer der Choschuten beriefen sich auf die Abstammung von Dschötschi Qasar, einem Bruder Dschingis Khans, und die Torguten-Führer sogar auf die alten Kerait-Khane.
Um 1615 nahmen die Oiraten den tibetischen Buddhismus an, so dass selbst die Torguten-Aristokratie im Westen buddhistisch wurde und ihre Söhne in Klöster bzw. bis nach Tibet schickte. Zum Beispiel pilgerte der Torguten-Prinz Daichin zweimal nach Tibet. Auch studierte Zaya Pandita (1599–1662), ein Adoptivsohn des Choschuten-Taijis Baibagas ab 1616 in Tibet und verbreitete nach seiner Rückkehr 1639 durch seine Reisen den Buddhismus unter den Stämmen.

Die innen- und außenpolitischen Umstände führten 1640 im Treffen am Imil-Fluss zu einer Neuformierung: Khungtaidschi Batur gründete einen neuen Oiratenstaat – das Dsungarische Khanat – und führte seine Horde 1643 in das Ili-Gebiet (Siebenstromland). Diese Oiratengruppe wurde fortan auch als Dsungaren bezeichnet und beanspruchte damals die Oberhoheit über die anderen Gruppen.
Sein Sohn Galdan besetzte Kaschgarien und wandte dann seine Aufmerksamkeit auf die innermongolischen Gebiete und ihre Oberherren, die Qing-Dynastie – doch hier scheiterte er. Im Jahr 1696 blieben die Truppen des Qing-Kaisers Kangxi (1661–1722) an der Tula bei Zuunmod siegreich, Galdans Frau fiel, und der Khan beging wohl Selbstmord.
Die Oiratenzeit war aber noch nicht zu Ende. Galdans verfeindeter Neffe Tsewangrabtan kam an die Macht, hielt mit China zunächst Frieden und griff stattdessen ab 1698 die Kasachen unter Tauke an. Im Jahr 1717 erschien Tsewangrabtans Armee in Lhasa (Tibet), wo er den Regenten Lhabzang der Choschuten tötete. Dies löste 1720 einen siegreichen Einmarsch der Qing-Armee in Tibet aus. Eine weitere Qing-Armee marschierte gegen die Dsungarei und siegte bei Ürümqi (1720), so dass Tsewangrabtan 1724 Frieden schließen musste. Gegen die besser bewaffneten Russen blieben die Dsungaren aber 1720 bei Zaisan erfolgreich.
Tsewangrabtan konzentrierte sich hauptsächlich auf die Nachbarn im Westen. Die Kasachen hatten besonders darunter zu leiden. Mit der Niederlage der Kasachen 1718 am Fluss Ajagus (am Balchaschsee) beginnt dort die Zeit des „Großen Unglücks“. Aber auch seine Beziehungen zu den Torghuten des Khan Ayuki (reg. 1670–1724) waren nicht die besten – dort endete eine politische Heirat im Konflikt.

Unter Tsewangrabtans Sohn Galdan Tsereng (1727–1745) setzte sich dessen Politik fort, danach kam es zu inneren Streitigkeiten. 1754 hatten die Qing-Dynastie den Khoit-Fürsten Amarsanaa als Herrscher eingesetzt, der sich aber mit Unterstützung sämtlicher Stämme gegen sie wendete; er wurde besiegt und starb im Exil in Tobolsk. Dabei bzw. danach richteten die Chinesen zur Verhinderung neuer Aufstände ein Massaker unter den Dsungaren an, die Opferzahlen liegen im sechsstelligen Bereich (1757/58).
Das Ili-Gebiet bzw. das ganze heutige Xinjiang gehört seitdem zu China.
Der Begriff Dsungaren (d. h. linker Flügel) wurde künftig von der chinesischen Historienschreibung in Ölöten bzw. Olöten geändert bzw. seine Benutzung verboten. Auch in Europa verwendete man die chinesische Bezeichnung für das Dschungarenreich.
Noch heute existieren verstreute oiratische Ethnien in der Mongolei, China, Russland (vor allem in der Kalmückischen Republik) und Kirgisistan. Von den Sprechern der oiratischen Sprachen leben:.
Jüün Ghar bzw. Dsungaren:
Khoshuud bzw. Qoshoten in Tibet:
Torghuud bzw. Kalmücken an der Wolga: