| ECLASS e. V. | |
|---|---|
| Rechtsform | eingetragener Verein |
| Gründung | 14. November 2000 |
| Sitz | Köln, |
| Leitung | Christine Beck-Sablonski |
| Website | eclass.eu |
ECLASS (alte Schreibweise eCl@ss) ist ein Datenstandard für die Klassifizierung von Produkten und Dienstleistungen mit Hilfe von standardisierten ISO-konformen Merkmalen. Der ECLASS-Standard ermöglicht den digitalen Austausch von Produktstammdaten über Branchen, Länder, Sprachen oder Organisationen hinweg. Insbesondere in ERP-Systemen ist die Nutzung als standardisierte Grundlage für eine Warengruppenstruktur oder mit produktbeschreibenden Merkmalen von Stammdaten weit verbreitet. Im Zusammenhang mit dem Digitalen Produktpass (DPP) können Informationen mithilfe von ECLASS-Strukturelementen, etwa zu „Environmental Footprint“, „General Battery and Manufacturer Information“ oder „Circularity and Resource Effieciency“, innerhalb einer Verwaltungsschale (Asset Administration Shell, AAS) dargestellt werden.
Als ISO-konformer und weltweit einziger merkmalsbasierter Klassifikationsstandard dient ECLASS als „Sprache“ für die Industrie 4.0 und das „Internet of Things“ (IoT).
Der ECLASS e.V. wurde am 14. November 2000 von 12 großen Unternehmen der deutschen Wirtschaft gegründet. Heute hat der ECLASS e.V. mehr als 150 internationale Mitglieder aus Wirtschaft, Verbänden und öffentlichen Einrichtungen. Grundlegend für eine elektronische Beschaffung von Dienstleistungen – genauso wie bei materiellen Produkten – ist ein Standard für den Informationsaustausch zwischen Lieferanten und Kunden. Der ECLASS e.V. ist eine Non-Profit-Organisation, die den gleichnamigen Klassifikations- und Stammdatenstandard branchenübergreifend international definiert, weiterentwickelt und verbreitet. Der ECLASS e.V. entwickelt und pflegt einen international anerkannten Standard zur einheitlichen Klassifikation und Beschreibung von Produkten und Dienstleistungen. Ziel ist die Förderung eines effizienten und interoperablen elektronischen Datenaustauschs über Branchen und Länder hinweg. Damit unterstützt der Verein Unternehmen bei der Digitalisierung von Geschäftsprozessen und der Erfüllung regulatorischer Anforderungen, etwa im Rahmen des Digitalen Produktpasses.
Gegründet wurde der ECLASS e.V. von den Firmen Siemens, BASF, Audi/VW, E.ON, SAP, Bayer AG, Degussa, Wacker Chemie, Infraserv Chemfidence und Solvay. Heute zählen neben großen internationalen Industrieunternehmen auch viele mittelständische Unternehmen und Organisationen der öffentlichen Hand, wie das Land NRW oder die Österreichische Bundesbeschaffung, zu den Mitgliedern.

Im Verein bestehen folgende Mitgliedschaften:
Neben den üblichen Vereinsgremien wie Mitgliederversammlung und Vorstand hat der Verein noch folgende Gremien.
Der Verein betreibt eine Hauptgeschäftsstelle (ECLASS Head Office) zur Koordinierung und Durchführung der durch den Vorstand beauftragten operativen und administrativen Tätigkeiten. Neben der Hauptgeschäftsstelle in Deutschland (im Institut der deutschen Wirtschaft) unterhält der ECLASS e.V. regionale Geschäftsstellen in Österreich, Portugal, Spanien, der Schweiz, Nordeuropa, China und den USA.
Der Verein wird durch Beiträge der Mitglieder sowie aus den Einnahmen durch den Vertrieb des ECLASS Standards finanziert.
Jedes Ordentliche Mitglied entrichtet einen jährlichen Mitgliedsbeitrag entsprechend seiner Unternehmensgröße. Fördermitglieder entrichten einen reduzierten Beitrag. Die konkrete Höhe der Beiträge ergibt sich aus der Beitragsordnung des Vereins.
Der Standard ist lizenzpflichtig. Die Kosten hierfür sind nach Unternehmensgröße gestaffelt. Die ECLASS-Lizenzen können über die ECLASS Webseite erworben werden.

Der ECLASS Standard ist ein hierarchisches System, ähnlich dem UNSPSC-Klassifikationssystem, zur Gruppierung von Produkten und Dienstleistungen. Es besteht aus vier Hierarchieebenen (Klassen): Sachgebiet (Ebene 1), Hauptgruppe (Ebene 2), Gruppe (Ebene 3) und Untergruppe (Ebene 4). Aus der Hierarchie ergibt sich, dass eine übergeordnete Klasse ihre untergeordneten Klassen umfasst, d. h. sie sind ihr logisch zugeordnet.

Die Knoten der Baumstruktur werden zusammen als Materialklassen bezeichnet. Auf der 4. Ebene (Untergruppe) stellt ECLASS sogenannte Merkmalleisten zur Verfügung. Merkmale ermöglichen die detaillierte Beschreibung von Produkten und Dienstleistungen in den zugehörigen Stammdaten und ermöglichen so die Suche in den verschiedenen Katalogen. Die Merkmale werden durch Werte definiert. Jeweils angehängte Schlagwörter und Synonyme dienen dem schnellen, zielgerichteten Auffinden der Produktklassen und ihrer Merkmalleisten.
Zusammengefasst besteht das System aus den folgenden Elementen:
Sowohl die Prozesse zur Entwicklung des Standards als auch die Ausleitungsformate und die datenmodelltechnischen Grundlagen basieren auf internationalen Normen.
Der ECLASS Standard wird in Übereinstimmung mit der Norm ISO 8000-110 entwickelt, die Anforderungen an die Qualität von Stammdaten definiert und dabei insbesondere die Übertragbarkeit (Interoperabilität), formale Syntax und die semantische Kodierung in den Vordergrund stellt. ECLASS unterstützt die ISO-Konformität unter anderem durch technische Spezifikationen für etablierte Austauschstandards (z. B. BMEcat, AutomationML, Asset Administration Shell), die Nutzung von IRDI-Identifiers (konzeptionelle Identifikationen) zur semantischen Kodierung sowie die Bereitstellung des Standards in Formaten wie CSV, XML und JSON.
Jedes Jahr veröffentlicht der ECLASS e.V. eine aktualisierte Version des ECLASS Standards (Release). Bis 2021 war die Planung gestaffelt: „Major Releases“, die zusätzlich Strukturänderungen beinhalten, wechselten sich mit „Minor Releases“ ab, die bei unveränderter Struktur neue Inhalte anbieten. Um die Erweiterungen des ECLASS Standards zu beschleunigen und den dynamischen Anforderungen der Nutzer noch schneller gerecht werden zu können, beschloss der ECLASS Vorstand, ab ECLASS Release 12.0 (Veröffentlichung November 2021) zukünftig ausschließlich Major-Releases zu veröffentlichen.
Das aktuellste Release mit der Bezeichnung „ECLASS 16.0“ hat im Vergleich zur vorherigen Version „ECLASS 15.0“ 995 neue Klassen (CC, AS, BL, AC), davon 137 neue Classification Classes (CCs), 1.253 neue Merkmale, 985 neue Werte und 126 neue Wertelisten. Hierfür wurden über 155.000 Change Requests von Anwendern und Experten bearbeitet: Erweiterungen, Umstrukturierungen, Weiterentwicklungen und Aktualisierungen.
Zu jeder neuen Version veröffentlicht der ECLASS e.V. maschinenlesbare Dateien (TUF und CUF). Damit ist ECLASS der einzige Standard weltweit, der automatische – weil maschinenlesbare – Migrationen ermöglicht. Die aktuelle Version des ECLASS Standards ist die Version 16.0.
ECLASS 16.0 (veröffentlicht im November 2025) enthält rund 50.000 Klassen, rund 23.000 Merkmale und über 130.000 Schlagwörter. ECLASS wird seit der Version 15.0 in insgesamt 31 Sprachen bereitgestellt. Somit deckt ECLASS nun alle offiziellen Sprachen der europäischen Union und darüber hinaus viele weitere internationale Sprachen ab.

Die Weiterentwicklung des ECLASS Standards basiert auf ISO-Standards. Die Teilnahme an der Weiterentwicklung ist für jeden kostenfrei möglich. Dafür steht ein kostenloses Online-Portal, die Content Development Platform (CDP), zur Verfügung, auf der Änderungsanträge (Change Requests) eingereicht werden können. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit der aktiven Mitarbeit in Fachgruppen (Expert Group).
Erst mit standardisierten Stammdaten wird Master Data Management möglich. Der ECLASS Standard bietet Vorteile entlang der gesamten Wertschöpfungskette:
Seit dem 1. Januar 2006 ist ETIM Mitglied von ECLASS und umgekehrt. ETIM Deutschland e.V. (ElektroTechnisches InformationsModell) ist eine Initiative zur Standardisierung des elektronischen Austausches von Produktdaten im Fachbereich Elektrotechnik. Beide Organisationen haben sich die Harmonisierung von ETIM mit dem ECLASS Standard zum Ziel gesetzt und arbeiten dabei u. a. mit VDMA, ZVEI und dem DIN zusammen. Am 1. Januar 2013 ist Prolist International e.V. im ECLASS e.V. aufgegangen.
ECLASS ist Mitglied der Industrial Digital Twin Association (IDTA). Ziel der Zusammenarbeit ist es, die Verwaltungsschale (Asset Administration Shell, AAS) als zentrales Element des digitalen Zwillings mit standardisierten, maschinenlesbaren Daten auf ECLASS zu unterstützen. Damit können Merkmale und Klassifikationen des ECLASS-Standards direkt in die AAS integriert werden, was die Interoperabilität zwischen Systemen fördert und eine einheitliche semantische Grundlage für Industrie 4.0 Anwendungen schafft.
Rund 45.000 Unternehmen weltweit nutzen den ECLASS Standard bereits erfolgreich für den digitalen Datenaustausch und über alle Grenzen hinweg. ECLASS wird in Industrie, Handel, Handwerk und Dienstleistungssektor verwendet. Die aktuell 40 Sachgebiete (Stand 2025) umfassen zum Beispiel Bau, Logistik, Lebensmittel, Medizin, Optik, Automotive, Labortechnik oder Büromaterial. Neben großen internationalen Unternehmen wie Siemens, SAP, VW-Audi oder BASF, hat sich z. B. die deutsche Medizinbranche für ECLASS als Klassifikationsstandard für den elektronischen Datenaustausch entschieden. Auch in der öffentlichen Beschaffung wie z. B. beim Kaufhaus des Bundes und einigen Bundesländern wird er eingesetzt.
Im Jahr 2002 veröffentlichte das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation eine Umfrage, nach der von 296 befragten Unternehmen 34,9 % eine Standardproduktklassifikation einsetzten, davon wiederum 32,4 % ECLASS, absolut also 11,3 %. Damit lag ECLASS in Deutschland vor ETIM (6,6 %) und UNSPSC (3,8 %).