Liste der Dienstgrade und Truppengattungen in der römischen Armee
Die Dienstgrade und Truppengattungen in der römischen Armee werden, soweit bekannt, aufgelistet. Der Zeitraum umfasst die Republik, die Kaiserzeit sowie die Spätantike.
Magister militum; Oberbefehlshaber eines Verbandes der Comitatenses oder einer der Hofarmeen in der Spätantike. In diesem Sinne ranghöchster Offizier in der spätrömischen Armee (in Teilen der Fachliteratur auch als „General“ bezeichnet).
Rangniedere Offiziere und Unteroffiziere
Rangniedere Offiziere und Unteroffiziere werden als Principales bezeichnet. Zu ihnen gehören:
Actuarius; Unteroffizier in der Funktion eines Proviantmeisters für die Truppenversorgung verantwortlich. In der Spätantike waren die Actuarii nur noch reine Zivilbeamte.
Biarchus; ein spätantiker Unteroffiziersrang der zwischen dem Circitor und dem Centenarius stand. Ein Verpflegungsunteroffizier der wohl gleichzeitig Führer eines Contuberniums war oder sein konnte.
Cornicularius; Er wurde als Ordonnanzoffizier eingesetzt und führte in dieser Funktion den Verwaltungsstab ranghöherer Offiziere. Im Dienstgrad stand er unter einem Legionszenturio und über dem Actuarius.
Decanus; in späterer Nachfolge des Decurios als „Zehnschaftsführer“ für ein achtköpfiges Contubernium verantwortlich. Später wird aus dem Decanus ein niederer Beamtenrang.
Decarchus; während der Spätantike in der Nachfolge des Decanus als „caput contubernium“ für ein achtköpfiges Contubernium verantwortlich.
Decurio; in der Frühzeit der Republik der Führer einer Gruppe von zehn Legionären (Infanterie) bzw. Reitern, (später: siehe Offiziere)
Imaginifer; in der Kaiserzeit der Träger eines Bildnisses des herrschenden Kaisers
Optio ad spem (ordinis)/Optio spei; ein ranghöherer Optio centuriae, der als Kandidat auf die nächste freie Stelle als Centurio wartete und diesen vertreten konnte. Es gab eine Vielzahl von Optio-Rängen wie den Optio scholae, die auch in Form von ad hoc optiones als Sonderaufgaben an einfache Soldaten vergeben werden konnten.
Tesserarius; der Leiter der Wachstube einer Centurie
Trecenarius; eine militärische Rang- oder Funktionsbezeichnung, die insbesondere im Zusammenhang mit den Speculatores belegt ist. Die genaue Stellung und Funktion des Trecenarius sind umstritten.
Vexillarius; der Träger des Vexillums (ein Feldzeichen, das von verschiedenen Einheiten verwendet wurde)
Mannschaften
Zur Zeit der Republik wurden die römischen Bürger durch den Zensus in Einkommensklassen unterteilt. Da sich der Wehrpflichtige seine Waffen und Ausrüstung selbst beschaffen musste, bestimmte der Zensus auch die Zuordnung zum jeweiligen Truppenteil, die dann je nach Vermögen der Soldaten unterschiedlich gut ausgerüstet waren. Die Soldaten wurden daher folgendermaßen untergliedert:
Hastatus; ein Leichtbewaffneter, ausgerüstet mit einer Stoßlanze (siehe Hasta), später mit 2 Wurfspeeren, Schwert und Schild
Princeps; ein Schwerbewaffneter, ausgerüstet mit einer Stoßlanze (später mit 2 Wurfspeeren), Schwert, Körperpanzer und Schild
Triarius; ein Schwerbewaffneter, ausgerüstet mit Speer, Schwert, Körperpanzer und Schild
Durch die Heeresreform des Marius wurde die Bewaffnung der Legionäre vereinheitlicht, die vorgenannten Truppenteile unterschieden sich dann für lange Zeit nicht mehr in der Ausrüstung, sondern die Soldaten wurden ihnen mit zunehmender Erfahrung bzw. Dienstalter zugeordnet.
Veles; ein Leichtbewaffneter, ausgerüstet mit mehreren leichten Wurfspeeren und kleinem Schild
weitere Leichtbewaffnete:
Antesignanus; ausgerüstet mit leichten Wurfspeeren und kleinem Schild
Rorarius; ausgerüstet mit leichten Wurfspeeren und Schleuder
Bei der Kavallerie gab es als kleinste Einheit die Turma und als übergeordnete Einheit die Ala. In der Kaiserzeit gab es noch folgende speziell ausgerüstete Reiter:
Die Immunes waren vom normalen Dienst und schweren Arbeiten befreit. Oft waren es Spezialisten wie etwa:
Actuarius; Proviantmeister, verantwortlich für die Truppenversorgung Stammten die Actuarii während des Prinzipats aus den Reihen des Militärs, wurden sie in der Spätantike auch in den Kasernen zu reinen Zivilbeamten.
In der späten Kaiserzeit veränderte sich die römische Armee grundlegend. Die Legionen wurden oft in mehrere kleinere Einheiten (Vexillationen) aufgeteilt und änderten dabei teilweise auch ihren Namen. Manche dieser Vexillationen wurden in den Truppenlisten (siehe Notitia dignitatum) oft als eigene Legionen geführt. Die neuen Einheiten wurden dabei grundsätzlich wie folgt unterschieden:
Comitatenses; eine vom Grenzheer losgelöste Armee aus Eliteeinheiten, wurde meist als mobile Eingreiftruppe eingesetzt
Limitanei; direkt an der Grenze stationierte Einheiten
Im Rahmen der Grenzsicherung gab es auch noch kleine, meist selbstständig operierende Hilfstruppen für Wach- und Aufklärungseinsätze (siehe Numerus).
Entlohnung
Die jährliche Entlohnung der Soldaten (in Denarii) wird wie folgt angegeben:
Die Angabe des Soldes bezieht sich im Falle der Mannschaften auf einen einfachen Soldaten (Miles gregarius) sowie einen Immunis. Die Principales erhielten dagegen einen höheren Sold: ein sesquiplicarius erhielt den 1,5-fachen, ein duplicarius den doppelten Sold.
Verantwortlich für die Auszahlung des Soldes und die Verwaltung der Konten war der Cornicularius oder Librarius der Einheit. Vom auszuzahlenden Sold wurde ein bestimmter Betrag für verschiedene Aufwendungen abgezogen, außerdem musste der Soldat einen Teil seines Soldes als Ersparnis in der Kasse der Einheit zurücklegen (in deposito). Die Höhe dieser Abzüge wird auf 40 bis 80 Prozent geschätzt. Wie der Sold genau ausgezahlt wurde (ob in Edelmetall, Bronzegeld oder gemischt) ist umstritten. Zusätzlich zum regulären Sold erhielten die Soldaten gelegentlich Donativa; diese wurden vermutlich in Gold bezahlt. Durch eine Inschrift ist belegt, dass ein Offizier in Gold bezahlt wurde.
Der jährliche Sold wurde den Soldaten in drei Auszahlungen, am 1. Januar, am 1. Mai und am 1. September ausgehändigt. Neben dem Sold gab es auch noch weitere Geldzahlungen für gesonderte Ausgaben; so ist ein Fall aus dem Jahr 179 n.Chr. bekannt, in dem Reiter der Ala Veterana Gallica ein jährliches Heugeld von 25 Denarii erhielten.
↑Martin Mosser: Die Steindenkmäler der Legio XV Apollinaris. Forschungsgesellschaft Wiener Stadtarchäologie, Wien 2003, ISBN 3-902086-09-2, S.69.
↑Irene-Maria Cervenka-Ehrenstrasser: Lexikon der lateinischen Lehnwörter in den griechischsprachigen dokumentarischen Texten Ägyptens mit Berücksichtigung koptischer Quellen. Faszikel 1, (= Mitteilungen aus der Papyrussammlung der Österreichischen Nationalbibliothek 27) Hollinek, Wien 1996. S.65.
↑Rahel Otte: Fundmünzen aus dem Bonner Legionslager - Die Ausgrabungen 2013 und 2014, In: Bonner Jahrbücher 216, 2016, S. 31–55, hier S. 43–48 (Online).
↑Michael Alexander Speidel: Roman Army Pay Scales. Sonderdruck aus: M. A. Speidel, Heer und Herrschaft im Römischen Reich der Hohen Kaiserzeit, Stuttgart 2009, S. 349–380, hier S. 349, 356 (Online).